Josef Spindelböck

In Sehnsucht warten auf den Herrn

Predigt am 4. Adventsonntag
Lesejahr C, 20. Dezember 2009

L 1: Mi 5,1-4a; L 2: Hebr 10,5-10; Ev: Lk 1,39-45

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Mit viel Geduld und in einer Pädagogik der Liebe hat Gott das auserwählte Volk des Alten Bundes auf das Kommen des Erlösers vorbereitet. Wie oft waren die Menschen vom Bund Gottes abgefallen, da sie ihre eigenen Wege gehen wollten, die freilich nicht zum Leben führten, sondern ins Verderben. Gott ließ dies zu, weil er die Freiheit der Menschen achtete; zugleich mahnte er sein Volk in verschiedenen Prüfungen und Heimsuchungen zur Umkehr, um ihnen in väterlicher Liebe wieder den Weg zum ewigen Leben zu eröffnen.

Stets bliebt die Überzeugung im Volk Israel lebendig, dass es trotz aller Untreue der Vielen einen „heiligen Rest“ geben werde, mit dem Gott einen neuen Anfang im Guten wagen würde. Und so wird in der Lesung aus dem Buch Micha von einem Hirten und Friedenskönig gesprochen, der hervorgehen wird aus Bethlehem-Efrata. Sein Ursprung liegt im Verborgenen, in den Tagen der Ewigkeit, d.h. bei Gott. Und ausdrücklich ist die Rede von einer Frau, die ihn gebären wird. Mit diesem Kind kommt die Wende: Der in Gott erneuerte Rest wird in Sicherheit leben; Gott selbst wird der Friede sein für sein Volk.

Die Lesung aus dem Hebräerbrief geht dann aus der Perspektive der Erfüllung auf das ganz Neue ein, das Gott mit dem Kommen seines Sohnes in diese Welt bewirkt hat. Ab nun gelten nicht mehr die alttestamentlichen Schlacht- und Speiseopfer, Brand- und Sündopfer. Der Sohn Gottes selbst – Christus – bringt sich schon bei seinem Eintritt in diese Welt als lebendiges Opfer der Hingabe und des liebenden Gehorsams im Heiligen Geist seinem himmlischen Vater dar. Er ist gekommen, um den Willen des Vaters zu erfüllen. Durch die Opfergabe des Leibes Christi sind auch wir ein für allemal geheiligt. Bei jeder Eucharistiefeier wird das Opfer Christi gegenwärtig gesetzt: Wir haben Anteil an Leben, Tod und Auferstehung des Herrn!

Im Evangelium nach Lukas wird uns an diesem 4. Adventsonntag kundgetan, welche Freude das noch nicht geborene Jesuskind den Menschen bereits schenkt: Zu allererst ist es die Jungfrau Maria, die sich freut, dass sie ein Kind unter ihrem Herzen tragen darf, von dem sie weiß, dass es der von Gott gesandte Erlöser ist. Maria lebt gleichsam in einer neunmonatigen „Kommunion“, d.h. einer sowohl leiblichen als auch geistigen Vereinigung mit dem Jesuskind in ihrem jungfräulichen Leib. Wie viel Liebe muss sie diesem Kind geschenkt haben, und wie viel Liebe hat sie schon damals von ihm empfangen! Die Freude Marias aber geht über auf jene Menschen, denen sie begegnet und die ihr Geheimnis zu ahnen vermögen: Es ist vor allem Elisabeth, ihre Verwandte, die vom Heiligen Geist erfüllt wird und mit lauter Stimme Maria als Mutter ihres Herrn begrüßt. Zugleich jubelt das Kind der ebenfalls schwangeren Elisabeth in deren Leib vor Freude: Der noch nicht geborene Johannes der Täufer empfängt ebenfalls vom noch nicht geborenen Erlöser Jesus Christus schon die Huld der göttlichen Zuwendung.

Und in all dem ist der Glaube entscheidend: Maria vertraut Gott in allem und bis zuletzt, weil sie überzeugt ist, „dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“ In Liebe und Treue geht sie ihren Weg für uns alle.

In diesen letzten Tagen der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest sind wir eingeladen, liebe Brüder und Schwestern, uns vertrauensvoll dem Herrn zu nahen. Er hat sich uns genaht, er ist einer von uns geworden: Er wurde und ist ganz Mensch unter den Menschen, durch die gläubige Aufnahme, die ihm die Jungfrau Maria im Namen der Menschheit erwiesen hat. Was erwartet Gott von uns? Eigentlich nur, dass wir ein glaubendes, hoffnungsvoll-vertrauendes und ihn liebendes Herz haben. Denn dann sind wir bereit, ihn aufzunehmen, wenn er kommt!

In Einheit mit dem Erlöser soll auch unser Herz neu werden, sodass wir die Liebe, die wir empfangen haben, weiterschenken können an die andere Menschen. Die Jungfrau und Gottesmutter Maria weist uns den Weg, sodass wir hinfinden zum Kind in der Krippe!

Amen.

 

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