Josef Spindelböck

In der Hingabe der Liebe bis zum Tod

Predigt am Gründonnerstag
Messe vom Letzten Abendmahl
1. April 2010, Lesejahr C


L 1: Ex 12,1-8.11-14; L 2: 1 Kor 11,23-26; Ev: Joh 13,1-15

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Am Abend vor seinem Leiden und Sterben versammelte Jesus die zwölf Apostel in einem Saal, um mit ihnen das Paschamahl zu feiern. Er tat dies, wie der Evangelist Johannes berichtet, bereits einen Tag vor dem eigentlichen Termin: Denn am nächsten Tag würde er selbst sein Leben hingeben als das wahre Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt. In seinem Opfer am Kreuz sollte sich der eigentliche Sinn des Paschafestes erfüllen.

Im Rahmen des jüdischen Paschamahles, dessen Ritus in der ersten Lesung aus dem Buch Exodus beschrieben wird, stiftet Jesus etwas ganz Neues; der Apostel Paulus gibt in seinem 1. Korintherbrief davon Zeugnis, wenn er erzählt, was Jesus bei seinem Letzten Abendmahl getan hat, und er schreibt, dass es sich um eine Überlieferung handelt, die auf den Herrn zurückgeht.

Das Brot, über das Jesus den Segen gesprochen hat und das er in seine Hände nimmt, wird zu seinem Leib, den er am Kreuz hingibt für die Menschen. Der Kelch weist hin auf den Neuen Bund, der Wein wird zu seinem Blut. Die Apostel und ihre Nachfolger – eben die Bischöfe und Priester – sind aufgerufen, dieses Handeln Jesu zu wiederholen, zu seinem Gedächtnis. Paulus sagt es klar: „Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“

Tod und Auferstehung Jesu werden beim Letzten Abendmahl gleichsam im voraus gegenwärtig; und immer wenn die Kirche durch den Dienst der Bischöfe und Priester Eucharistie feiert, vollzieht sich die unblutige Vergegenwärtigung des Opfers Christi am Kreuz, verkünden wir den Tod und die Auferstehung des Herrn!

Zweierlei wird uns klar, wenn wir die Texte der Lesungen und das heutige Evangelium aufmerksam hören und meditieren:

Erstens: Jesus Christus selber gibt sich hin in seinem Opfer der Liebe für uns; er wird gegenwärtig unter den Gestalten von Brot und Wein, wenn der Bischof oder Priester in der Person Christi die denkwürdigen Worte spricht: „Das ist mein Leib“ – „Das ist mein Blut“. Priester zu sein heißt also selber zurückzutreten, um Platz und Raum zu schaffen für den Herrn. Jedes Priestertum ist Teilhabe am einen und einzigen Priestertum Jesu Christi; denn er ist der Mittler zwischen Gott und den Menschen.

Zweitens: Wer als Priester die Eucharistie mit den Gläubigen feiert, soll dies ebenso wie Jesus in einem Geist der Hingabe und des Dienens tun. Nicht umsonst hat Jesus im Abendmahlssaal seinen Aposteln die Füße gewaschen. Was er – der Herr und Meister tut – soll jeder zu tun bereit sein, der ihm als Jünger nachfolgt, und insbesondere der Bischof und die Priester sollen ihre von Gott geschenkte Autorität und Sendung als Dienst der Liebe ausüben. Nicht um zu herrschen ist Jesus gekommen, sondern um zu dienen. Der Höhepunkt dieses Dienstes der Liebe zeigt sich in der Hingabe seines Lebens am Kreuz, welche beim Letzten Abendmahl schon sakramental vergegenwärtigt wird und sich jedes Mal erneuert, wenn die Kirche Eucharistie feiern darf. Priester zu sein heißt berufen sein zum Dienst vor Gott und an den Gläubigen. Es geht um die Anbetung und Verherrlichung Gottes und um die Vermittlung der Gnade des ewigen Heiles. Wie groß und heilig ist doch dieser Dienst!

Eine Schlussbemerkung: Wir alle wissen – nicht erst seit Bekanntwerden schlimmer Vorfälle (im Zusammenhang der Missbrauchsskandale), wie schwach und sündhaft auch die Priester sind. Gott beruft nicht Engel, sondern Menschen, den heiligen Dienst am Altar zu vollziehen. Gewiss ist die persönliche Heiligkeit des Priesters wünschenswert, und so wie jeder Christ soll er sich in besonderer Weise darum bemühen, das Böse zu besiegen und das Gute zu tun. Wir müssen richtigerweise sagen: Gott ist es, der uns befreit und erlöst durch das Kreuzesopfer Christi, das auf den Altären gegenwärtig wird. Wir sollen aber diese überreiche Gnade des Heiles von ganzem Herzen aufnehmen und Frucht bringen in Liebe. Dies geschieht vor allem dann, wenn wir – vorbereitet durch das Sakrament der Buße – die heilige Kommunion wirklich im Stand der Gnade empfangen und Jesus Christus als „Brot des Lebens“ aufnehmen in unser Herz. Die lebendige Verbundenheit mit Jesus Christus möge unser Leben durchformen, sodass wir die Güte und Liebe Gottes ausstrahlen, die wir empfangen haben.

Im Gebet füreinander und in den Werken der Liebe zeigt sich die Verbundenheit von Priestern und Gläubigen mit Christus, dem Herrn. Heilige Maria, Jungfrau und Gottesmutter, du Königin der Apostel und Mutter der Priester, bitte für uns alle bei Jesus Christus, dem ewigen Hohenpriester, dem Du eine menschliche Mutter sein durftest!

Amen.

 

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