Dr. Josef Spindelböck
Predigt für den 8. Dezember 2000
Hochfest
der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria
L 1: Gen 3,9-15.20; L 2: Eph 1,3-6.11-12; Ev: Lk
1,26-38
Die liturgischen Texte der
Lesungen finden Sie im Schott-Messbuch
online!
Liebe Brüder und Schwestern
im Herrn!
In den Advent hinein stellt die Kirche ein besonderes Marienfest, das wir heute feiern dürfen: Es ist das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, im Volksmund kurz, aber auch für manche mißverständlich „Mariä Empfängnis“ genannt.
Der Name weist hier nämlich
nicht hin auf die Empfängnis Jesu durch Maria, die Jungfrau, vom Heiligen Geist,
sondern es geht um die eigene Empfängnis Mariens im Schoß ihrer Mutter.
Diese Empfängnis Mariens ist zwar auf natürliche Weise, d.h. unter Mitwirkung
ihrer Eltern Joachim und Anna geschehen, war aber verbunden mit einem
besonderen Gnadenerweis Gottes: Maria blieb von Anfang an frei vom Makel
jeder Sünde: sowohl von der Erbsünde als auch von jeder persönlichen
Sünde!
Maria ist die Jungfrau „voll
der Gnade“, wie wir immer wieder im „Gegrüßet seist Du, Maria“ beten und
wie wir es eben im Evangelium in abgeschwächter Übersetzung aus dem
Griechischen („Sei gegrüßt, Du Begnadete“ – „Chaire, kecharitomene“) gehört
haben. Was soll das bedeuten? Das heißt nichts anderes, als daß Maria ganz
und gar im Wohlgefallen Gottes steht. Gott hat sie auserwählt und ganz
schön gemacht. Kein Makel ist an ihr. Das gilt vor allem für ihre Seele,
die niemals vom Schatten auch nur einer einzigen Sünde getrübt wurde. Es gab
nichts – rein gar nichts im Denken, Reden und Tun Mariens -, das nicht dem
Willen Gottes entsprochen hätte. Sie durfte vollkommen sein in jeder Hinsicht –
„voll der Gnade!“
Jemand wird vielleicht die kritische
Frage stellen, ob denn das nicht zuviel Ehre ist, die die Kirche da
der Jungfrau Maria zuspricht. Wenn wir sie so emporheben, schon für die Zeit
ihres irdischen Lebens, ist sie dann überhaupt noch ein Mensch? Verehren wir
Maria da nicht wie eine Göttin? Und vor allem: Steht sie da nicht Jesus
Christus, ihrem Sohn, im Wege, wenn sie so in den Vordergrund gestellt wird,
wie es die Kirche tut?!
Richtig an diesem Einwand
ist, daß es in allem um Gott gehen muß: Der dreifaltige Gott steht im
Mittelpunkt unserer ganzen Frömmigkeit, Gott allein gebührt in allem die
Ehre! Er wird angebetet und verherrlicht als Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Wenn wir aber auf Maria blicken, dann erkennen wir: Niemand anders als der
dreieinige Gott hat selber Maria alle Ehre erwiesen, die wir ihr
zusprechen. Nicht aus sich selbst oder von den Menschen hat sie jene überaus
große Würde, die wir ihr zusprechen, sondern sie wurde von Gott begnadet. Gott
selber hat sie auserwählt und in Heiligkeit erschaffen, sodaß sie wirklich jene
Frau ist, die allezeit im Wohlgefallen Gottes steht.
Es kann darum, liebe Brüder
und Schwestern, für uns kein Hindernis sein, wenn wir uns Maria zuwenden,
um zu Gott gelangen zu wollen! Lassen wir doch unser Herz sprechen und preisen
wir jene Frau, der Gott so große Ehre erwiesen hat. Fassen wir zu ihr Vertrauen
– sie vermag uns niemals von Gott zu trennen, sondern nur immer näher zu ihm hinzuführen.
Wenn es anders wäre, dann wäre Maria nicht die, die sie ist!
Sie ist die Jungfrau, die
Gott zur Mutter seines Sohnes auserwählt hat. Um dieser großen Aufgabe willen wurde
sie bewahrt vor jeder Sünde. Es gebührte sich, daß jene Mutter sündenlos war,
die den Urheber der Heiligkeit, Christus den Herrn, selbst gebären sollte! War
Maria aber dann der Erlösung überhaupt nicht bedürftig? Keineswegs! Sie wurde erlöst
wie wir, allerdings auf vollkommene Weise, nämlich indem sie im voraus
bewahrt blieb vor jeder Sünde. Auch sie wurde von Jesus Christus erlöst,
dem einzigen Erlöser der Menschen. Es gibt keinen anderen Weg zum Heil als
unseren Herrn Jesus Christus!
Genau für diese Wahrheit
legt das heutige Fest Zeugnis ab. Freuen wir uns, daß Gott so Großes getan
hat an Maria. Er will dieses Große auch an uns wirken, wenn wir
uns seiner Liebe öffnen und ihm unser ganzes Vertrauen schenken. Stellen wir
uns ganz unter den Schutz der Gottesmutter Maria, weihen wir ihr unser Leben.
Sie wird uns sicher zum Herrn geleiten!
O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns Sünder, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen. Amen.