Predigt:
Karfreitag B (14.04.2006)
L1: Jes 52,13-53,12; L2: Hebr 4,14-16 ; 5,7-9; Passions-Ev: Joh 18,1-19,42
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Niemand leidet gern. Wenn uns Schmerz und Ungemach widerfährt, wenn wir Krankheiten und Leiden begegnen, dann empfinden wir dies als Beeinträchtigung unseres Lebens und Wohlergehens. Auch Jesus ist es so ergangen, denn er war ein wahrer Mensch wie wir. Gottes Sohn hat – obwohl er Gott ist von Ewigkeit – dennoch eine sterbliche Menschennatur angenommen, um sich mit unserer Schwachheit und Hinfälligkeit zu verbinden.
In seiner menschlichen Natur hat der Sohn Gottes vor dem Leiden zurückgeschreckt, wie uns die Ereignisse im Garten von Gethsemani zeigen. Jesus betete darum, dass der Kelch des Leidens an ihm vorübergehen möge. Doch es sollte sich so erfüllen, wie es der Vater wollte. Gottes Wille solle geschehen, betete Jesus als Mensch.
Die Passion nach Johannes hat uns eindrucksvoll aufgezeigt, wie der Erlöser alles Leid und alle Schmach auf sich genommen hat. Er hat dies getan aus Liebe zu uns Menschen, um durch sein Leiden einerseits die Bosheit und Grausamkeit der Sünde zu offenbaren und andererseits das Übermaß seiner Barmherzigkeit zu zeigen. Auf diese Weise hat sich der Erlöser mit einem jeden von uns verbunden, gerade auch dann wenn wir geprüft werden und leiden müssen.
Die österreichischen katholischen Bischöfe haben in ihren „Leitlinien für katholische Einrichtungen im Dienst der Gesundheitsfürsorge“ mit dem Titel „Leben in Fülle“ vor kurzem erklärt: „Der Sinn des menschlichen Leidens wird in Jesus Christus erhellt. Erst im Heilsgeheimnis von Leiden und Sterben, von Tod und Auferstehung unseres Herrn können falsche oder unzureichende Antworten überwunden werden. Erlösung bedeutet die Befreiung vom Bösen – von der Sünde und ihren Folgen – sowie das Geschenk des ewigen Lebens in Gott und steht deshalb in enger Beziehung zum Problem des Leidens. Freiwillig hat der Sohn Gottes das Leiden und den Tod auf sich genommen, um uns in der Solidarität seiner Liebe das Heil zu schenken, das in seiner Auferstehung für uns offenbar geworden ist.“
So soll uns der Blick auf das Kreuz mit Hoffnung und Zuversicht erfüllen. Nicht die Sünde und Bosheit der Menschen haben das letzte Wort, sondern Gottes erbarmende Liebe. Wer die Novene beten will, die bis zum Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit geht, beginnt diese heute am Karfreitag. Im Geist der heiligen Schwester Faustyna von Krakau soll uns bewusst werden, dass Gott auch dem größten Sünder verzeiht, wenn er die Gnade der Vergebung annimmt und sich bekehrt. Es wäre ein Missbrauch dieser Barmherzigkeit Gottes, wenn wir Gott verharmlosen würden und meinten, die Sünde wäre gar nicht so schlimm. Im Gegenteil: So abgründig böse und schlimm ist die Sünde als Beleidigung Gottes und als bewusste und freiwillige Trennung des Menschen von Gott, dass der Sohn Gottes am Kreuz sterben musste. Denn nur auf diese Weise wollte er im Geheimnis seiner Liebe das Böse überwinden und uns das neue, göttliche Leben schenken.
Wir treten mit der Gottesmutter Maria geistig unter das Kreuz Jesu und lassen uns von ihm mit den Quellen der Gnade beschenken, die er uns in seinem aus Liebe geöffneten Herzen erschlossen hat: In den Sakramenten wird uns das Heil zuteil und ewiges Leben. Amen
