Dr. Josef
Spindelböck
Erschienen ist
uns
die Herrlichkeit des Herrn
Predigt am Fest
der Taufe des Herrn
8. Januar 2006
L 1: Jes
42,5a.1-4.6-7 oder Jes 55,1-11; L 2: Apg 10,34-38 oder 1 Joh 1-9; Ev: Mk 1,7-10
Alle liturgischen Texte online im Schott-Messbuch
Liebe
Brüder und Schwestern im Herrn!
Mit
dem Fest der Taufe des Herrn durch Johannes am Jordan schließt der weihnachtliche Festkreis. Das
Kirchenjahr stellt uns ja die Geheimnisse der Geburt, des Lebens und Sterbens
sowie der Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn anschaulich vor Augen; durch
die Feier der Liturgie entsprechend den dafür bestimmten Zeiten und Festen wird
jenes unaussprechliche Geheimnis entfaltet und dargestellt, das Gott uns in
seinem Sohn Jesus Christus offenbaren wollte.
„Erscheinung
des Herrn“
– „epiphania“ – das gilt in besonderer Weise für das
Fest der Taufe des Herrn. Dieser
Vorgang ist einzigartig, und er hat sich in der Geschichte der Menschheit nicht
mehr wiederholt. Es handelt sich um etwas Unnachahmliches und
Unaussprechliches: Der Sohn Gottes wird
den Menschen durch die Stimme des himmlischen Vaters kundgemacht, während
der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf ihn herabschwebt: „Du bist mein
geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ (Mk
1,11)
Taufe
Jesu: Das ist ein Offenbarungsgeschehen,
uns zum Heil geschenkt und durch das Evangelium überliefert. Taufe Jesu: Das
ist der Ursprung unserer Reinigung und
Heiligung im Bad der Wiedergeburt, das wir in der Taufe empfangen haben.
Wir wurden eingetaucht in die Liebe des dreifaltigen Gottes, des Vaters, des
Sohnes und des Heiligen Geistes.
Nicht
eine Bußtaufe empfängt der Erlöser von Johannes, sondern eine Taufe der Offenbarung, der Mitteilung und
der Kundmachung. Über ihm öffnet sich der Himmel, der Schleier der
Unwissenheit wird hinweg genommen von den Menschen, die auf ihren Retter und
Erlöser warten. Das ist er, auf ihn sollen sie hören. Denn er ist das Lamm
Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt (vgl. Joh
1,36)!
Ja,
das ist das Zeugnis Gottes selbst:
„Er hat Zeugnis abgelegt für seinen Sohn.“ (1 Joh 9)
Nicht ein Mensch empfiehlt ihn und stellt ihn den Menschen als ihren Erlöser
vor, sondern der himmlische Vater bezeugt im Heiligen Geist, dass er es ist,
den er gesandt hat in diese Welt.
Hat die
Menschheit einen solchen Erlöser verdient? Eigentlich nein. Wir können nur
staunen ob der gnadenvollen Barmherzigkeit
unseres Gottes und Retters, der sich unser erbarmt hat. Wir waren in Sünde
und dem Tod verfallen, doch Gott hat sich unser in Liebe angenommen. Wir gingen
in die Irre, doch das Wort Gottes hat uns aufgesucht und heimgeführt. Die
Schafe waren auf Abwege geraten, sie hatten sich verletzt und waren der Gefahr
ausgesetzt; da kam der gute Hirte und suchte sie voll Liebe auf. Er führte sie
heim und schenkte ihnen alles Nötige in Überfluss. Welche eine Freude, welcher
Jubel!
Und
so, liebe Brüder und Schwestern, möge die weihnachtliche
Festfreude andauern auch über diese Tage hinaus! Sie möge uns begleiten im Alltag. Dort, wo alles
„grau in grau“ ist und wir oft nicht wissen, wohin unser Leben zielt und wie es
verlaufen wird: Auch hier haben wir im Herzen die gläubige Zuversicht, dass wir
im menschgewordenen Sohn Gottes hinein genommen sind ins göttliche Mysterium.
Durch die Taufe wurde unsere Schuld getilgt, und wir tragen das göttliche Leben in uns. Wir heißen Kinder Gottes,
und wir sind es. Die Herrlichkeit der göttlichen Erwählung wird einst offenbar
werden, wenn uns Gott aufnimmt in sein himmlisches Reich.
Bemühen
wir uns daher, entsprechend diesem großen Geschenk
der Gnade Gottes zu leben! Wenn wir auch unseren „Schatz in zerbrechlichen
Gefäßen“ tragen (vgl. 2 Kor 4,7) und ihn jederzeit durch die freiwillige Abkehr
von Gott verlieren können, so dürfen wir uns doch seiner rettenden Allmacht und
Vorsehung anvertrauen. Er möge uns den guten Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe weiterführen. So werden
wir in der Liebe zu Gott wachsen, und wir werden auch die Kinder Gottes lieben,
unsere Brüder und Schwestern. Jesus
Christus hat alles Böse besiegt, er schenkt uns das Leben. Wir haben teil
an diesem Sieg durch den Glauben. Denn „wer sonst besiegt die Welt außer dem,
der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?“ (1 Joh
5) Amen.
· Newsletter Sankt Josef – kostenlos anmelden!
· Predigten von Dr. Josef Spindelböck
· Predigten von Pfr. Christian Poschenrieder
· Predigten von + Univ. Prof. Dr. Ferdinand Holböck