Josef Spindelböck
Unterwegs zum Jesuskind
Predigt am Hochfest der
Erscheinung des Herrn
6. Januar 2010, Lesejahr C
L 1: Jes 60,1-6; L 2: Eph Eph 3,2-3a.5-6; Mt 2,1-12
Die
liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
„Erscheinung des Herrn“ – Epiphanie – bedeutet so viel wie das Offenbarwerden der Herrlichkeit Gottes im Kind von Bethlehem. Gott hat sich uns gezeigt, er ist Mensch geworden, und so beten wir an den wahren Gott und Menschen, Jesus Christus, der als Kind in der Krippe liegt.
Der heutige Festtag zeigt uns, dass neben den Hirten aus der Nähe auch Menschen aus der Ferne – eben die „Heiligen Drei Könige“ – sich aufgemacht haben, um das Jesuskind zu suchen. Sie stehen in der Geschichte des Christentums für die unübersehbare Zahl von Glaubenden aus allen Völkern und Nationen, die den Messias gefunden und ihn angebetet haben.
Weil Gott auf das Herz der Menschen sieht, war es ihm wohlbekannt, dass jene weisen und reichen Männer aus dem Osten in Sehnsucht auf den Erlöser warteten. Als schließlich ein wunderbares Himmelslicht erschien (der Stern von Bethlehem), da sahen sie dies als göttliches Zeichen an, um aufzubrechen in ein fernes, ihnen noch unbekanntes Land. Bereitwillig überließen sie sich der göttlichen Führung; es war ihnen wert, das Königskind zu suchen, auch wenn sie vieles dafür aufgeben und entbehren mussten.
Aber o Wunder! Nicht im Palast von Jerusalem ließ sich der neugeborene König der Juden finden, dort wo der grausame König Herodes lebte, sondern in ärmlicher Umgebung. Mit Jesus Christus beginnt ein neues Königtum; und von ihm war vorausgesagt, dass er in Bethlehem geboren werden würde. Es zeigt die Demut und den Glauben der drei Weisen aus dem Morgenland, dass sie angesichts des Kindes nicht zweifelten, sondern niederfielen und es anbeteten. Ihr Herz sah tiefer als auf äußeren Glanz. Sie erkannten, dass im Kind von Bethlehem der Welt der wahre Retter geschenkt war. Ihm wollten sie fortan ihr ganzes Leben weihen, und zum Ausdruck dieser inneren Bereitschaft brachten sie ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe dar.
Wir freuen uns, dass Gott der Herr zu allen Zeiten Menschen ruft und ihnen den Weg zum Erlöser Jesus Christus zeigt. Es mag mitunter schwierig sein aufzubrechen und materielle und geistige Sicherheiten aufzugeben, um Gott zu finden. Doch der Weg lohnt sich jedenfalls. Auch wer das Glück hatte, in einer christlichen bzw. sogar katholischen Familie aufzuwachsen und den Glauben durch seine Eltern kennen zu lernen, ist früher oder später herausgefordert, ein bewusstes Ja zum Glauben zu sagen. Der Glaube als solcher ist freilich immer ein Geschenk der Liebe Gottes, eine Gnade also. Weil uns Gott aber als Menschen ernst nimmt, bezieht er unsere Freiheit mit ein, soweit wir eben in der Lage sind, diese einzusetzen.
So sind auch wir aufgerufen, vor dem Kind im Stall von Bethlehem niederzuknien und es anzubeten. Gott selbst begegnet uns in diesem Kind, weil er einer von uns geworden ist. Was können wir dem Jesuskind schenken? Das einzige Geschenk, das es von uns erwartet, ist unser liebendes Herz. Wenn wir unser Leben ganz Gott anvertrauen, wird es im Guten Bestand haben. Dann werden wir auch unsere Mitmenschen zu Gott hin führen können.
Amen.
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