Josef Spindelböck

Der Sieg des Auferstandenen

Predigt am Sonntag der Barmherzigkeit
2. Sonntag der Osterzeit / Weißer Sonntag
11. April 2010, Lesejahr C

L 1: Apg 5,12-16; L 2: Offb 1,9-11a.12-13.17-19; Ev: Joh 20,19-31

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Mit der Auferstehung Jesu Christi von den Toten hat sich grundlegend Neues in der menschlichen Geschichte ereignet: Das Leben hat über den Tod gesiegt, die Gerechtigkeit über die Ungerechtigkeit, die Liebe über den Hass. Gott, der Unsterbliche, hat in seinem Sohn Jesus Christus als Mensch den Tod erlitten, um so den Tod zu entmachten. Die Sünde, der Tod und der Teufel haben ihr Recht verloren; Gott hat gesiegt und alles Böse überwunden, und wir sind hineingenommen in den Ostersieg Jesu Christi.

Diese wahrhaft frohe Botschaft bezeugen die heutigen Lesungen aus der Heiligen Schrift. In der ersten Lesung aus der Apostelgeschichte vernehmen wir das gewaltige Echo, welches die Osterbotschaft hervorgerufen hat: Viele Menschen bekehrten sich zum Glauben an Jesus Christus, und durch die Anrufung des Namens Jesu, des Auferstandenen, geschahen viele Zeichen und Wunder. Die Apostel predigten mit heiliger Vollmacht, dass die Menschen ihre Sünden bereuen und sich zu Gott hin wenden sollten, um so in Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, Rettung und Heil zu empfangen.

Die zweite Lesung aus der Offenbarung des Johannes beschreibt eindrucksvoll wie Johannes, der Seher von Patmos, in einer Vision den Auferstandenen schaut. Dieser offenbart sich ihm als „der Erste und der Letzte und der Lebendige.“ Jesus spricht zum Seher: „Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit, und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt.“ Ja, in der Auferstehung Christi sind Tod und Unterwelt besiegt; wer mit Christus verbunden bleibt, lebt in Ewigkeit.

In besonderer Weise begegnen wir im Evangelium dem auferstandenen Herrn: Zuerst verkündet und schenkt Jesus den Aposteln den Frieden. Dann haucht er sie an und vermittelt ihnen den Heiligen Geist, um ihnen die Vollmacht zur Vergebung der Sünden zu erteilen. Auf diese Weise setzt er das Sakrament der Versöhnung, d.h. das Bußsakrament oder die heilige Beichte ein, welches ein einzigartiges Geschenk der Barmherzigkeit Gottes ist. Und dann wird noch etwas Wichtiges im Evangelium berichtet: Thomas, der Apostel, kommt erst dadurch zum Osterglauben, dass der Herr auch ihm persönlich erscheint und ihn die Male seiner Nägel an den Händen und Füßen sowie die Wunde an seiner Seite berühren lässt. Vom Zweifler oder „ungläubigen Thomas“ wird dieser Apostel zu einem hervorragenden Bekenner Christi, indem er niederfällt und den Herrn mit den Worten anbetet: „Mein Herr und mein Gott.“

Uns aber, die wir nicht sehen wie Thomas, lädt der Herr dennoch ein zu glauben: eben auf das Zeugnis der Apostel hin, die uns die frohe Kunde vom Auferstandenen gebracht haben. Unter dem Vorzeichen der Auferstehung hat auch unser Leben einen letzten Sinn. Wir brauchen uns nicht mehr zu fürchten, wenn wir auf Gott vertrauen, der uns in Jesus Christus den Zugang zum ewigen Leben eröffnet hat.

Amen.

 

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