Josef Spindelböck

Gottes Ja zur Familie

Predigt am Fest der Heiligen Familie
27. Dezember 2009, Lesejahr C


L 1: Sir 3,2-6.12-14 oder 1 Sam 1,20-22.24-28; L 2: Kol 3,12-21 oder 1 Joh 3,1-2.21-24; Ev: Lk 2,41-52

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Damit das Kind Jesus, der menschgewordene Sohn Gottes, ganz in unser Menschsein eingeführt werden konnte, brauchte er den Schutz und die Geborgenheit einer Familie. Als Mensch ist er in allem uns gleich geworden, außer der Sünde; der Sohn Gottes hat alles Menschliche angenommen, um es ganz zu erlösen. So machte er – was sein Wissen aus Erfahrung betrifft – die ganz normalen Entwicklungsstufen eines Kindes und Menschen durch, sodass es im Evangelium heißt: „Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.“

Die heilige Maria war dem Kind eine liebevolle Mutter, die ihm alles Nötige zukommen ließ, was gerade ein kleines Kind braucht: Nahrung und Kleidung, vor allem aber liebevolle Zuwendung und Geborgenheit. Der heilige Josef sorgte in väterlicher Weise für das Jesuskind: Auch wenn er nicht dessen leiblicher Vater war (das Kind hatte die Jungfrau Maria ja vom Heiligen Geist empfangen), so war er doch vor dem Gesetz der rechtmäßige Vater, denn durch die Ehe mit Maria war er für seine jungfräuliche Gemahlin, aber auch für das Kind verantwortlich geworden in all dem, was die Aufgabe eines jüdischen Familienoberhauptes war. So nahm auch er sich des Jesuskindes in Liebe an; er ließ seine Frau nicht allein in ihren Mühen und Sorgen, sondern unterstützte sie nach Kräften. Schließlich hat er den jungen Jesus in allem Lebensnotwendigen und besonders in der jüdischen Religion unterrichtet und ihn auch eingeführt ins Handwerk des Zimmermanns.

Immer deutlicher aber zeigte sich, dass dieses Kind kein gewöhnliches war, und als Jesus im Tempel zurückblieb und erst nach drei Tagen wieder gefunden wurde, antwortete der Zwölfjährige seinen besorgten Eltern: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Maria und Josef mussten erst lernen, dies zu akzeptieren; verstehen konnten sie es noch nicht. Doch sie sagten aus ganzem Herzen Ja zum Plan Gottes mit ihnen und mit ihrem Kind.

Wie wichtig die Familie in Gottes Plan mit uns Menschen ist, wird uns jeden Tag aus neue bewusst: Kinder brauchen einen Ort der Liebe und der Geborgenheit. Sie sind auf die persönliche Zuwendung ihrer Eltern angewiesen. Vater und Mutter tragen auf je eigene Weise dazu bei, dass sich ihre Kinder gut entfalten können. Auch wenn es viele negative Einflüsse in Staat und Gesellschaft gibt und auch politische Bestrebungen, die unsere Familien in ihren Rechten und Pflichten einschränken wollen: Die Zukunft der Menschheit liegt in der Familie! Wenn man über die Ökologie unseres Planeten diskutiert, sollte es noch wichtiger sein, die „Humanökologie“ guter und stabiler Familien zum Thema zu machen und unsere Ehen und Familien auch gesellschaftlich verstärkt anzuerkennen und zu fördern.

Gerade die Vermittlung von Werten und die Erziehung im Glauben geschieht zuerst in den Familien. Kinder übernehmen meist das, was die Eltern ihnen vorleben und wovon sie selber überzeugt sind. Vater und Mutter sind die ersten Katecheten ihrer Kinder: D.h. sie sind aufgerufen, ihnen vom lieben Gott zu erzählen und auch mit ihnen zu beten! Die christliche Familie wird gestärkt durch das Ehesakrament, das die Gatten einander spenden und dessen Gnade fortdauert, wenn sie die Verbindung mit Gott suchen und leben. Auf diese Weise ist die Familie eine „Kirche im Kleinen“, wahrhaft eine „Hauskirche“ („domus Ecclesiae“) und ist somit in gewisser Weise die Grundlage für das Bestehen der Kirche insgesamt.

Wir sind eingeladen, in besonderer Weise für unsere Familien zu beten – und hier für alle, die es schwer haben, oder die darunter leiden, dass ihre Familiengemeinschaft gefährdet oder gar zerbrochen ist! Aber auch in den Familien soll das Gebet wieder gepflegt werden. Denn wenn Eltern und Kinder ihr Herz gemeinsam zu Gott erheben, dann werden sie auch miteinander und untereinander zu einer tieferen Einheit der Liebe finden.

Amen.

 

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