Josef Spindelböck

Der notwendige Dienst des Propheten

Predigt am 4. Sonntag im Jahreskreis
31. Januar 2010, Lesejahr C


L 1: Jer 1,4-5.17-19; L 2: 1 Kor 12,31-13,13; Ev: Lk 4,21-30   

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Die alttestamentliche Lesung aus dem Buch Jeremia weist hin auf das Schicksal, das einen Propheten erwartet: Er muss treu und unerschütterlich für das Wort Gottes einstehen und den Menschen immer wieder die Wege Gottes in Erinnerung rufen. In vielen Fällen wird man nicht auf ihn hören, ihn missverstehen oder gar ablehnen und verfolgen. Die einzige Zuversicht eines solchen Propheten wird es sein, dass Gott bei ihm ist und ihn stärkt – mag kommen was will.

Jesus Christus ist ohne Zweifel mehr als ein Prophet; er ist ja der menschgewordene Sohn Gottes, der Erlöser der Menschen. Und doch kann man sagen, dass sich in ihm das Schicksal aller Propheten erfüllt und eine besondere Intensität und Dichte erhält: Wie keiner vor ihm und nach ihm bezeugt er in einzigartiger Weise den Willen Gottes. Er kündet die Botschaft von der rettenden Liebe Gottes, und doch wollen ihn nicht alle hören.

Gerade in seiner Heimatstadt Nazareth erfährt Jesus nicht nur Anerkennung, sondern auch Ablehnung. Jesus tritt mit dem Anspruch auf, der von Gott gesandte Messias zu sein. Dies ist zu viel für manche, die Jesus von Jugend an kennen und in ihm nur den Sohn des Zimmermanns sehen.

Doch Jesus ist sich klar darüber, dass „kein Prophet in seiner Heimat anerkannt wird“, und er findet es in seinem eigenen Schicksal erfüllt. „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11).

Wir Menschen sind immer wieder in der Gefahr, dass wir wichtige Wahrheiten über Gott und unser Heil vergessen. Das Sichtbare und das Irdische liegt uns in gewisser Weise näher als das Unsichtbare und Göttliche. Da kommt es schon vor, dass man zufrieden ist, wenn die materiellen Bedürfnisse gesichert sind und es einem sonst einigermaßen gut geht. An Höheres zu denken kommt so manchem gar nicht mehr in den Sinn!

Da sind Verkünder des Wortes Gottes – man nannte sie früher Propheten – sozusagen die „Wachrufer“ und „Aufwecker“, wenn sich die Menge allzu friedlich im trügerischen Schlaf der Sicherheit wiegt und meint, alles wäre in Ordnung, während in Wirklichkeit doch so viel Unrecht geschieht und sich die Menschen in Unglaube und Sünde von Gott abwenden. Es gibt ja leider – die Geschichte lehrt es uns – so etwas wie eine „kollektive Wertblindheit“: Eine Gruppe von Menschen oder gar ein ganzes Volk übersieht gewisse Dinge und missachtet dabei die Rechte Unschuldiger. Denken wir nur an die Verfolgungen Andersdenkender in Diktaturen oder totalitären Systemen, an den Plan der Auslöschung des jüdischen Volkes im Nationalsozialismus, aber auch an so manches Unrecht in unserer Zeit. Wie sehr werden ja die Rechte von unschuldigen Menschen auch heute noch teilweise mit Füßen getreten. Heuer sind es 35 Jahre, dass es das unselige Gesetz der Fristenregelung gibt, welches den Mord an den unschuldigen Kindern im Mutterleib bis zum 3. Monat straffrei stellt! Sind das nicht auch „blinde Flecken“, angesichts derer es „Propheten“ braucht, die die Menschen wieder wachrufen und auf den rechten Weg zurückführen?

Sicher, ein prophetischer Künder macht sich nicht immer beliebt. Er muss manchmal den Mächtigen ins Gewissen reden und aufzeigen, dass wir alle in Verantwortung vor Gott leben. Aber auf Dauer können wir ohne den Dienst dieser von Gott gesandten Menschen nicht leben, wenn wir auf dem Weg des Heiles bleiben wollen. Die Kirche insgesamt hat in der Nachfolge Christi eine prophetische Sendung; auch jeder Getaufte und Gefirmte und natürlich besonders die durch das Sakrament der Weihe bevollmächtigten Künder des Wortes Gottes üben diesen prophetischen Dienst aus. Hören wir auf Christus, der uns auch in unserer Zeit die Wahrheit des Heiles durch die Kirche verkündet!

Lassen wir uns den guten Weg führen, indem wir in Demut vor Gott hintreten und ihn immer wieder um das Licht seines Heiligen Geistes anrufen, der uns in der Wahrheit erhält und sie einführt, damit wir das ewige Leben bei Gott empfangen. Maria, die Gottesmutter, zeige uns Jesus ihren Sohn, der mehr ist als ein Prophet: Er ist wahre Sohn Gottes, der es nicht gescheut hat, aus ihrem Schoß als Mensch geboren zu werden, um uns das Heil zu schenken.

Amen.

 

·         Newsletter Sankt Josef

·         Bücher aus dem Verlag St. Josef

·         Predigten von Josef Spindelböck

·         Predigten von Pfr. Christian Poschenrieder

·         Predigten von + Pfr. Kanonikus Eduard Öhlinger

·         Predigten von + Univ. Prof. Dr. Ferdinand Holböck