Josef Spindelböck
Seligpreisungen und Weherufe
Predigt am 6. Sonntag im
Jahreskreis
14. Februar 2010, Lesejahr C
L 1: Jer 17,5-8; L 2: 1 Kor 15,12.16-20; Ev: Lk 6,17.20-26
Die
liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Im Evangelium dieses Sonntags hören wir vier Seligpreisungen und vier Weherufe Jesu. Der Evangelist Lukas bezieht sich damit auf die „Feldrede“ Jesu, während der Evangelist Matthäus die acht Seligpreisungen Jesu in der „Bergpredigt“ verortet (Mt 5,3-8).
Worum geht es? Offenbar weist Jesus seinen Zuhörern einen Weg zum Heil, zur ewigen Seligkeit bei Gott. Nicht nur eine oberflächliche Freude, wie wir sie in diesen Faschingstagen überall vorfinden, ist das Ziel, sondern die tiefe Erfahrung von Gottes selig machender Nähe. Das Wort „selig“ drückt eine reine, unverdorbene Freude aus, die dem Lauf der Zeiten enthoben ist. Sie kann den Seligen nicht mehr genommen werden und gehört als solche dem Himmelreich an. Freilich erfahren wir auch hier auf Erden mitunter einen Vorgeschmack jener Seligkeit, die uns Gott schenken will. Und doch gilt: „Kein Auge hat es gesehen und kein Ohr hat es gehört, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“ (vgl. 1 Kor 2,9).
Mit anderen Worten heißt dies aber: Die Seligkeit, zu der uns Gott einlädt, können wir uns nicht verdienen. Sie ist und bleibt ein Geschenk. Für dieses Geschenk jedoch sollen und dürfen wir uns bereit machen; wir können uns dafür „disponieren“. Denn ein so kostbares Geschenk wird uns nicht aufgezwungen, sondern es erreicht nur den, der es aus ganzem Herzen erwartet.
Jetzt verstehen wir auch den Kontrast von Seligpreisungen und Weherufen: Nicht Gott ist es, der jemandem etwas zuleide tun will, sondern der Mensch gerät unter das „Wehe“, wenn er nicht bereit ist, den guten Weg zu gehen. An uns liegt es, wie wir mit unserer Freiheit umgehen: wozu wir uns entscheiden – ob für das Leben mit Gott in ewiger Seligkeit oder für den ewigen Tod, d.h. die ewige Verdammnis in der Trennung von Gott.
Gott jedenfalls meint es nur gut mit uns; und eben so sollten wir die Worte Jesu auch verstehen, ob es nun Seligpreisungen oder Weherufe sind, die wir hören.
Worum geht es inhaltlich? Gefragt ist, wie uns die Parallelstelle der Bergpredigt zeigt, die Armut vor Gott oder wie es wörtlich dort heißt die Armut „im Geiste“. Es handelt sich hier um die wahre Demut des Herzens, in der der Mensch seine eigene Niedrigkeit erkennt und sich eben deshalb ganz der Güte und Barmherzigkeit Gottes anvertraut. Diesen Menschen wird das Reich Gottes verheißen.
Weiters geht es um den Hunger und Durst nach Gerechtigkeit, dessen Lohn die wahre Sättigung bei Gott ist. Nur Gott kann uns wirklich gerecht machen; er ist unser Heil.
Wenn Jesus in der Feldrede weiter von den jetzt Weinenden spricht, die dann „lachen“ werden, so heißt es parallel dazu in der Bergpredigt, dass die Trauernden getröstet werden. Gottes Heiliger Geist ist der wahre Tröster und Beistand; alle Trauer dieser Weltzeit wird einst hinweg genommen für die, welche die ewige Gemeinschaft mit Gott erfahren dürfen.
Und schließlich spricht Jesus ausdrücklich von denen, die „um des Menschensohnes willen“ leiden müssen: Sie ernten von anderen Unverständnis, ja Hass; sie werden aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, beschimpft und in Verruf gebracht. Doch gerade diesen Zeugen für die Wahrheit des Glaubens gilt die Verheißung eines „großen Lohnes“ im Himmel. Ihnen ist wahrhaftig das Reich Gottes verheißen.
All das, was Jesus hier beschreibt und wozu er uns einlädt, sind innere Haltungen. Es geht um gute Einstellungen des Herzens, die zur rechten Zeit ihre Frucht bringen: schon jetzt in der Zeit, noch mehr aber in der Ewigkeit. Auch wir sind eingeladen, den Weg der Seligpreisungen zu gehen, um so einst im Chor der Seligen des Himmels Gott zu loben und zu preisen in Ewigkeit.
Amen.
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