Josef Spindelböck
Die Überfülle der Gaben Gottes
Predigt am 2. Sonntag im
Jahreskreis
17. Januar 2010, Lesejahr C
L 1: Jes 62,1-5; L 2: 1 Kor 12,4-11; 3,4-7; Ev: Joh 2,1-11
Die
liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Im
Evangelium dieses Sonntags hören wir, dass Jesus
bei der Hochzeit zu Kana sein erstes
Wunder wirkte: Er verwandelte Wasser in Wein und behob so die Not der
Brautleute, denen der Wein ausgegangen war.
Der Evangelist
Johannes sagt, dass Jesus auf diese Weise „seine Herrlichkeit offenbarte“.
Tatsächlich ist jedes Wunder im allgemeinen und besonders dieses Wunder hier in
Kana eine Offenbarung von Gottes Herrlichkeit.
Im griechischen Urtext wird für den Begriff „Herrlichkeit“ das Wort „doxa“ (δόξα) verwendet. Dieses
Wort weist hin auf den „Glanz“ Gottes, der von ihm „ausstrahlt“. Wir verbinden
damit die Majestät und Erhabenheit Gottes, seine Größe, Macht und Schönheit,
seine Ehre und seinen Ruhm.
Wenn Gott
sich mitteilt, dann tut er dies mitunter durch geheimnisvolle Zeichen. Ein Wunder ist ein Ereignis, in welchem die
sonst geltenden Naturgesetze durch ein direktes Eingreifen Gottes gleichsam „außer
Kraft gesetzt“ werden. So zeigt Gott, dass er der Herr seiner Schöpfung ist: Er hat alles ins Dasein gerufen und
erhält es im Sein; er führt seine Schöpfung auch zur Vollendung.
Im Wunder,
das Jesus zu Kana wirkt, offenbart er, dass er eins ist mit dem himmlischen
Vater: Er ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Die Wunder dienen der Beglaubigung Jesu und seiner Sendung durch den Vater. Sie
zeigen, dass in Jesus Christus das Reich
Gottes wirklich angekommen ist.
Was ist aber
der spezielle Sinn dieses
Weinwunders? Er geht über das Irdische
hinaus. Zuerst könnte man ja meinen, Jesus wolle einfach die Not der Menschen beheben, den armen Brautleuten
eine schmerzliche Demütigung ersparen. Das mag wohl zutreffen, und doch ist
diese Erklärung noch nicht ausreichend.
Der Wein in Fülle, der durch das von Jesus auf
Bitten seiner Mutter gewirkte Wunder bereit steht, verweist auf die Fülle der Gaben Gottes, ja auch die unerschöpfliche Quelle des göttlichen Wohlwollens
und der göttlichen Großzügigkeit. Unermesslich sind die Gaben Gottes, und
an ihrer Größe und Schönheit, ja an ihrem Überfluss zeigt sich die unendliche Güte Gottes, die er uns
stets aufs neue erweist.
So zeigt
sich Gott im Wunder der Verwandlung
von Wasser in Wein als die Quelle alles
Guten, ja insbesondere als die Quelle
der Liebe. Jede menschliche Liebe, wie sie insbesondere bei einer Hochzeit
zum Inhalt der Feier wird, findet ihre Quelle, ihre bleibende Inspiration und
ihre Vollendung in Gott, der „die Liebe“
in ganz einzigartiger und ursprünglicher Weise ist.
Wir alles sind zuerst Empfangende, bevor wir etwas
schenken können. So haben wir alle von
Gott Liebe in Fülle empfangen; wir dürfen sie aufnehmen in unserem Herzen,
so viel wir davon zu fassen vermögen. Wenn wir nur an Jesu Wort glauben und das
tun, was er uns sagt, wird uns mehr geschenkt, als wir uns vorstellen können. Maria, die Gottesmutter, zeigt uns, wie
wir auf ihren Sohn Jesus Christus vertrauen können. In wahrhaft mütterlicher
Liebe führt sie uns näher hin zu Gott, dem Quell alles Guten und jeder echten
Liebe!
Amen.
· Bücher aus dem Verlag St. Josef
· Predigten von Josef Spindelböck
· Predigten von Pfr. Christian Poschenrieder
· Predigten von + Pfr. Kanonikus Eduard Öhlinger
· Predigten von + Univ. Prof. Dr. Ferdinand Holböck