Predigt:
Gründonnerstag B (13.04.2006)
L1: Ex 12,1-8.11-14; L2: 1 Kor 11,23-26; Ev: Joh 13,1-15
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Am Abend vor seinem Leiden – das ist heute, nämlich der Gründonnerstag – wollte Jesus mit seinen Jüngern das Paschamahl feiern, wie es bei den Juden der Brauch war. Dieses Mahl, von dem die erste Lesung berichtet (vgl. Ex 12), wurde gefeiert zum Gedächtnis an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Gott hatte sein Volk befreit aus der Sklaverei der Ägypter, und als Zeichen der Rettung wurde ein Lamm geschlachtet, mit dessen Blut man die Türpfosten bestrich.
Im Zusammenhang dieses Paschamahles, bei dem der jüdische Hausvater ein Lamm schlachtete und es seinen Angehörigen zum Essen vorsetzte, stiftet Jesus nun ein Opfer und Mahl besonderer Art: Es ist die unblutige Vorausnahme seines blutigen Leidens und Sterbens, das bereits hier am Gründonnerstag unter den sichtbaren Gestalten von Brot und Wein vergegenwärtigt wird.
Jesus Christus bietet sich den Seinen dar als Speise zum ewigen Leben. Er schenkt sich ihnen unter dem Zeichen der Brotsgestalt, wenn er sagt, dass dies sein Leib ist, der für sie am Kreuz hingegeben wird. Er lässt sie teilhaben an der Gemeinschaft seines Leidens und Sterbens sowie an der künftigen Auferstehung, indem er ihnen den Kelch reicht und dabei die Worte spricht, dies sei der Kelch des neuen und ewigen Bundes, sein Blut, das vergossen wird zur Vergebung der Sünden.
Der Evangelist Johannes berichtet uns von einem eindrucksvollen Zeichen, das Jesus in diesem Zusammenhang gesetzt hat: Die Fußwaschung, die er als Herr und Meister an seinen Jüngern vollzieht, weist darauf hin, dass alle einander dienen sollen. Im Reiche Gottes, das die Gemeinschaft der Glaubenden – also die Kirche Gottes – bereits anfanghaft auf Erden verwirklicht, gilt die Ordnung der Liebe: Ein jeder trage des anderen Last, ein jeder verzeihe dem anderen seine Schuld, ein jeder bemühe sich, dem anderen zu dienen, wo er Hilfe braucht.
Das Evangelium nach Johannes berichtet uns in der Folge (vgl. Joh 13,33–16,33) von verschiedenen Unterweisungen, die Jesus an seine Jünger gerichtet hat. Es sind Abschiedsworte, gesprochen als Testament der Liebe und als Vermächtnis an alle, die an ihn glauben. Der krönende Abschluss dieser Unterweisungen und Belehrungen besteht im so genannten „Hohepriesterlichen Gebet“, das Jesus an seinen himmlischen Vater richtet (vgl. Joh 17). Darin bittet Jesus Christus, der menschgewordene Sohn Gottes, seinen Vater, dass er ihn verherrlichen möge, so wie der Sohn den Vater auf Erden verherrlicht hat. Jesus betet zum Vater um seine Gnade und seinen Beistand für seine Jünger, die er auf Erden zurücklässt, da er fortgeht, um ihnen eine Wohnung zu bereiten. Ausdrücklich bittet der Herr auch für jene, die durch das Wort der Jünger an ihn glauben werden. Darin sind alle Menschen eingeschlossen, die das Evangelium im Glauben annehmen.
Ja, es ist eine Gnade zur Gemeinschaft mit dem Herrn und Erlöser gerufen zu sein. Als Glaubende leben wir zwar in der Welt, doch sind wir nicht mehr von dieser Welt. Der Wunsch Jesus ist es, wie er es in seinem Hohepriesterlichen Gebet ausdrückt, dass auch diejenigen, der der Vater ihm anvertraut hat, dorthin gelangen, wo er ist. Anteil am ewigen Leben erhält derjenige, der an den Vater glaubt und an den Sohn, den er gesandt hat. Der bevorstehende Kreuzestod Jesu ist eine Offenbarung der Herrlichkeit Gottes. Denn im Leiden des menschgewordenen Gottessohnes zeigt sich der endgültige Triumph der Liebe Gottes. Gott lässt sich vom Hass der Menschen nicht besiegen. Die Liebe des Sohnes Gottes überwindet Sünde, Tod und Teufel. Durch das freiwillige Leiden und Sterben des Sohnes Gottes wird uns das neue und ewige Leben geschenkt. All dies ist eingestiftet in das Geheimnis der heiligen Eucharistie, das die Kirche durch den Dienst der Priester seither feiert als Vermächtnis des Herrn.
Danken wir dem Erlöser dafür, dass er uns unter der Brotsgestalt im heiligen Sakrament nahe ist! Er selber ist unsere Speise auf dem Pilgerweg dieses irdischen Lebens, Gott entgegen. Wer mit ihm verbunden ist, braucht den Tod nicht zu fürchten. Denn der Glaubende und Liebende empfängt ewiges Leben. Mit Maria, der jungfräulichen Gottesmutter, vereinigen wir uns mit dem Leiden und Sterben des Herrn, damit wir auch Anteil an seiner Auferstehung erhalten! Amen
