Josef Spindelböck
Seht, unser König kommt!
Predigt am Palmsonntag
5. April 2009, Lesejahr B
Ev
zur Palmweihe: Mk 11,1-10.
Bei der Messe: L 1: Jes 50,4-7; L 2: Phil 2,6-11; Passion Mk 14,1-15,47
Alle liturgischen Texte finden Sie online im Schott-Messbuch
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Kaum vorstellbar ist der Gegensatz zwischen dem feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem und der wenige Tage später erfolgten
Gefangennahme und Hinrichtung Jesu am
Kreuz!
Jubelnd wird Jesus zuerst
empfangen als der Friedenskönig.
Er sitzt auf einem jungen Esel und zieht ein in Jerusalem. In der Folge aber
wendet sich die Stimmung, und nicht wenige von denen, die ihn zuvor bejubelt
haben, werden mit der Masse rufen: „Kreuzige
ihn!“
Unbeständig und
wankelmütig ist das
menschliche Herz. Wir lassen uns rasch
zu Jubel und Begeisterung für jemanden oder etwas hinreißen. Wenig später
schlägt alles um in Gleichgültigkeit oder gar Hass und Feindschaft.
Was aber will Jesus selbst bei den Menschen erreichen? Was erwartet er von ihnen? Wäre er einer der Großen
dieser Welt, dann würde er nach Ruhm und
Macht streben. Sein Ziel wäre es, die politische Herrschaft auszuüben.
Nicht immer tun das ja die Mächtigen zum Wohl ihrer Völker, sondern sie
missbrauchen oft ihre Stellung.
Doch Jesus hat andere
Vorstellungen: Er ist ja in die Welt gekommen, um den Willen des himmlischen Vaters
zu erfüllen und uns in seiner Hingabe
bis in den Tod das Beispiel
dienender Liebe zu geben. Fern liegt ihm der Ehrgeiz des Anerkannt-Werdens
und der irdischen Machtausübung. Nicht um zu herrschen, ist er gekommen,
sondern um zu dienen. Denn der ewige
Sohn Gottes, der dem Vater in seiner Gottheit gleich ist und der mit ihm in
der Gemeinschaft des Heiligen Geistes eins ist von Ewigkeit, hat sich selbst entäußert und ist wie ein Sklave geworden. Er wollte uns dadurch von neuem in den Stand der Kindschaft Gottes versetzen und uns zu Königen und Priestern machen in seinem
himmlischen Reich.
So kennt unser
Herr Jesus Christus das menschliche Herz; er weiß um unsere Schwachheit und
Sünde. Aber eben deshalb lässt es
Jesus zu, dass ihm die Menschen
zuerst zujubeln und ihn begrüßen,
dann aber wenige Tage später ablehnen und ans Kreuz schlagen lassen. Erst nach seiner Auferstehung werden sie begreifen, wie sein Königtum zu verstehen
ist.
Wir wollen mit
Glaube und Liebe in diese Tage der Karwoche gehen. Das Leiden und Sterben
unseres Herrn bewegt uns im Herzen; wir selber sind durch unsere Sünden
mitverantwortlich für seinen Tod. Doch der Sohn Gottes trägt uns nichts nach. In
Liebe hat er alles auf sich genommen, um uns das Heil und die Versöhnung
mit Gott zu schenken. In seiner Auferstehung wird auch uns neues Leben zuteil.
So lasst uns den Herrn
geistig auf seinem Kreuzweg begleiten,
wie dies schon Maria, die
Gottesmutter, getan hat, dazu viele andere Apostel,
Jünger und gläubige Frauen. Wir sind auch mitten in Leid und Schmerz voller
Hoffnung. Und dort wo uns im Leben ein Mensch begegnet, der ein schweres Kreuz zu tragen hat, wollen
wir ihm helfen und beistehen, so gut
es geht, damit durch die Verbundenheit
der Liebe auch jene Menschen wieder Hoffnung und Kraft bekommen und einst
das Heil Gottes in Fülle empfangen!
Mit frohem und gläubigem Herzen rufen auch wir Jesus zu: „Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im
Namen des Herrn!“ Amen.