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Predigt:

Das Wirken des Heiligen Geistes

Pfingstmontag B (05.06.2006)

L1: Apg 8,1b.4.14-17 oder Ez 37,1-14; L2: Eph 1,3a.4a.13-19a; Ev: Lk 10,21-24


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Der Pfingstmontag ist gleichsam ein Nachklang des Hohen Pfingstfestes, das wir gestern am Sonntag gefeiert haben. Die Freude und der Jubel der ganzen Kirche ist einfach zu groß, als daß sich dieser nur auf einen einzigen Tag beschränken könnte!

Ja, Gottes Heiliger Geist ist auch uns geschenkt,  „denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ (Röm 5,5–7) Der Heilige Geist ist gleichsam die Seele der Kirche; er belebt alle, die an Christus glauben und befähigt sie zu Glaube, Hoffnung und Liebe. Im Heiligen Geist wird die Kirche in die Wahrheit Christi eingeführt und in ihr erhalten. Der Heilige Geist bewirkt die Heiligung durch die Sakramente. Die Hirten der Kirche (Papst, Bischöfe, Priester) leiten das ihnen anvertraute Volk Gottes im Heiligen Geist.

Eine besonders wirkmächtige Form der Gegenwart des Heiligen Geistes ist uns in der Feier der Eucharistie geschenkt. Zuerst spricht Gottes Geist zu uns im Wort der Heiligen Schrift, das ja Gottes Wort ist. Der Heilige Geist hat sich Menschen bedient, die er auf eine besondere Weise erleuchtet hat, als die einzelnen Bücher der Bibel entstanden sind. So heißt es in der Dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei Verbum“ wörtlich: „Das von Gott Geoffenbarte, das in der Heiligen Schrift enthalten ist und vorliegt, ist unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden; denn aufgrund apostolischen Glaubens gelten unserer heiligen Mutter, der Kirche, die Bücher des Alten wie des Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch, weil sie, unter der Einwirkung des Heiligen Geistes geschrieben (vgl. Joh 20,31; 2 Tim 3,16; 2 Petr 1,19–21; 3,15–16), Gott zum Urheber haben und als solche der Kirche übergeben sind.“ (Nr. 12)

Dann aber wird in der  heiligen Messe auch das Opfer Christi gegenwärtig: seine Hingabe aus Liebe zu uns bis zum Tod am Kreuz, seine Auferstehung und Himmelfahrt. Es ist bezeichnend, daß die verschiedenen von der Kirche approbierten Eucharistischen Hochgebete jeweils eine so genannte Epiklese kennen, d.h. eine Herabrufung des Heiligen Geistes. Vor der Wandlung breitet der Priester die Hände über die Gaben aus und deutet damit an, daß nun der Heilige Geist herabkommen möge, um Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi zu verwandeln.

Wörtlich heißt es im Zweiten Hochgebet: „Sende deinen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie, damit sie uns werden Leib und Blut deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.“ Das Dritte Hochgebet formuliert es so: „Heilige unsere Gaben durch deinen Geist, damit sie uns werden Leib und Blut deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, der uns aufgetragen hat, dieses Geheimnis zu feiern.“ Im Vierten Hochgebet wird die Bitte an Gott den Vater ausgesprochen: „So bitten wir dich, Vater: der Geist heilige diese Gaben, damit sie uns werden Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus, der uns die Feier dieses Geheimnisses aufgetragen hat als Zeichen des ewigen Bundes.“ Schließlich sei noch das Erste Hochgebet angeführt, der Römische Kanon, der zwar den Heiligen Geist vor der Wandlung nicht ausdrücklich nennt, wohl aber einschlußweise auf sein heiligendes Wirken Bezug nimmt: „Schenke, o Gott, diesen Gaben Segen in Fülle und nimmt sie zu eigen an. Mache sie uns zum wahren Opfer im Geiste, das dir wohlgefällt: zum Leib und Blut deines geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.“

Die Eucharistiefeier kennt nicht nur eine „Wandlungsepiklese“, sondern auch eine „Kommunionepiklese“. In dieser bitten wir Gott darum, daß wir selber als Gemeinschaft der Glaubenden durch die Teilnahme am Geheimnis der heiligen Messe zum „Leib Christi“ werden. Der Heilige Geist möge uns durch die heilige Kommunion zur tieferen Einheit führen und miteinander in Glaube und Liebe verbinden.  So läßt uns der Römische Kanon zu Gott beten: „Wenn wir durch unsere Teilnahme am Altar den heiligen Leib und das Blut deines Sohnes empfangen, erfülle uns mit aller Gnade und allem Segen des Himmels.“ Das Zweite Hochgebet formuliert es so: „Schenke uns Anteil an Christi Leib und Blut und laß uns eins werden durch den Heiligen Geist.“ Im Dritten Hochgebet betet die Kirche: „Stärke uns durch den Leib und das Blut deines Sohnes und erfülle uns mit seinem Heiligen Geist, damit wir ein Leib und ein Geist werden in Christus.“ Schließlich ist es das Vierte Hochgebet, das diese Wahrheit auf eindrucksvolle Weise ausspricht: „Sieh her auf diese Opfergabe, die du selber deiner Kirche bereitet hast, und gib, daß alle, die Anteil erhalten an dem einen Brot und dem einen Kelch, ein Leib werden im Heiligen Geist, eine lebendige Opfergabe in Christus zum Lob deiner Herrlichkeit.“

Wollen wir wirklich ganz mit dem Herzen der Kirche beten, dann sollen wir uns diese Bitten auch ganz persönlich zu eigen machen. Der Heilige Geist bewirkt in jeder Eucharistiefeier durch den Dienst des geweihten Priesters, der in der Person Christi die Einsetzungsworte spricht, die Wandlung der Gaben in Christi Leib und Blut. Derselbe Heilige Geist bewirkt auch, daß die Glaubenden eins sind und immer mehr ein einziger Leib werden, wenn sie gläubig und ehrfürchtig den Leib Christi empfangen.

Blicken wir noch auf Maria, die Gottesmutter! Sie ist zugleich das Urbild der Kirche, die ganz und gar vom Heiligen Geist erfüllte Frau! Wenn wir sie als Gnadenvermittlerin anrufen, dann heißt dies, daß sie die Fülle der Geistesgaben, die sie empfangen hat, weitergeben darf an die Menschen, die sich ihr anvertrauen. Jesus, ihr Sohn, ist der Christus, der vom Heiligen Geist Gesalbte, der Erlöser. Von ihm kommt alle Gnade und Wahrheit; Maria aber bittet für uns bei ihrem Sohn, so daß auch wir im Geist und in der Wahrheit geheiligt werden! Amen.