Josef Spindelböck

Jesus zeigt uns Gottes Barmherzigkeit

Predigt am 5. Fastensonntag
21. März 2010, Lesejahr C


L 1: Jes 43,16-21; L 2: Phil 3,8-14; Ev: Joh 8,1-11

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Im Evangelium dieses Sonntags wird uns aufgezeigt, wie uns Gott Barmherzigkeit erweist. Das Handeln Jesu in der Begegnung mit der Ehebrecherin lässt uns die Güte des himmlischen Vaters offenbar werden. Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist ja gerade gekommen, um die Sünder zu berufen, nicht die Gerechten!

In welcher Situation steht Jesus, als ihm die Pharisäer und Schriftgelehrten eine Frau gegenüber stellen, die auf frischer Tat beim Ehebruch ertappt worden war? Es gibt erstens den klaren Nachweis einer unrechtmäßigen Tat, eines wirklich schweren Vergehens. Ehebruch soll man nicht verharmlosen, denn ein solches Verhalten bedeutet den Bruch der Treue gegenüber dem rechtmäßigen Partner und ist auch verbunden mit einer schwerwiegenden Störung im Gottesverhältnis der betreffenden Person. Andererseits zeigen die Gegner Jesu ihm klar auf, was diese Frau nach jüdischem Gesetz erwartet: Mose habe die Steinigung befohlen! Wie soll und wird sich Jesus jetzt verhalten?

Sagt er, die Frau soll gesteinigt werden, dann zeigt er, dass er genau so hartherzig ist wie seine Gegner. Sagt er, sie soll es nicht, erweckt er den Anschein, als würde er den Ehebruch verharmlosen und die Unauflöslichkeit der Ehe, die er ja selbst so entschieden predigt, in Frage stellen. Was also tun?

Die Antwort Jesu erfolgt nicht sofort. Er selbst weiß, was er sagen wird. Doch er gibt seinen Gegnern Zeit, etwas nachzudenken und ihre überhitzten Emotionen zu beruhigen. So schreibt er etwas in den Sand. Dann aber, als sie hartnäckig weiterfragten, „richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.“

Diese Worte sind entwaffnend. Jesus stellt nicht in Frage, dass die Frau gesündigt hat und sie Schlimmes getan hat. Doch er spricht den Menschen das Recht ab, über sie zu richten. Denn wir alle sind Sünder, und wir haben als vermeintlich Gerechte nicht das Recht, auf andere Steine zu werfen.

Das vorher Undenkbare ereignet sich: Alle gehen weg, zuerst die Ältesten. Sie sehen ein, dass Jesus Recht hat und sie die arme Frau nicht verurteilen dürfen. Der einzige, der ein Recht hätte, streng zu ein, ist Jesus. Immerhin ist er wirklich ohne Sünde! Doch auch er verurteilt die Frau nicht. Er lässt sie in Ruhe weggehen.

Was er ihr aber sehr wohl aufträgt, spricht er so aus: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ Für die Zukunft soll sie die eheliche Treue bewahren und nicht mehr sündigen. Wenn ihr Jesus dies zumutet, schenkt er ihr zugleich auch die Gnade, dass sie das Gebot Gottes halten kann. Gott verlangt nichts Unmögliches. Denen, die ihn darum bitten, steht er bei und gewährt ihnen seine Hilfe.

Wenn Jesus Christus also das Gebot Gottes in Erinnerung ruft und dessen Befolgung einfordert, so ist er kein verbissener Moralist, der nur auf Strenge aus ist. Er vermittelt zugleich die Hilfe Gottes, das Gute auch zu tun.

Im Glauben an Jesus Christus, den der himmlische Vater in die Welt gesandt hat, wird unser Herz erneuert. Wir werden im Heiligen Geist befreit von allem Bösen; in Reue und Umkehr vergibt uns Gott wirklich alle Schuld. Zugleich empfangen wir im Bußsakrament die Kraft, das Gute zu tun. Unser Herz ist neu geworden durch Gottes Gnade. Das Gebot Gottes ist nicht länger nur eine als lästig und schwer empfundene Vorschrift von außen her, sondern eine Kraft, die uns von innen her im Heiligen Geist, im Geist der Liebe, zum Guten antreibt.

Genau das durfte die schuldig gewordene Frau erfahren. Jesus bestätigt sie nicht auf einem falschen Weg, sondern er schenkt ihr ihre Würde zurück, die sie selbst durch ihre Tat preisgegeben hat und die andere ihr durch ihr selbstgerechtes Urteil absprechen wollten. So ist ein wirklicher Neuanfang möglich!

Danken wir Gott dem Herrn für diese Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest. Maria, die Gottesmutter, weist auch uns durch ihre Fürbitte einen Weg zur wahren Umkehr und Herzenserneuerung. Amen.

 

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