Dr.
Josef Spindelböck
Sie erkannten ihn beim Brotbrechen
Predigt am Ostermontag
17. April 2006, Lesejahr B
Liebe
Brüder und Schwestern im Herrn!
Jesus, der
Auferstandene, zeigt sich zwei
Jüngern aus dem Dorf Emmaus. Ihr Gang von Jerusalem nach Hause in ihr Dorf wird
zum Weg aus der Dunkelheit ins Licht, aus Traurigkeit und Verlassenheit hin zu
österlicher Hoffnung und Jubel.
Doch dieser Umschwung nicht nur der Stimmung, sondern
der ganzen Grundeinstellung ihres Herzens kommt nicht von selber: Ein zunächst unbekannter Begleiter teilt
mit den Jüngern die Sorgen. Diesem Weggefährten eröffnen sich die beiden Männer
in ihrer Enttäuschung und Niedergeschlagenheit. Es scheint, als sei er der
einzige in Jerusalem, der nicht wüsste, was sich mit diesem Jesus aus Nazareth
ereignet hat, dem sie so sehr vertraut hatten und auf den sie all ihre Hoffnung
gesetzt hatten. Wie gut tut es ihnen,
dem Fremden erzählen zu können, was geschehen ist und sich nun in ihrem
Herzen an Traurigkeit angesammelt hat!
Stück für Stück nimmt der Fremde den beiden Jüngern
ihre Zweifel, indem er die Schrift auslegt. Ausgehend von den Propheten des Alten Testamentes weist er ihnen
nach, dass dies das Schicksal des
Messias sein „musste“, auf den sie gewartet haben: In seinem freiwilligen Sühnetod trug er die
Schuld der vielen, eröffnete er ihnen den Weg zum Heil. Was wie eine Niederlage
aussieht, wird zum Triumph der göttlichen Liebe und des Erbarmens.
Nur noch wenig fehlt jetzt den Jüngern, und sie haben zum Osterglauben gefunden: Sie müssen dem Auferstandenen selber begegnen!
Aber sind sie ihm nicht längst schon begegnet? Sie sind es, aber sie haben ihn noch nicht erkannt. Erst als sie ihn, daheim angekommen, zum
Mahl einladen und er das Brot mit
ihnen bricht, erkennen sie ihn. „Dann
sahen sie ihn nicht mehr.“
Weil ihre
Herzen sehend geworden sind und sie den
Auferstandenen erkannt haben, brauchen sie seine sichtbare Gegenwart nicht
mehr. Voll Freude laufen sie den langen Weg zurück nach Jerusalem und erzählen
den übrigen Jüngern von ihrer Begegnung.
Unsere Situation, liebe Gläubige, ist in vielem jener
der Emmaus-Jünger ähnlich. Auch wir sind auf der Suche
nach dem Heil und nach der Wahrheit. Wir müssen aufbrechen aus dem Dunkel
der Selbstzufriedenheit oder der Enttäuschung, dem Licht der österlichen Freude
entgegen. Auch uns belehren die Worte
der Schrift über den Sinn all dessen, was wir erfahren. Schließlich begegnet auch uns der Herr in der Feier der
Eucharistie, in der der Priester in der Person Christi den Gläubigen das
Brot des wahren und ewigen Lebens reichen darf, das
Christus ist.
Wir sehen
den Herrn nicht mit den Augen des Leibes, wohl aber mit denen des
Herzens. Wir glauben an ihn und vertrauen ihm, und in gewisser Weise dürfen
wir sagen: Glauben ist mehr als sehen.
Das, was der Glaube erfasst, ist den Sinnen unzugänglich. Gottes Herrlichkeit
und Liebe ist ohne Grenzen.
Lassen wir uns ein auf die Begegnung mit dem Auferstandenen! Er ist heute nicht weniger
lebendig und wirklich als damals vor 2000 Jahren, drei Tage nach seinem Tod am
Kreuze, als er den Jüngern erschienen ist und sich ihnen offenbart hat, um
ihnen Freude zu schenken. Amen.
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