Dr.
theol. habil. Josef Spindelböck
Mit Leib und
Seele bei Gott vollendet
Predigt am Hochfest der
Aufnahme Mariens
in den Himmel
15. August 2006
L 1: Offb
11,19a.12,1-6a.10ab; L 2: 1 Kor 15,20-27a; Ev: Lk 1,39-56
Die liturgischen Texte finden Sie
online im Schott-Messbuch.
Liebe
Brüder und Schwestern im Herrn!
Mit
großer Freude feiern wir heute hier in Aggsbach Markt das Patrozinium unserer
Pfarrkirche, Mariä Himmelfahrt, oder wie es exakt heißt, das Hochfest der
Aufnahme Mariens in den Himmel.
Die
erste Lesung aus der Offenbarung des Johannes gibt uns das Thema vor: „Dann
erschien ein großes Zeichen am Himmel:
eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein
Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“ (Offb 12,1)
Es
ist ein gewaltiges Bild, das Johannes, der Seher von Patmos, hier entwirft und
uns vor Augen stellt. Im Himmel thront eine
Frau, die der dreifaltige Gott selber
mit aller Herrlichkeit geschmückt hat,
die einem Geschöpf zukommen kann. Maria, die Jungfrau und Gottesmutter, wurde
von Gott nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele in den
Himmel aufgenommen. Das große Zeichen der himmlischen Frau verweist in allem
auf Gott, der Großes getan hat an Maria, die nichts anderes sein wollte als die
demütige Magd des Herrn.
Wir
werden erinnert an jene biblische Weissagung,
wie sie im Buch Genesis festgehalten
ist, nachdem Adam und Eva in Sünde gefallen waren. Gott strafte die Stammeltern
zwar, verhieß ihnen aber zugleich den Erlöser, der geboren werden sollte aus
einer Frau. Dieser würde der Schlage, d.h. dem Satan und seinem Anhang, den
Kopf zertreten. So sprach Gott im
Paradies zur Schlange, die den Teufel symbolisierte: „Feindschaft setze ich
zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er
trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Ferse.“ (Gen 3,15) Gott selber
würde also die Menschen nicht auf Dauer ihrem traurigen, selbstverschuldeten
Schicksal überlassen, sondern den Erlöser senden, Jesus Christus, welcher der
Nachkomme der „Frau“ ist und der die Sünde, den Tod und den Teufel
endgültig besiegt.
In
der zuvor gehörten Lesung aus der Offenbarung des Johannes wird das Bild des
Kampfes zwischen Gut und Böse und des endgültigen Sieges Gottes wieder
aufgenommen: Die apokalyptische
Sonnenfrau, welche den Mond unter ihren Füßen hat und einen Kranz von zwölf
Sternen auf ihrem Haupt trägt, tritt als die große Gegenspielerin des „Drachen“ auf, welcher der Frau und ihrem Kind
nachstellt: „Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr
Kind verschlingen, sobald es geboren war.“ Letztlich kann er aber der Frau und
dem Kind nichts anhaben, denn das Kind wird zu Gott entrückt und der Frau wird
in der Wüste ein Zufluchtsort geschaffen.
Die
Auslegung dieses Bildes aus der
Offenbarung wurde von den Vätern der Kirche und der ganzen Tradition von
Anfang an sowohl auf die Kirche als
ganze wie auch auf Maria, das Urbild der
Kirche, bezogen. D.h. die Frau, welche mit der Sonne umkleidet ist,
verweist auf das Volk Gottes, auf
das Bundesvolk, mit welchem Gott einen Bund der Liebe begründet hat. Dieses
Volk Gottes darf in aller Bedrängnis und Gefahr hoffen auf den Erlöser, der ihm geschenkt ist und der es sicher zum ersehnten Ziel in der
himmlischen Herrlichkeit führt.
Zugleich
stellt die Frau, welche einen Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt trägt und
den Mond unter ihren Füßen hat, die heilige
Jungfrau und Gottesmutter Maria dar. Sie hat Jesus, das Kind, geboren und uns geschenkt. Ihre Demut und ihr Glaube haben dem stolzen Aufbegehren der ersten Menschen, welche
von der „Schlange“ versucht worden waren, das Ja der Liebe entgegen gesetzt. An
Maria hat das Böse keinen Anteil. Sie ist die Siegerin über den Tod, weil
sie als erste teilhat am Ostersieg
Christi, des Erlösers. Er hat als der
Auferstandene auch seine Mutter
Maria in die himmlische Herrlichkeit heimgeholt. Von dort her erscheint sie
als das große „Zeichen“ am Himmel, das uns Hoffnung gibt, die wir noch auf
Erden pilgern. Auch unser Leben soll durch Gottes Macht und Liebe vollendet
werden.
Der
Jungfrau Maria konnte der Tod nichts anhaben; er hielt sie nicht fest: Ihr Leib sollte die Verwesung nicht
schauen, sondern wurde auferweckt und
verherrlicht. So wurde sie Christus,
ihrem Sohn gleich gestaltet, in Vorwegnahme des künftigen Loses aller Geretteten.
Blicken
wir also heute an diesem Festtag voll Freude und Dankbarkeit auf die
Gottesmutter Maria! Sie darf uns vom
Himmel aus mit ihrer mütterlichen
Fürbitte begleiten. Wenn wir uns ihr anvertrauen und ihrem unbefleckten
Herzen weihen, gehen wir nicht in die Irre. Sie vermag uns alles Nötige von Gott zu erbitten, sodass auch wir einst eingehen
dürfen in die ewige Vollendung bei Gott.
Amen.
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