Josef Spindelböck
Eine Gemeinschaft der Liebe und
des Lebens
Predigt am Fest der Heiligen
Familie
28. Dezember 2008, Lesejahr B
L 1: Sir 3,2-6.12-14 (3-7.14-17a) oder Gen 15,1-6; 21,1-3;
L 2: Kol 3,12-21 oder Hebr 11,8.11-12.17-19; Ev: Lk 2,22-40
Alle liturgischen Texte finden Sie online im Schott-Messbuch
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Das Fest der
Heiligen Familie weist uns auf das Geheimnis
göttlicher und menschlicher Liebe hin, das die Gemeinschaft von Maria,
Josef und dem Jesuskind geprägt und beseelt hat.
Die Familie
ist nach Gottes Plan gegründet auf
die eheliche Gemeinschaft von Mann und
Frau, in Offenheit für Kinder. Auch wenn die Verbindung von Maria und Josef eine besondere war – sie lebten ihre
Ehegemeinschaft nach dem Willen
Gottes auf jungfräuliche Weise –, so
fehlte doch nichts von den wesentlichen Werten, die eine christliche Ehe und
Familie ausmachen.
Der heilige Augustinus
hat drei wesentliche Güter der Ehe
aufgezählt: Nachkommenschaft
(„proles“), Treue („fides“) und sakramentale Unauflöslichkeit
(„sacramentum“). Die Heilige Familie von Nazareth hat all dies in einzigartiger
Weise verwirklicht. In allem war die Liebe
zu Gott und zueinander das Entscheidende. Diese Liebe ist die Voraussetzung
für die gegenseitige Achtung der Personen und für die Hingabe und Gemeinschaft
der Herzen.
Das erste Gut
der Ehe ist die Offenheit für Kinder.
Es gibt Ehepaare, denen Kinder trotz ihres Wunsches versagt bleiben. Für diese
Gatten ist die Kinderlosigkeit ein Kreuz und eine Prüfung, die sie in
gegenseitiger Liebe zu tragen haben. Die eheliche
Liebe ist ihrem Wesen nach fruchtbar und deshalb auch offen für Kinder. Kinder grundsätzlich auszuschließen entspricht
nicht dem Plan Gottes für Ehe und Familie. Wer
Kinder in Liebe annimmt, wird auf reiche Weise beschenkt, auch wenn es
vielleicht materiell etwas schwieriger wird. Gute Ehen und Familien brauchen
unsere Unterstützung, denn von ihnen hängt unsere Zukunft ab. Dadurch dass der Sohn Gottes selbst als Kind in einer menschlichen Familie aufwachsen wollte, hat er
gezeigt, wie wichtig die familiäre Gemeinschaft ist.
Das zweite Gut
der Ehe ist die Treue. Nur wenn die
Gatten zueinanderstehen „in guten und in bösen Tagen“, werden sie das Leben
bewältigen können. Die Liebe ist immer auf die Person des anderen ausgerichtet.
Eine Person ist kein Wegwerfobjekt;
man kann sie nicht einfach wegschicken, wenn sie einem nicht mehr gefällt oder
wenn es Schwierigkeiten gibt. Der richtige Weg wird immer das Bemühen um die
Gemeinschaft des ehelichen Lebens sein. Gott ist mit den Ehepartnern, wenn sie
einen Weg zueinander suchen, und hilft ihnen, die eheliche Treue in Gedanken, Worten und Werken zu verwirklichen. Denn die
Treue ist eine Folge und ein Ausdruck ihrer Liebe. Auch Maria und Josef sind in Treue zueinander gestanden und haben viel
Schönes miteinander erlebt, aber auch so manches Schwere und Leidvolle
miteinander getragen. Denn nicht immer verstanden sie die Pläne Gottes mit
Jesus, der in ihrer Familie heranwuchs und ihnen im Alter von zwölf Jahren nach
dem dreitägigen Verlust bei der Tempelwallfahrt erklärte, er müsse doch im
Hause seines himmlischen Vaters sein.
Das dritte Gut der
Ehe ist nach dem heiligen Augustinus die sakramentale Unauflöslichkeit. Weil Gott selbst dem Bund der Liebe zu den Menschen
immer treu bleibt, verwirklichen auch die Ehegatten diese Verbindung, „bis der
Tod sie scheidet“. Doch selbst nach dem
Tod hört ihre Liebe nicht auf. In der jungfräulichen
Ehe zwischen Maria und Josef war das Jesuskind der eigentliche Garant ihrer
Verbindung. Wie hätte auch ihre Liebe einmal enden sollen, wenn Gott selbst als Quelle der Liebe
mitten unter ihnen war …!
Wir wollen an diesem Sonntag besonders für die Familien beten: für jene
Familien, in denen das Ehe- und Familienleben weitgehend intakt ist, die aber
auch ihre Sorgen haben, und auch für jene Familien und Gemeinschaften von
Eltern und Kindern, in denen es Probleme und Spannungen, ja vielleicht sogar
Unverständnis und Gewalt gibt. Ein besonderes Anliegen soll uns allen – über
Parteigrenzen hinweg – der Schutz des
ungeborenen Lebens sein. Jedes Kind hat Anspruch auf Achtung seines Lebens
und auf Unterstützung zur Entfaltung dieses Lebens, ob geboren oder ungeboren,
ob gesund, krank oder behindert. Helfen wir dabei mit, dass auch Menschen in
schwierigen Situationen ein bedingungsloses
Ja zum Leben sagen können!
Dort wo es Versagen
gibt oder gegeben hat, ist ein Neubeginn möglich. Versöhnung unter den Menschen und mit Gott ist stets eine
hoffnungsvolle Perspektive! Gerade das Bußsakrament
kann hier hilfreich sein.
Wir empfehlen uns alle der Fürbitte der Gottesmutter Maria und des heiligen Josef. Sie mögen
für uns eintreten und alle unsere Anliegen hinbringen vor das göttliche Kind in der Krippe, damit uns die Freude der Gemeinschaft mit Gott und
untereinander zuteil wird und sich diese einst vollende im ewigen Leben.
Amen.
Karol
Wojtyła / Johannes Paul II.,
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