Josef Spindelböck

Im Unbefleckten Herzen Mariens geborgen

Predigt bei der Fatimafeier
12. Juni 2010 in St. Oswald
13. Juni 2010 in Mank
Messe vom Unbefleckten Herzen Mariens


L: Jes 61,9-11; Ev: Lk 2,46-51

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Gott ist uns nicht ferne: Der ewige, allmächtige, unbegreifliche Gott ist Mensch geworden in seinem Sohn Jesus Christus. Gott liebt uns daher auch mit einem menschlichen Herzen. Das Herz Jesu wurde am Kreuz von der Lanze des Soldaten durchbohrt. So offenbart sich die Liebe des menschgewordenen Sohnes Gottes. Das Herz des Erlösers steht offen für alle, damit sie freudig schöpfen aus den Quellen des Heiles!

Wenn am vergangenen Freitag das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu gefeiert wurde und am Tag darauf, dem Samstag, der Gedenktag des Unbefleckten Herzens Mariens, so ist es für uns bei dieser Fatimafeier naheliegend, auf das Unbefleckte Herz der Gottesmutter Maria Bezug zu nehmen. Dies tun wir im Bewusstsein der innigen Verbundenheit Marias mit Jesus. Wenn wir uns im Gebet an Maria wenden, dann führt sie uns zu Jesus Christus, ihrem Sohn. Sie will ihn uns zeigen, uns zu ihm hingeleiten!

Das Evangelium nach Lukas berichtet uns von der Wallfahrt der Eltern Jesu nach Jerusalem; als Zwölfjähriger war Jesus erstmals mit dabei. Irgendwie ist es dann geschehen, dass Maria und Josef den jungen Jesus aus den Augen verloren. Sie meinten ihn gut aufgehoben in der Pilgergesellschaft, die wohl ziemlich groß gewesen sein muss. Vielleicht hatte er sich ja den anderen jungen Menschen angeschlossen. Doch nach drei Tagen wurden Maria und Josef unruhig: Jesus war nicht aufzufinden! Wo war er geblieben?

Marias Herz ist erfüllt von mütterlicher Sorge um ihren Sohn. Gemeinsam mit Josef, ihrem jungfräulichen Gemahl, macht sie sich auf die Suche nach dem jungen Jesus, ihrem Kind. Sie gehen zurück nach Jerusalem und finden ihn schließlich im Tempel, wo er mit den Gelehrten diskutiert. So erleichtert Maria und Josef jetzt auch sind, ihnen stellt sich doch die bange Frage: Wie konnte das geschehen? Wie werden wohl die eigenen Wege sein, die Jesus jetzt offenbar zu gehen beginnt?

Jesus klärt sie auf und antwortet auf ihre ausgestandenen Sorgen und Ängste: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Die Antwort ist freilich schwer zu fassen und zu verstehen. Für Maria und Josef waren die Worte momentan eine Zumutung. Doch Maria wird nicht irre an ihrem Kind: Wie es ausdrücklich heißt, hat Maria in einer Haltung des Glaubens all das, was geschehen war, „in ihrem Herzen“ bewahrt.

Ausdrücklich ist hier im Evangelium also die Rede vom Herzen der Gottesmutter!  Ganz ähnlich heißt es im selben Lukasevangelium nach der Geburt Jesu, als die Hirten von den Feldern zum Kind kamen und all das Wunderbare berichteten, das ihnen widerfahren war: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“ (Lk 2,19). Es gehört also gleichsam zur Grundhaltung Marias, dass sie über das Geschehene und Gehörte in ihrem Herzen nachdenkt. Sie schiebt die Ereignisse und Personen nicht einfach auf die Seite und vergisst sie, sondern sie bewahrt alles und alle in ihrem mütterlich-liebenden Herzen. Sie tut dies in lebendiger Verbundenheit mit Gott, der sie Schritt für Schritt einführt in sein innerstes Geheimnis und in den Plan der Erlösung der Menschen.

