Dr. theol. habil. Josef Spindelböck

Am wichtigsten ist die Dankbarkeit

Predigt am 26. Sonntag im Jahreskreis
30. September 2007 (Lesejahr C)

L 1: Am 6,1a.4-7; L 2: 1 Tim 6,11-16; Ev: Lk 16,19-31

Die aktuellen Messtexte finden Sie im Schott!

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

In vielen Pfarren – so auch hier in Mühldorf-Niederranna – wird an diesem Sonntag das Erntedankfest gefeiert. Nicht nur jene Menschen, die direkt in der Landwirtschaft tätig sind oder mit Obst- und Weinbau oder der Forstwirtschaft und der Fischerei befasst sind, sondern wir alle, die wir von den Gaben dieser Erde leben, sind eingeladen, Gott unsere Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen!

Wenn der Mensch Gott dankt, dann zeigt er damit, dass er begriffen hat, dass das menschliche Leben hier auf Erden ein Geschenk ist. Die ganze belebte und unbelebte Natur ist dem Menschen anvertraut, damit er sie pflege und behüte und aus ihr seinen Nutzen ziehe. Aber auch all das, was der Mensch durch seiner Hände Arbeit erreicht und erwirtschaftet, ist zugleich immer ein Geschenk Gottes. Denn dieser hat dem Menschen seine Kräfte und Fähigkeiten gegeben, und in diesem Sinn sind wir nur Verwalter, die einst Rechenschaft ablegen müssen, ob sie die ihnen anvertrauten Gaben in guter Weise gebraucht oder zum Schlechten eingesetzt, also missbraucht haben.

Ein Beispiel für einen schlechten Gebrauch der guten Gaben Gottes liefert uns das heutige Evangelium vom reichen Prasser und dem armen Lazarus. Der Reiche tut so, als ob die Güter dieser Erde nur für ihn allein bestimmt wären, und er lässt dem armen Lazarus darben. Anschaulich und drastisch schildert uns die Bibel, wie sehr der Reiche den Armen verachtet und ihm das Lebensnotwendigste vorenthält. Der reiche Prasser ist ein Mensch, der im Luxus seines Wohllebens einzig an sich selber denkt und sein Herz hart gemacht hat gegenüber der Not des Armen, der vor seiner Tür sitzt.

Wer würde angesichts dieser erschütternden Schilderungen nicht einen Vergleich anstellen wollen zwischen jenen relativ wenigen Menschen in der Welt, die viel oder alles haben, was die materielle Seite ihres Lebens betrifft, und jenen vielen anderen, die kaum das Nötigste zum Überleben besitzen oder gar des Hungers sterben müssen? Tatsächlich gibt es auch in unserer Zeit Zustände, die buchstäblich zum Himmel schreien. Es handelt sich um Situationen der Ungerechtigkeit, gegenüber denen wir nicht gleichgültig sein dürfen und wo wir herausgefordert sind, damit wir nicht stillschweigend zu Komplizen des Unrechts in der Welt werden.

Wird nicht auch vielen Ungeborenen durch das Unrecht der Abtreibung das grundlegende Recht auf Teilnahme an der menschlichen Gemeinschaft hier auf Erden vorenthalten? Gibt es nicht auch eine systematisch lebensfeindliche Einstellung in unserer Gesellschaft, die Kinder zurückdrängt und am liebsten ganz ausschließen möchte? Zeigt sich nicht auch hier das unbarmherzige Antlitz des reichen Prassers gegenüber dem armen Lazarus, der viele Namen hat und vielleicht gerade uns gegenüber sitzt?

Gerade die christliche Verantwortung fordert uns dazu auf, in der Dankbarkeit für die Gaben, die wir empfangen durften, die Brüder und Schwestern in Not nicht zu vergessen, seien sie nah oder fern. Es darf nicht sein, dass wir auf der einen Seite zu Gott beten, ihm danken und ihn um etwas bitten und wir andererseits kein Herz haben für die Menschen in Armut, Elend und Not.

Das Erntedankfest soll uns daran erinnern, dass der Mensch mehr braucht als materielle Gaben und Güter. Wie sehr ist er angewiesen auf Werte, die mit Geld nicht zu kaufen sind: Liebe, Freundschaft, Gerechtigkeit, Solidarität, Gemeinschaft untereinander und vor allem mit Gott.

Ist nicht schon die Gesundheit ein Gut, das mit Geld nicht aufzuwiegen ist? Und doch ist sie nicht der Güter höchstes, da auch die Gesundheit bedroht ist durch Krankheit und den Verfall des Leibes. Was letztlich bleibt und zählt, ist das, was wir aus Liebe getan haben. Eben darum warnt Jesus im Gleichnis vom reichen Prasser und vom armen Lazarus vor jener letzten Verhärtung des Herzens, die uns trennt von der Gemeinschaft des Reiches Gottes. Lazarus war zwar hier auf Erden arm und benachteiligt, ist jedoch im himmlischen Paradies zur Vollendung gelangt. Was letztlich Bestand hat, ist nicht Reichtum und egoistische Gier nach Besitz, sondern Liebe und Mitmenschlichkeit.

Woher aber sollten wir die Kraft zu all dem Guten haben, das unser Leben erst wirklich lebenswert macht und den Keim der Hoffnung auf ewige Vollendung in sich trägt, wenn nicht von Gott, dem Geber aller guten Gaben? Eben darum lasst uns ihm von Herzen danken!

Amen.

 

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