Josef Spindelböck

Wir heißen Kinder Gottes und sind es

Predigt am 2. Sonntag nach Weihnachten
3. Januar 2010, Lesejahr C


L 1: Sir 24,1-2.8-12 (1-4.12-16); L 2: Eph 1,3-6.15-18; Joh 1,1-5.9-14

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Auf machtvolle und eindrucksvolle Weise spricht Johannes im Prolog seines Evangeliums vom ewigen Wort Gottes, das Fleisch geworden ist. Damit stellt er uns das Geheimnis der Menschwerdung Gottes vor, durch welches wir in Gnaden aufgenommen sind in die Gemeinschaft der Kinder Gottes.

Ganz klar tritt hier die Gottheit Jesu Christi zutage: „Das Wort war Gott.“ Es ist ein ewiges Wort der Liebe, in welchem der himmlische Vater den Sohn „zeugt“, und dieses Hervorgehen des Sohnes aus dem Vater ist ein ewiges Ursprungsverhältnis. Der Sohn ist gleich ewig wie der Vater; er ist eines Wesens mit dem Vater; sie sind eins durch die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, der vom Vater und vom Sohn „gehaucht“ wird. Das hebräische Wort „ruach“ für „Geist“ bedeutet ja ursprünglich „Hauch“, „Wind“, „Atem“, und der „Spiritus Sanctus“, der Heilige Geist, ist der Hauch der Liebe zwischen Gott Vater und Gott Sohn. Der Sohn wiederum ist das Wort des Vaters, das (mit ihm) die Liebe „haucht“, wie es Thomas von Aquin und andere große Theologen ausgedrückt haben.

Freilich versagt hier die menschliche Sprache: Gott ist das absolut vollkommene und höchste geistige Wesen. Er übersteigt alles, was wir uns vorstellen oder uns ausdenken können, und er wäre uns auf ewig unbekannt geblieben, hätte er sich uns nicht offenbart in der Zeit. Eben dies ist geschehen durch die Fleischwerdung des ewigen Wortes Gottes, durch das Geheimnis der Menschwerdung also.

Genau darin teilt uns Gott sein Leben und sein Licht mit: Wir sind nicht länger in der Unendlichkeit des Alls verloren, sondern Gott selbst nimmt sich unser an. So viel bedeutet ihm der Mensch auf dieser kleinen Erde, dass er selber einer von uns geworden ist. Welch erhabenes Geheimnis der göttlichen Herablassung in Liebe!

Doch „die Seinen nahmen ihn nicht auf“, heißt es im Evangelium. Jesus Christus, der Erlöser, war ein Zeichen des Widerspruches. Viele haben ihn abgelehnt, weil sie – wie Johannes sagt – die Finsternis mehr liebten als das Licht.

Und doch ist es wahr, dass ihn auch viele aufgenommen haben im Glauben:

„Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben.“

Im Glauben und in der Taufe sind wir zu Kindern Gottes geworden; wir haben Anteil erhalten an der göttlichen Natur. Gott selbst wohnt in unserem Herzen; wir sind zu einem Heiligtum des dreifaltigen Gottes geworden. Gott, der das Unsere annahm und ganz Mensch wurde, hat uns Anteil an dem Seinen gegeben und uns vergöttlicht, ohne dass wir aufhören, Menschen zu sein. Ein Geheimnis der Liebe hat sich kundgetan; ein „wunderbarer Tausch“ wurde vollzogen!

So haben wir wahrhaft „seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit“. Wenn wir daran festhalten, erstrahlt auch in unserem Herzen das Licht auf, das die Finsternis erleuchtet. In dem Maß, wie wir unsere Brüder und Schwestern lieben, geben wir dieses Licht weiter an andere. Hieraus schöpfen wir Hoffnung auf Vollendung in Gottes ewiger Herrlichkeit.

Amen.

 

·         Newsletter Sankt Josef

·         Bücher aus dem Verlag St. Josef

·         Predigten von Josef Spindelböck

·         Predigten von Pfr. Christian Poschenrieder

·         Predigten von + Pfr. Kanonikus Eduard Öhlinger

·         Predigten von + Univ. Prof. Dr. Ferdinand Holböck