Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs/Donau

Predigt am 2. Adventsonntag
7. Dezember 1997, Lesejahr C

Lesungen: L 1: Bar 5,1-9; L 2: Phil 1,4-6.8-11; Ev: Lk 3,1-6


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Umkehr und Versöhnung sind Themen, die dem modernen Menschen wenig sagen, wo er sich einfach schwer tut. Es ist für den menschlichen Stolz schwer zuzugeben, daß man etwas falsch gemacht hat oder sich geirrt hat. Mancher Mensch hält sich für autonom und niemandem gegenüber verantwortlich. Da mag es dann erst einmal wie eine Provokation sein, das Wort Gottes zu hören, wir sollten umkehren.

Johannes der Täufer hat sich nicht gescheut, die Dinge beim Namen zu nennen. Unverblümt benannte er die Sünden und ungerechten Verhaltensweisen der Menschen. Er ist aufgetreten als letzter der Propheten des Alten Bundes, um dem kommenden Messias die Wege zu bereiten. Er rief das Volk Israel zu Umkehr und Buße auf. Bestimmt war dies manchen Ohren zu hart, sie wollten lieber eine Botschaft hören, die sie in ihrem Tun bestätigte und ihrem Stolz schmeichelte. Doch viele spürten: Eigentlich hat dieser Prophet recht. Er formuliert es zwar etwas kraß, aber er meint es gut. Er möchte uns wieder zu Gott führen, den wir durch unsere Sünden verlassen haben. Er möchte uns helfen, die verlorengegangene Beziehung zum Mitmenschen wieder zu entdecken. Und sie nahmen seine Worte an und ließen sich als Zeichen ihrer Umkehr im Jordan taufen.

Als Jesus, der Messias, dann erstmals öffentlich auftrat, da waren auch seine ersten Worte: "Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium!" (vgl. Mk 1,15). Die Worte Jesu zeigen uns: Die Welt liegt im Argen. Es ist keine heile Welt, die wir vorfinden. Und auch wir selbst sind in vielfältige Bande der Sünde und des Todes verstrickt. Zugleich aber gibt uns Jesus Hoffnung: Bekehrung ist möglich, weil Gott sich dem sündigen Menschen zugewandt hat. Gott hat den Anfang gemacht. Er ist es, der uns wieder mit sich versöhnen möchte. Dazu hat er uns den verheißenen Messias gesandt, dessen Geburt wir zu Weihnachten feiern. Nicht wir haben Gott geliebt, sondern Gott hat uns zuerst geliebt. Und weil wir seiner vergebenden Liebe absolut sicher sein können, ist es für uns leicht umzukehren und uns der barmherzigen Liebe unseres himmlischen Vaters ganz auszuliefern und anzuvertrauen!

Gott macht dem Sünder, der wieder umkehrt und sich auf den rechten Weg macht, keine Vorwürfe, sondern empfängt ihn mit offenen Armen!

Wir haben die Gnade empfangen, den Erlöser Jesus Christus bereits im Glauben anzunehmen. Die Taufe auf den Namen des dreifaltigen Gottes hat uns schon Anteil geschenkt am Reich Gottes. Leider fallen wir manchmal zurück in die Gewohnheiten des alten Menschen der Sünde.

Nutzen wir daher diese Zeit des Advent! Prüfen wir uns selbst. Vielleicht sind auch wir in manchen wichtigen Dingen lau geworden: sei es im Gebet, in der geduldigen und hilfsbereiten Zuwendung zum Bruder oder zur Schwester in Not, im Stiften von Frieden und Eintracht, im Herstellen und Gewähren von Verzeihung und Versöhnung.

Die Kinder der Hauptschule haben in diesen Tagen ihre Adventbeichte abgelegt. Die Volksschulkinder kommen demnächst dran. Es ist eine schöne Erfahrung, wie sich die Herzen junger Menschen wieder für Gott öffnen und wie sie großherzig bereit sind, in ihrem Lebensbereich sich neu um das Gute zu bemühen. Vielleicht kann das Beispiel der Kinder ansteckend wirken auch für uns Erwachsene! Wir alle sind eingeladen, öfters das Sakrament der Buße zu empfangen, um durch das Blut Christi reingewaschen zu werden von allen Sünden und um Kraft zu empfangen für den täglichen Lebenskampf mit all seinen Sorgen und Problemen, mit seinen Leiden, aber auch Freuden.

Lassen wir uns den Frieden Christi schenken, den die Welt nicht geben kann. Und geben wir diesen Frieden weiter an alle Menschen um uns. Dann werden wir Weihnachten mit frohem und gläubigem Herzen erwarten. Blicken wir auf die unbefleckt empfangene Jungfrau und Gottesmutter Maria, deren Fest wir morgen feiern. Sie weist uns Sündern den Weg zum himmlischen Vaterhaus und zum ewigen Leben bei Gott.

Amen.



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