Josef Spindelböck
Durch das Kreuz zur Herrlichkeit
Predigt am 2. Fastensonntag
28. Februar 2010, Lesejahr C
L 1: Gen 15,5-12.17-18; L 2: Phil 3,17-4,1; Ev: Lk
9,28b-36
Die
liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Die Wege Gottes sind oft verschieden von den Wegen der Menschen.
Wir machen unsere Pläne und haben unsere eigenen Vorstellungen von einem guten
und glücklichen Leben. Welche Ziele
setzen wir uns doch oft, und dann kommt etwas Unerwartetes – etwas, womit wir
überhaupt nicht gerechnet haben –, und unsere Pläne sind durchkreuzt.
Sie sind plötzlich unerfüllbar geworden oder wir müssen uns zumindest in Geduld
üben, um die vorgenommenen oder gewünschten Ziele vielleicht später zu
erreichen.
Die Apostel und Jünger Jesu, die sich
diesem außergewöhnlichen Wanderprediger und Wundertäter angeschlossen hatten,
hatten auch ganz bestimmte Erwartungen.
Sie erhofften sich wohl schon hier auf
Erden eine glorreiche Teilnahme am
Königreich des Messias. Bestimmt stellten sie sich das in ihrer Fantasie
bereits lebhaft vor.
Und dann
kamen die Ankündigungen Jesu von seinem
bevorstehenden Leiden und Sterben. Wie sollte man dem zustimmen können? Die
Apostel und Jünger waren überfordert! Unmöglich
konnten sie einen Messias akzeptieren,
der leiden und sterben wollte für die Sünden der Menschen. Der Messias sollte
doch kommen, um über seine Feinde zu triumphieren und machtvoll als König zu
herrschen!
Angesichts
dieser Überforderung und Hilflosigkeit von uns Menschen greift die göttliche
Pädagogik ein: Jesus lässt drei Apostel – Petrus, Jakobus und Johannes – auf
dem Berg der Verklärung schon teilhaben an der Herrlichkeit, die er
als Auferstandener haben wird. Sie dürfen schon etwas im voraus „verkosten“ von der Glorie
des himmlischen Reiches. Indem sie die Stimme des Vaters vom Himmel hören,
der auf Jesus als seinen auserwählten Sohn hinweist, sollen sie im Glauben gestärkt
werden. Gott zeigt den Aposteln, dass es Größeres gibt, als sich der Mensch
vorstellen kann. Auch dort, wo wir die Pläne Gottes nicht durchschauen, weiß er
den Weg und lenkt alles zu unserem Besten.
Die Stimme des Vaters vom Himmel fordert
die Apostel auf, auf den Sohn Gottes –
Jesus – zu hören. Auf ihn also sollen sie sich verlassen; ihm sollen sie ganz
vertrauen. Er ist ja der Gesandte
des himmlischen Vaters, und so wie der Vater ihn sendet, wird Jesus Christus
nach seiner Auferstehung die Apostel aussenden
in alle Welt, damit sie für ihn Zeugnis ablegen. Wer auf Gottes Wort hört,
steht auf festem Grund. Er braucht nicht zu verzweifeln, auch wenn vieles in
der Welt unsicher wird.
Und so
tragen die drei Apostel Petrus, Johannes und Jakobus nach dem einzigartigen
Erlebnis auf dem Berg die tiefe Erfahrung von der Verherrlichung des Herrn in
ihrem Herzen. Sie haben etwas Außergewöhnliches
erlebt, das sie noch nicht verstehen können. Sie scheuen sich, es jemandem
mitzuteilen und schweigen darüber. Erst als Jesus am Kreuz gestorben und von den Toten auferstanden ist, wird es ihnen neu bewusst werden, wie sie durch
Gottes Gnade schon im voraus auf diese Ereignisse vorbereitet worden sind.
Bewahren
auch wir alle guten Stunden unseres Lebens dankbar im Herzen. Gott schenkt uns so manchen Trost, damit
wir gestärkt sind für die Zeit der Prüfung, für Kreuz und Leiden. Auch schwere
Stunden werden kommen, doch wer sein Herz im
Glauben an Gott gegründet hat, braucht nichts zu fürchten. Zur rechten Zeit
wird Gott der Herr alles zum Guten lenken und uns einst in der Herrlichkeit des
Himmels vollenden!
Amen.
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