Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Predigt am 12. Sonntag im Jahreskreis
(21. Juni 1998, Lesejahr C)

L 1: Sach 12,10-11;13,1; L 2: Gal 3,26-29; Ev: Lk 9,18-24

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

An diesem Sonntag sind wir besonders verbunden mit unserem Heiligen Vater, Papst Johannes Paul II., der in diesen Tagen Österreich besucht. Nach dem Besuch in Salzburg und St. Pölten feiert er heute Sonntag einen feierlichen Gottesdienst am Heldenplatz in Wien. Dort werden drei Menschen von ihm seliggesprochen und damit der Kirche Österreichs als Vorbilder und Fürsprecher vor Augen gestellt: Schwester Restituta Kafka, der Sühnepriester Jakob Kern und Pater Anton Maria Schwartz. Mit der Seligsprechung dieser Menschen legt die Kirche Zeugnis davon ab, daß der Geist Gottes auch in unserer Zeit machtvoll wirkt und Menschen zur Heiligkeit führt. Wir wollen gemeinsam nachdenken, was uns die neuen Seligen zu sagen haben!

Da ist zuerst die Operationsschwester Sr. Restituta Kafka. Sie wurde am 1. Mai 1894 in Brünn als sechstes von sieben Kindern geboren und erhielt den Taufnamen Helene. Sie arbeitete zunächst als Dienstmädchen und Trafikantin, bevor sie ihre Liebe zu den Kranken und Leidenden zu ihrem Beruf machte und Krankenschwester wurde. Sie verwirklichte diesen Beruf als Ordensfrau bei den "Franziskannerinnen von der christlichen Liebe" (den sog. Hartmann-Schwestern) in Wien. In unerschrockener Weise setzte sie sich inmitten einer oft glaubensfeindlichen Umgebung für Gott und die Kirche ein. Als "souverän leitende Operationsschwester und Narkotiseurin, aber auch als verständnisvolle und befreiende Helferin in seelischer Not" (E. Beinhauer) war sie weit und breit bekannt und gesucht. Im Jahre 1940 hängt sie verbotenerweise in der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses Mödling Kreuze in den Zimmern auf und weigert sich konsequent, diese wieder abzunehmen. Schließlich wird sie - wohl unter einem Vorwand - von der Gestapo verhaftet und zum Tod verurteilt, den sie am 30. März 1943 unter dem Fallbeil des Wiener Landesgerichts erleidet. Sie stirbt als Märtyrin für Christus, dem sie treu gedient hat und der ihr die Kraft gegeben hat, auszuharren bis ans Ende.

Blicken wir auf den Sühnepriester Jakob Kern! Dieser Prämonstratenser aus dem Stift Geras wurde am 11. April 1897 in Wien geboren und erhält den Taufnamen Franz Alexander. Nach einem Soldateneinsatz im ersten Weltkrieg, bei dem er schwer verwundet wurde, trat er zunächst in das Wiener Priesterseminar ein. Als er erfährt, daß ein Prämonstratenser-Chorherr - es ist Dr. Isidor Zahradnik - das Kloster Strahov in Prag verläßt und sich der tschechischen Nationalkirche anschließt, ist der junge Mann erschüttert. Er möchte wiedergutmachen, was jener Prämonstratenser durch seinen Abfall von der römisch-katholischen Kirche bewirkt hat. Er möchte Gott Abbitte und Sühne für den vom Glauben Abgefallenen leisten. So tritt der junge Franz Kern in ein Kloster des gleichen Ordens ein, nämlich in Geras. Dort erhält er den Ordensnamen Jakob. Wegen seiner angegriffenen Gesundheit kann er nur mit Mühe und Not seine zeitlichen Gelübde ablegen und wird am 23. Juli 1922 im Stephansdom zum Priester geweiht. Dennoch ist der Neupriester Jakob Kern immer frohen Mutes, weil er seine Leiden ganz Gott schenken möchte, in soldarischer Verbundenheit mit allen Menschen in körperlicher oder seelischer Not. Er gab als Priester sein Bestes, wie er dies in einem Brief formuliert hat: "Der Priester muß in seinem Beruf aufgehen ... Jedes Gebet, jedes Opfer, jede Mühe und Plage werden, wenn mit der richtigen Intention verbunden, heiliges Saatgut Gottes, das früher oder später seine Frucht bringt." Am 20. Oktober 1924 gibt er sein Leben in die Hände des Schöpfers zurück.

Zum dritten Seligen: Pater Anton Maria Schwartz wurde am 28. Februar 1852 in Baden bei Wien geboren. Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen und trat nach kurzer Zeit bei den Piaristen ins Priesterseminar Wien ein. Am 25. Juli 1875 wird er zum Priester geweiht und setzt sich besonders für die arbeitende Jugend ein. Am 24. November 1889 gründet er einen eigenen Orden für dieses Anliegen der Arbeiter und Lehrlinge, den sogenannten Kalasantinerorden (die "Kongregation für die christlichen Arbeiter vom hl. Josef Kalasanz von der Mutter Gottes"). Er setzt sich mit seinen Mitbrüdern ein für bessere Arbeitsbedingungen der Lehrlinge und für eine Förderung des religiösen und gesellschaftlichen Lebens dieser Menschen. Dabei hat er nicht nur Freunde: Viele mißverstehen sein Anliegen und meinen, er liebäugle mit den Sozialdemokraten, da er sogar Streiks unterstützt. Denen wiederum ist seine Förderung der Religion ein Dorn im Auge. Als er schließlich am 15. September 1929 im Ruf der Heiligkeit stirbt, wird sein Begräbnis zu einer eindrucksvollen Demonstration dankbarer Anerkennung. Sogar der Bundespräsident begleitet den Sarg. Heute wirkt der von ihm gegründete Orden segensreich in der Erzdiözese Wien.

In der Person der neuen Seligen werden der Kirche Österreichs drei Menschen von verschiedenem Charakter, mit verschiedenen Anlagen und Begabungen, mit Stärken und Schwächen vor Augen gestellt. Ihnen allen gemeinsam ist eine starke Liebe zu Jesus Christus und zu der von ihm gegründeten Kirche. In dieser Kirche setzten sie ihr Leben ein im Dienst an den ihnen anvertrauten Menschen. Sie versuchten wirklich, in jedem notleidenden Mitmenschen Jesus Christus zu sehen. Ihre tätige Nächstenliebe war getragen von der lebendigen Beziehung zu Gott. Besonders die heilige Messe war ihr Kraftquell. Auch verehrten sie alle die heilige Muttergottes.

Das christliche Leben verlangt von uns keine spektakulären Taten. Es genügt der stille Dienst des Alltags, den wir aus Liebe zu Gott verrichten - eben dort, wo wir stehen, wo Gott uns hingestellt hat. Mögen uns die drei neuen Seligen Vorbilder und Fürsprecher sein bei Gott! Selige Schwester Restituta, seliger Jakob Kern, seliger P. Anton Maria Schwartz - bittet für uns. Amen.




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