Wenn wir vom Herzen Jesu und auch vom Herzen Mariens sprechen, so meinen wir nicht zuerst das körperliche Organ, sondern all das, wofür das Herz steht: nämlich für das Innerste einer Person, für ihre Ganzheit, für ihr Geheimnis. Wie oft beurteilen wir einen Menschen nur nach dem Äußeren; doch die wahre Schönheit eines Menschen, der wirkliche Wert liegt in seinem Inneren, in seinem Herzen. Gott allein kennt das Herz der Menschen, er kennt uns alle durch und durch, und er spricht uns ganz persönlich an in diesem unserem Herzen durch seine Gnade!

Die Jungfrau und Gottesmutter Maria war in ihrem Herzen immer darauf ausgerichtet, den Willen Gottes zu erkennen und zu erfüllen. Ihr Herz war von Liebe zu Gott und zu den Menschen erfüllt. Die mütterliche Liebe Marias richtet sich nicht nur auf Jesus, ihr Kind, sondern auf alle Menschen; auch vom Himmel her nimmt sie Anteil an unseren Freuden und Leiden, Hoffnungen und Sorgen. Marias Berufung und Sendung ist es, für alle da zu sein. Sie vergisst niemanden, sondern trägt uns alle in ihrem Herzen und wendet sich  uns ganz persönlich zu! Eben deshalb sind wir auch zu dieser Fatimafeier gekommen, weil wir die mütterliche Nähe Marias suchen.

Die Gottesmutter Maria zeigt uns allen und insbesondere den Priestern, worauf es ankommt: dass wir Gott die Ehre geben und ihm dienen und eben auf diese Weise auch unser eigenes Heil wirken und uns für das Wohl und Heil unserer Mitmenschen einsetzen.

Vor zwei Tagen ist in Rom das Priesterjahr zu Ende gegangen. Der Papst hat in feierlicher Weise an die Anliegen dieses Jahres erinnert. Es sollte der geistlichen Erneuerung dienen. Für alles Schlimme, was leider auch durch Priester der Kirche geschehen ist, hat der Papst Gott und die betroffenen Menschen um Vergebung gebeten.

Wir brauchen in der Zukunft viele gute Priester und geistliche Berufungen und natürlich auch viele gute Ehen und Familien! Maria ist die Königin und Mutter der Priester, aber auch die Königin und Mutter aller Familien. Sie zeigt uns, wie der Mensch vor Gott sein soll und zu welch wunderbarem Ziel er berufen ist!

Ist es nicht wunderbar? Gott hat die Erlösung der Welt mit einer Frau begonnen, und durch die Jungfrau und Mutter Maria soll das Heil auch all den vielen Menschen zuteil werden, die dafür offen und bereit sind.  Maria hat uns Jesus geschenkt, obwohl sie kein Weihepriesteramt ausgeübt hat. Die Priester sind aufgerufen, den Menschen Jesus Christus zu bringen im Wort, das sie verkünden, und in den Sakramenten, die sie spenden. Die Fürbitte der Gottesmutter Maria begleitet sie dabei!

Wenn wir das Unbefleckte Herz der Gottesmutter Maria verehren, dann wollen wir dem Herzen der Gottesmutter alle anempfehlen, die wir kennen und mit denen wir verbunden sind, aber auch all jene, an die vielleicht niemand denkt und für die niemand betet. Papst Benedikt XVI. hat bei seiner Fatima-Wallfahrt am 13. Mai 2010 alle Priester der Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht und dieses Weihegebet zum Abschluss des Priesterjahres in Rom am 11. Juni 2010 mit den versammelten Priestern gebetet!

Ja, o heilige Jungfrau Maria, zeige uns Jesus und führe uns hin zu ihm! Stärke uns alle im Bewusstsein unserer Verantwortung vor Gott und den Menschen, damit die Priester und die übrigen Gläubigen einmütig zusammenwirken beim Aufbau des Reiches Gottes, das sich vollenden wird in der ewigen Gemeinschaft mit Gott und den Engeln und Heiligen im Himmel.

Amen.

 

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