Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau
Predigt
am 27. Sonntag im Jahreskreis C
(4. Oktober 1998)
L 1: Hab 1,2-3; 2,2-4; L 2: 2 Tim 1,6-8.13-14; Ev: Lk 17,5-10
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Es muß die Jünger Jesu sehr ergriffen haben, als sie mit ihrem Herrn und Meister unterwegs waren und sie immer wieder erfahren durften, wie nahe ihnen Gott in Jesus von Nazareth war. Das Geheimnis seiner Gottessohnschaft leuchtete sozusagen durch seine Menschheit hindurch; auch im äußeren Wandel des menschgewordenen Gottessohnes war etwas von diesem inneren Glanz seiner Gottheit zu spüren.
Die Kernfrage für sie war immer wieder: Wer ist dieser Jesus wirklich? So wie er zu uns spricht, hat noch niemand gelehrt; er lehrt mit einer Vollmacht und Autorität, wie sie kein Schriftgelehrter beanspruchen kann. Das, was er lehrt, das lebt er auch. So fragt Jesus mit Recht einmal seine Gegner: "Wer von euch kann mir eine Sünde nachweisen?" (Joh 8,46). So konnte noch kein Mensch vor ihm reden. Die Botschaft seiner Predigt bekräftigte und bestätigte er durch zahlreiche Wunder und Zeichen, die er in der Kraft des Heiligen Geistes in Einheit mit seinem himmlischen Vater wirkte. Wohl am meisten hat gottsuchende Menschen beeindruckt, wie sehr Jesus mit seinem himmlischen Vater im Gebet verbunden war. Da spürten die Menschen: Hier ist ein Geheimnis, das wir nur zu erahnen vermögen. Wenn wir Gott nahe sein wollen, dann müssen wir uns an Jesus wenden. Er lehrt uns Worte des ewigen Lebens.
Den unsichtbaren Gott kann der Mensch nur "erfassen" im Glauben. Glaube ist nicht eine Art unverbindlicher Festlegung, eine bloße Vermutung oder ein unsicheres Meinen. Nein! Der christliche Glaube ist ein festes Überzeugtsein von der Anwesenheit und Liebe Gottes, der lebendige Glaube ist ein unerschütterliches Vertrauen, daß Gott bei uns ist und uns hilft, er ist absolute Hingabe an Gott mit allen Kräften der Person und umfaßt daher genauso die vorbehaltlose Zustimmung des Verstandes zur göttlich geoffenbarten Wahrheit wie auch die Bereitschaft des Willens, dieses Wort des lebendigen Gottes in die Tat umzusetzen und danach zu leben.
Mit welch großer Sehnsucht baten also die Apostel den Herrn: "Stärke unseren Glauben!" Glaube ist also nicht etwas, das wir uns selber geben oder gar einreden könnten. Glaube ist keine Autosuggestion oder fromme Einbildung, sondern wirkliche Begegnung mit dem lebendigen Gott. Und da spüren wir wie die Apostel: Wir selber sind überfordert. Gott muß uns helfen, er muß unseren Glauben begründen, stärken und zur Vollendung führen. So beten auch wir: "Herr, stärke unseren Glauben!"
Der Glaube ist eine siegreiche Macht, die Berge versetzen kann. Jesus sagt, wenn unser Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkorn, so könnten wir zu einem Maulbeerbaum sagen: Verpflanz dich ins Meer!, und er würde gehorchen.
Wenn wir wirklich glauben, dann sollte uns eigentlich nichts erschüttern. Keine Situation des Lebens ist trostlos, nie sollen wir die Hoffnung verlieren. Gott kann alles zum Guten lenken; auch unsere Sünden vergibt er uns, wenn wir sie aufrichtigen Herzens bereuen, er schenkt uns sein Heil und Erbarmen.
Wie wird der Glaube gestärkt? Besonders durch das Gebet. Der Heilige des heutigen Tages, der heilige Franziskus, hat sich immer wieder nach dem Vorbild seines göttlichen Meisters in die Stille und Einsamkeit zurückgezogen, um zu Gott zu beten. Dort hat er Kraft bekommen für sein Leben. Haben auch wir den Mut, uns Freiräume der Stille zu verschaffen! Sicher ist dies im Alltag oft schwer. Doch überlegen wir ganz ehrlich: Nehmen wir uns nicht auch für Dinge Zeit, die eigentlich unwichtig sind oder uns vom Wesentlichen ablenken? Warum sollten wir es da nicht mit dem regelmäßigen, ja täglichen Gebet versuchen?
Es ist kein leerer Hinweis, wenn wir da auch an den Rosenkranz denken. Das Rosenkranzgebet wird von der Kirche empfohlen und in den kirchlich anerkannten Erscheinungen von Lourdes und Fatima von der Muttergottes ausdrücklich gewünscht. Wer es schon versucht hat, wird bestätigen, daß dieses Gebet ruhig macht vor Gott. Unser hektisches Leben wird geordnet, und wir werden hingelenkt auf die göttlichen Geheimnisse.
Auf diese Weise wird unser Glaube gestärkt. Seien wir allzeit dankbar für den Glauben, er ist das Kostbarste, was wir haben. Paulus gibt seinem Schüler Timotheus die Mahnung: "Bewahre das dir anvertraute kostbare Gut durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt." Bleiben wir dem katholischen Glauben treu, denn so finden wir den Weg zum ewigen Leben! Amen.
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