Josef Spindelböck
Aus Liebe für uns am Kreuz gestorben
Homilie am Karfreitag
Feier vom Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus
2. April 2010, Lesejahr C
L 1: Ex 12,1-8.11-14; L 2: 1 Kor 11,23-26; Ev: Joh 13,1-15
Die
liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Als unser Herr Jesus Christus Leiden und Tod für uns auf sich nahm, so tat er dies aus unendlicher Liebe. Indem er das schwere Kreuz für uns trug, hat er die Last des Lebens eines jeden von uns mitgetragen. In Dankbarkeit dürfen wir sagen: „Er hat auch mein Kreuz getragen.“ Dies hilft uns und tröstet uns in Stunden der Not und der Bedrängnis. Wir sind nie allein, Gott geht den Weg mit uns, ja der Sohn Gottes – Jesus Christus – hat alles mit uns geteilt, da er in allem uns gleich geworden ist außer der Sünde.
Der Karfreitag erschüttert und tröstet uns zugleich: Erschüttern soll uns, dass Gott selbst – der Ewige, Unendliche, Allmächtige – es für nötig gefunden hat, in unsere menschliche Niedrigkeit herabzusteigen und stellvertretend für uns alle Schuld auf sich zu nehmen, um sie zu sühnen. Auf diese Weise hat Gott selbst die Menschheit wieder mit sich versöhnt im Blut des Lammes, das für uns am Stamm des Kreuzes geschlachtet worden ist. Welch einzigartige Liebe unseres Gottes, welch wunderbare Herablassung seiner Güte, welch einzigartige Offenbarung seines Erbarmens!
Wir dürfen all dies, was Gott getan hat, auf uns persönlich beziehen: Gäbe es nur einen einzigen Menschen und der wäre ich, dann wäre Gott allein für mich Mensch geworden und für mich am Kreuz gestorben! Ja, es ist wirklich so: Der Sohn Gottes hat uns alle persönlich geliebt; er hat sich in Liebe hingegeben für einen jeden von uns persönlich. „Für Dich – für mich – für uns alle“ ist er gestorben am Kreuz und am dritten Tage wieder auferstanden.
Das Sterben des Sohnes Gottes am Kreuz gibt uns eine Antwort auf die wohl bedrängendste Frage unseres Lebens: Was folgt auf den Tod? Wie kann ich den Tod annehmen? Wie kann ich dem „ewigen Tod“, d.h. der definitiven Gottferne, entgehen und eintreten ins Paradies, zu Gott, um teilzunehmen am „Hochzeitsmahl des ewigen Lebens“?
Wir wissen, dass wir alle einmal sterben müssen. Der Tod kommt unausweichlich auf uns zu, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Da hilft kein Rütteln und Deuten, da gibt es kein Verhandeln und Taktieren: im Angesicht des Todes sind alle gleich. Einmal ist es soweit, dass wir aus dieser Welt scheiden müssen. Für Menschen, die ihre Hoffnung nur auf das Leben in dieser Erde setzen, ist diese Perspektive eine Katastrophe. Ihrer Logik folgend ist mit dem Tod alles aus. Das würde zwar einerseits bedeuten, dass es niemanden gäbe, vor dem sich der einzelne endgültig zu verantworten hätte, aber andererseits spürt der Mensch, wie hoffnungslos ein solches Leben ist, das kein Leben nach dem Tod kennt. Denn all das Irdische, und sei es noch so großartig, genügt dem Menschen letztlich nicht. Nichts und niemand kann wirklich in der Tiefe des Herzens unsere Sehnsucht stillen als Gott allein! Und da verkündet uns der Glaube: Gott verheißt und schenkt uns ewiges Leben!
Wenn wir das auf uns selbst beziehen, heißt das: Ich bin in meinem Leben und in meinem Tode nicht allein. Dann wenn ich Abschied nehmen muss von dieser Welt und von lieben Freunden und wenn mich niemand begleiten kann auf diesem letzten Weg, geht trotzdem einer mit mir: Jesus Christus. Er ist freiwillig diesen Weg des Sterbens und des Todes gegangen; er ist ihn uns vorausgegangen, und er geht ihn mit uns – ganz persönlich. Im Sterben bin ich nicht allein! Jesus Christus ist bei mir.
Und so wie er am dritten Tag von den Toten auferstanden ist, so verheißt er auch all jenen, die an ihn glauben, auf ihn hoffen und ihn lieben, das ewige Leben bei Gott. Auch uns gelten in gewisser Weise die Worte, die Jesus zum Verbrecher gesagt hat, der auf der rechten Seite neben ihm am Kreuze hing: „Heute noch wirst Du mit mir im Paradiese sein.“ Ja, wenn wir auf Gottes Liebe vertrauen, dann brauchen wir nichts mehr zu fürchten. Christus hat in seinem Sterben den Tod besiegt, er hat uns in seiner Auferstehung das Leben neu geschenkt.
Wenn wir einmal sterben, dann sterben wir mit Christus, um mit ihm zu leben in Ewigkeit.
Amen.
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