Dr. Josef Spindelböck

Sie erkannten ihn beim Brotbrechen

Predigt am Ostermontag
17. April 2006, Lesejahr B

 

L: Apg 2,14.22-33; L 2: 1 Kor 15,1-8.11; Ev: Lk 24,13-35 oder Mt 28,8-15
Die Texte finden Sie im Schott-Messbuch!

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Jesus, der Auferstandene, zeigt sich zwei Jüngern aus dem Dorf Emmaus. Ihr Gang von Jerusalem nach Hause in ihr Dorf wird zum Weg aus der Dunkelheit ins Licht, aus Traurigkeit und Verlassenheit hin zu österlicher Hoffnung und Jubel.

Doch dieser Umschwung nicht nur der Stimmung, sondern der ganzen Grundeinstellung ihres Herzens kommt nicht von selber: Ein zunächst unbekannter Begleiter teilt mit den Jüngern die Sorgen. Diesem Weggefährten eröffnen sich die beiden Männer in ihrer Enttäuschung und Niedergeschlagenheit. Es scheint, als sei er der einzige in Jerusalem, der nicht wüsste, was sich mit diesem Jesus aus Nazareth ereignet hat, dem sie so sehr vertraut hatten und auf den sie all ihre Hoffnung gesetzt hatten. Wie gut tut es ihnen, dem Fremden erzählen zu können, was geschehen ist und sich nun in ihrem Herzen an Traurigkeit angesammelt hat!

Stück für Stück nimmt der Fremde den beiden Jüngern ihre Zweifel, indem er die Schrift auslegt. Ausgehend von den Propheten des Alten Testamentes weist er ihnen nach, dass dies das Schicksal des Messias sein „musste“, auf den sie gewartet haben: In seinem freiwilligen Sühnetod trug er die Schuld der vielen, eröffnete er ihnen den Weg zum Heil. Was wie eine Niederlage aussieht, wird zum Triumph der göttlichen Liebe und des Erbarmens.

Nur noch wenig fehlt jetzt den Jüngern, und sie haben zum Osterglauben gefunden: Sie müssen dem Auferstandenen selber begegnen! Aber sind sie ihm nicht längst schon begegnet? Sie sind es, aber sie haben ihn noch nicht erkannt. Erst als sie ihn, daheim angekommen, zum Mahl einladen und er das Brot mit ihnen bricht, erkennen sie ihn. „Dann sahen sie ihn nicht mehr.“

Weil ihre Herzen sehend geworden sind und sie den Auferstandenen erkannt haben, brauchen sie seine sichtbare Gegenwart nicht mehr. Voll Freude laufen sie den langen Weg zurück nach Jerusalem und erzählen den übrigen Jüngern von ihrer Begegnung.

Unsere Situation, liebe Gläubige, ist in vielem jener der Emmaus-Jünger ähnlich. Auch wir sind auf der Suche nach dem Heil und nach der Wahrheit. Wir müssen aufbrechen aus dem Dunkel der Selbstzufriedenheit oder der Enttäuschung, dem Licht der österlichen Freude entgegen. Auch uns belehren die Worte der Schrift über den Sinn all dessen, was wir erfahren. Schließlich begegnet auch uns der Herr in der Feier der Eucharistie, in der der Priester in der Person Christi den Gläubigen das Brot des wahren und ewigen Lebens reichen darf, das Christus ist.

Wir sehen den Herrn nicht mit den Augen des Leibes, wohl aber mit denen des Herzens. Wir glauben an ihn und vertrauen ihm, und in gewisser Weise dürfen wir sagen: Glauben ist mehr als sehen. Das, was der Glaube erfasst, ist den Sinnen unzugänglich. Gottes Herrlichkeit und Liebe ist ohne Grenzen.

Lassen wir uns ein auf die Begegnung mit dem Auferstandenen! Er ist heute nicht weniger lebendig und wirklich als damals vor 2000 Jahren, drei Tage nach seinem Tod am Kreuze, als er den Jüngern erschienen ist und sich ihnen offenbart hat, um ihnen Freude zu schenken. Amen.

 

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