Josef Spindelböck

Die Würde der menschlichen Arbeit

Predigt am Gedenktag
des hl. Josef, des Arbeiters
1. Mai 2010

L 1: Gen 1,26-2,3 oder Kol 3,14-15.17.23-24; Ev: Mt 13,54-58

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ soll nicht nur im weltlichen und politischen Bereich gefeiert werden, sondern hat auch einen kirchlichen Sinn als Gedenktag des hl. Josef, des Arbeiters. In den liturgischen Texten dieser Messfeier wird uns die Würde und Berufung des arbeitenden Menschen vor Augen gestellt. Der Zimmermann Josef von Nazareth, dem die jungfräuliche Gottesmutter Maria und das Jesuskind anvertraut waren, ist uns Vorbild und Fürsprecher zugleich.

Schon im Tagesgebet der Messe hören wir von der besonderen Berufung des Menschen zum Schaffen und Wirken auf dieser Erde. Auf diese Weise tragen wir bei für unseren Lebensunterhalt und das soziale Zusammenleben und entfalten unsere leiblichen und geistigen Fähigkeiten. Josef von Nazareth hat mit seiner Hände Arbeit die Heilige Familie ernährt, und seine Fürbitte bei Gott erwirke uns, dass wir die irdischen Aufgaben so erfüllen, dass wir einst ins göttliche Vaterhaus eingehen dürfen, um dort den verheißenen Lohn zu empfangen.

In der Lesung aus dem Kolosserbrief des Apostels Paulus ist die Rede davon, dass wir alles im Namen Jesu tun sollen. In Dankbarkeit gegenüber Gott soll der Friede Christi in uns bleiben, damit uns so die Liebe Gottes zusammenhält und vollkommen macht. Paulus verkündet uns ein Ethos der Arbeit, indem er uns auffordert: „Tut eure Arbeit gern, als wäre sie für den Herrn und nicht für Menschen;  ihr wisst, dass ihr vom Herrn euer Erbe als Lohn empfangen werdet. Dient Christus, dem Herrn!“ Als Christen sind wir so frei, dass auch all unser irdisches Tun auf Gott bezogen ist. Auf diese Weise verlieren wir das letzte Ziel nie aus den Augen und werden weder niedergedrückt durch die Mühe des Alltags noch abgelenkt durch die Gier nach Profit, so als ob alles nur von uns abhängen würde und wir allein aus Eigennutz arbeiten würden. In allem sollen wir Diener Gottes und der Menschen sein, zur Ehre Gottes und zum Wohl und Heil aller.

Genau dieser Berufung hat der heilige Josef auf höchste Weise entsprochen. Er sah seinen demütigen Dienst als Zimmermann als ehrenvolle Aufgabe an und führte auch den jungen Jesus in die Welt der körperlichen und geistigen Arbeit ein. Ist dies nicht ein Trost für alle arbeitenden Menschen, dass der Sohn Gottes selbst als Mensch die Mühsal der Arbeit nicht gescheut und sich damit gleichsam zum Diener aller gemacht hat?

Für manche seiner Zeitgenossen war gerade diese Alltäglichkeit der Herkunft Jesu ein Stein des Anstoßes, wie uns das Evangelium berichtet. Sie konnten es sich nicht vorstellen, dass Jesus, der als Sohn des Zimmermanns galt und dessen Verwandte (biblisch als „Brüder“ bezeichnet) unter ihnen lebten, ein gottgesandter Lehrer, ja sogar der menschgewordene Sohn Gottes selbst sein sollte. Sie lehnten ihn ab und verweigerten den Glauben an ihn. Doch Jesus lässt sich deshalb nicht beirren, weil er weiß, dass ein Leben der Arbeit und eine Herkunft aus gewöhnlichem Hause den Menschen nicht gering macht.

Jeder Mensch besitzt eine einzigartige Würde, und wenn der Mensch seine Arbeit in Dankbarkeit und Freude zur Ehre Gottes und zum Wohl der Menschen verrichtet, empfängt er reichen Segen. Die Fürbitte des hl. Josef begleite uns alle und erwirke besonders den arbeitenden Menschen Trost und Freude durch die Hilfe Gottes! Amen.

Amen.

 

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