Josef Spindelböck
Bei Gott gelten andere Ränge
Predigt am 22. Sonntag im
Jahreskreis
29. August 2010, Lesejahr C
L 1: Sir 3,17-18.20.28-29 (19-21.30-31); L 2: Hebr 12,18-19.22-24a; Ev: Lk 14,1.7-14
Die
liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
In der Lesung aus dem Buch Jesus Sirach hören wir ein Lob der Bescheidenheit. Das Gegenteil sind Übermut und Hochmut: Ein
hochmütiger Mensch hat keinen Zugang zu Gott, und er ist auch auf
Dauer unfähig zu echter menschlicher Gemeinschaft.
Bescheiden zu sein ist aber gar nicht so einfach. Es bedeutet sich zufrieden zu geben mit dem, was man
empfängt. Dazu gehört auch, dass man sich nicht
selber ungebührlich in den Vordergrund
stellt und bei seinem Tun und Lassen nicht
zuerst die eigene Ehre sucht.
Weil es bei
der Tugend der Bescheidenheit vor
allem um eine innere Haltung oder
Einstellung geht, ist es nicht so leicht, von jemandem zu sagen, er sei
bescheiden oder nicht. Es gibt bestimmte Situationen,
da mag es nämlich sehr wichtig sein öffentlich aufzutreten und sich für
etwas Gutes und Bedeutendes einzusetzen. Die selige Mutter Teresa von Kalkutta, deren 100. Geburtstag am 26. August 2010
gefeiert wurde, war eine überaus bescheidene Frau: Sie diente Gott in den Armen und Schwachen und war nicht darauf aus,
irdische Ehren zu empfangen. Dennoch nahm
sie am 11. Dezember 1979 den Friedensnobelpreis
an, aber nicht für sich selbst, sondern für die Armen. Und sie sprach am 26. Oktober 1985 sogar vor den Vereinten Nationen, aber sie tat es nicht für
sich selbst, sondern weil sie von der Liebe Gottes zu allen Menschen Zeugnis ablegen wollte. Die kleine,
unscheinbare Ordensfrau scheute sich nicht, den Mächtigen ins Gewissen zu reden und insbesondere das Übel der Abtreibung als die größte Gefahr
für den Frieden anzuprangern. Denn gerade die ungeborenen Kinder brauchen
den Schutz des Staates und der Gesetzgebung!
Wer von Herzen demütig ist, leidet nicht an einem Minderwertigkeitskomplex, sondern er weiß, dass er alles Gott verdankt. In diesem Sinn ist
er bemüht, seine Talente und Gaben sinnvoll und verantwortungsbewusst
einzusetzen. Demut bedeutet Mut zum
Dienen und ist mit einem furchtlosen
Zeugnis für Wahrheit und Gerechtigkeit verbunden!
Der
christliche Glaube sagt uns, dass unsere
Würde und Berufung keine geringe ist. Wir sind im Glauben schon hingetreten
zum Berg Zion, „zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen
Versammlung“, wie es im Hebräerbrief (2. Lesung) heißt. Die christliche Demut verbindet sich also mit dem Freimut des dankbaren Bekenntnisses und
Zeugnisses für Gott, der uns in sein ewiges Reich berufen hat.
Im Evangelium kritisiert Jesus jene, die
nur auf irdische Ehren aus sind. Im
Himmelreich gelten andere Rangordnungen als hier auf Erden. So kann es dann
sein, dass Erste Letzte sind und Letzte Erste. Gott schaut nicht auf das Ansehen der Person, sondern auf das Herz. In ähnlicher Weise sind
auch wir in unserem christlichen Leben immer wieder aufgerufen, die sozialen
Schranken und Vorurteile zu überwinden und uns den Mitmenschen in Liebe zuzuwenden – egal in welchem Stand und in
welcher Lage sie sich befinden.
Auch wenn
wir menschlich gesprochen nichts davon haben, wenn wir jemandem Gutes tun, der es nicht erwidern oder vergelten kann, so
werden wir des himmlischen Lohnes
bestimmt nicht verlustig gehen. Wie Jesus sagt: „Es wird dir vergolten werden
bei der Auferstehung der Gerechten.“ – Ein aktueller Impuls: Die Not der Menschen in Pakistan ist eine
Anfrage an uns, ob wir hier nicht mithelfen können durch eine Spende, damit die
Lebensbedingungen dieser Menschen verbessert werden.
Weil Gott
uns alle im Himmelreich wiedersehen möchte, darf die Nächstenliebe keine bloße Theorie bleiben, sondern sollte uns einen
gewissen Verzicht auferlegen. Gott möge
alles Gute reichlich vergelten! Amen.
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Online
Spenden für Pakistan: www.caritas.at
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