Josef Spindelböck
Der Geist der Einheit und des Friedens
Predigt am
Hochfest von Pfingsten
Lesejahr B, 31. Mai 2009
Vorabend:
L 1: Gen 11,1-9 oder Ex 19,3-8a.16-20 oder Ez 37,1-14 oder Joel 3,1-5; L 2: Röm
8,22-27; Ev: Joh 7,37-39. Am Tag: L 1: Apg 2,1-11; L 2: 1 Kor 12,3b-7.12-13 oder
Gal 5,16-25;Ev Joh 20,19-23 oder Joh 15,26-27; 16,12-15.
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
50 Tage nach Ostern feiern wir das Pfingstfest. Es ist die Vollendung
der Auferstehung Christi, da unser Herr an diesem Tag den Heiligen Geist
ausgesandt hat auf die Apostel, die Jünger und die Frauen, welche zur ersten
christlichen Gemeinde gehörten. Im Alten
Testament entsprach dem christlichen Osterfest
das Paschafest als Feier des Auszugs der Israeliten aus Ägypten, das
Pfingstfest wurde als Erntedankfest und als Fest des Bundesschlusses am Sinai
gefeiert. Dort am Sinai hat Gott seinem Volk und der ganzen Menschheit durch
Mose die 10 Gebote gegeben als Weg
zum Leben.
Der Alte Bund wurde im Neuen Bund vollendet, den Jesus
Christus in seinem Tod und in seiner Auferstehung mit uns Menschen geschlossen hat. Das eigentliche Gesetz des neuen Bundes ist die Liebe, welche der Heilige Geist eingießt in die Herzen der Glaubenden. So feiern wir
am Pfingstfest die Erfüllung und Vollendung all dessen, was uns von Gott
geschenkt und verheißen ist.
Der Heilige Geist
ist die dritte göttliche Person. Er
ist die Liebe zwischen Gott Vater und Gott Sohn, und auch der Heilige Geist wird so wie der Vater und der Sohn
als wahrer Gott verehrt. Wir beten
aber nicht drei Götter an, sondern den einen
und einzigen Gott in drei göttlichen Personen – das ist unser Glaube!
Wenn der Vater und der Sohn uns nun den Heiligen Geist
schenken, so ist dieser Heilige Geist
selbst eine Gabe der Liebe. Und was könnte er anderes in unseren Herzen bewirken als Liebe?
Er entflammt und „begeistert“ uns zu göttlicher und menschlicher Liebe. Er
macht unsere Herzen neu durch seine Gegenwart. Wie Feuer ist er in seiner Liebesglut und zugleich wie lebendiges Wasser, das die
Dürstenden erquickt. Er ist wie ein mächtiger
Sturm und zugleich wie ein sanfter
Hauch, der uns antreibt, Gott zu suchen und ihm zu dienen.
Der Heilige Geist
bewirkt die Einheit und den Frieden unter den Menschen. Er schenkt uns die Einheit des Glaubens und der Liebe. So
bilden wir alle einen einzigen Leib in
Christus. Die Vielfalt der menschlichen Personen und ihrer Talente und Gaben
wird durch diese wunderbaren Einheit nicht aufhoben, sondern bestätigt. Im Heiligen Geist wirken alle einträchtig
zusammen; jeder leistet das, was er kann. Ein jeder braucht den anderen, und
alle ergänzen einander. So wird die
Kirche als mystischer Leib Christi aufgebaut im Heiligen Geist!
Der Friede, den uns der Heilige Geist schenkt, ist kein
Scheinfriede oder eine bloß oberflächliche Beruhigung. Im Heiligen Geist wird uns der
Friede Christi zuteil, den die Welt nicht geben kann. Es ist der Friede mit Gott durch die Vergebung der
Sünden und der Frieden untereinander
in Liebe und Gerechtigkeit.
Trauen wir es Gott zu, dass er auch in uns die Gaben seines Geistes erneuert? Wir sollen ihn inständig darum bitten, in Einheit mit der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Denn sie hat mit den Aposteln und übrigen Gläubigen auf das Kommen des Heiligen Geistes gewartet. Sie wurde voll und ganz von ihm erfüllt und darf jetzt im Himmel als unsere Fürbitterin die Gnaden des Heiligen Geistes auch für uns von Gott herabrufen und austeilen. Amen.