www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation
Word-Dokument

Predigt:

Die Hingabe Jesu am Kreuz aus der Freiheit der Liebe

Karfreitag B (10.04.2009)

L1: Jes 52,13-53,12; L2: Hebr 4,14-16 ; 5,7-9; Passions-Ev: Joh 18,1-19,42


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Nach alter Tradition der Kirche wird am Karfreitag keine heilige Messe gefeiert, sondern es gibt liturgisch eine eigene „Feier vom Leiden und Sterben Christi“ mit den drei Hauptteilen Wortgottesdienst (mit Passion und großen Fürbitten), Kreuzverehrung und Kommunionfeier.

Nur an einem einzigen Ort in der lateinischen Kirche darf diese strenge Regel heuer ausnahmsweise durchbrochen werden: In der vom Erdbeben schwer getroffenen italienischen Stadt L’Aquila findet trotz des Karfreitags das Requiem – also die Totenmesse – für die Opfer der Katastrophe statt. Die römische Gottesdienstkongregation gab die Erlaubnis zu dieser liturgischen Ausnahme „in Anbetracht der außerordentlichen Schwere des Ereignisses“. Auch wir wollen für jene Menschen beten, die aufgrund des Erdbebens gestorben sind oder obdachlos geworden sind.

Der Blick auf das Kreuz Christi lehrt uns die Verbundenheit mit allen Menschen, die irgendwo ein Leid zu tragen haben oder die Opfer von Katastrophen und ungerechter Gewalt geworden sind.

Als der göttliche Erlöser den Tod am Kreuz auf sich nahm, den ihm ein ungerechtes menschliches Urteil auferlegt hatte, so tat er dies in einer vollkommenen inneren Freiheit, wie uns insbesondere das Johannesevangelium in der an diesem Karfreitag vorgetragenen Passion aufzeigt. Schon bei der Gefangennahme Jesu im Garten Gethsemani wird dies deutlich sichtbar. Jesus fragt angesichts der gewaltsamen Bemühung des Petrus, ihn vor den Soldaten zu verteidigen: „Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat – soll ich ihn nicht trinken?“ Auch vor Pilatus zeigt Jesus, dass er sich dessen bewusst ist, ein König zu sein. Allerdings: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.“ Sein Leben und auch sein Leiden und Sterben werden vielmehr ein Zeugnis sein für die Wahrheit Gottes. Eindrucksvoll ist vor allem, mit welcher Bereitschaft der Liebe und Hingabe Jesus sein Kreuz getragen hat, soweit es seine Kräfte zuließen. Der Sohn Gottes hatte dabei in geheimnisvoller Weise jeden Menschen vor Augen, sodass in Wahrheit jeder von uns sagen kann: Für mich ganz persönlich hat Jesus das Kreuz getragen und sein Leiden auf sich genommen, um mir das Heil und die Vergebung der Sünden zu schenken.

Wenn wir aber für Gott so viel bedeuten, dass er seinen eigenen Sohn nicht geschont hat, sondern ihn für uns alle hingegeben hat, dann lasst uns voll Zuversicht sein und voll Vertrauen! Wir haben einen Mittler und Fürsprecher, der für uns eintritt und uns den Weg ins himmlische Vaterhaus eröffnet. Nicht die Last des eigenen Versagens oder die Ohnmacht angesichts der Ungerechtigkeit der Welt soll uns niederdrücken, sondern das Herz darf sich in Freiheit zu Gott erheben, der unser guter himmlischer Vater ist.

In seinem Leiden und Sterben am Kreuz hat Jesus gezeigt, dass die Macht der Liebe größer ist als alle Schuld. Liebe besiegt selbst den Tod, und so gedenken wir als Christen nicht nur des Todes Christi, sondern erwarten auch die Feier seiner Auferstehung, die wir bald begehen werden.

Vom Kreuz von Golgota aus strahlt ein Licht aus über die ganze Welt, das uns sowie der ganzen leidenden und bedrängten Menschheit Trost und Hoffnung gibt! Amen.