Josef Spindelböck

Maria, die Unbefleckte Empfängnis: Gottes Ausweg aus der humanökologischen Krise

Predigt am Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria
Lesejahr C, 8. Dezember 2009

L 1: Gen 3,9-15.20; L 2: Eph 1,3-6.11-12; Ev: Lk 1,26-38

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

In diesen Tagen wird die so genannte „Weltklima-Konferenz“ in Kopenhagen abgehalten. Das Ziel sind gemeinsame Beschlüsse der wichtigsten Staaten der Welt, um der Gefahr eines drohenden Zusammenbruches des ökologischen Systems zu begegnen. Manche meinen, es sei ohnehin zu spät, und es wäre nur noch eine Frage der Schadensverminderung, nicht der Schadensvermeidung.

Die Kirche anerkennt die Wichtigkeit dieser Fragen und Probleme, zeigt aber auf, dass der Schutz der Umwelt, d.h. von Tieren und Pflanzen und der natürlichen Ressourcen, nicht ohne den Respekt vor der Würde und den natürlichen Rechten des Menschen zu verwirklichen ist. Der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI., spricht in seiner Sozialenzyklika „Caritas in veritate“ von der Notwendigkeit einer „Humanökologie“, d.h. vom Schutz des Menschen als solchen, der ja als Ebenbild Gottes geschaffen und für die Schöpfung mitverantwortlich ist.

Vor Beginn des UN-Gipfels hatte Papst Benedikt XVI. beim Angelusgebet am Sonntag alle Menschen zu einem maßvollen und verantwortungsvollen Lebensstil aufgerufen. Das gelte vor allem mit Blick auf die Armen und die künftigen Generationen. „Um der Konferenz einen vollen Erfolg zu garantieren, lade ich alle Menschen guten Willens ein, die von Gott in die Natur gelegten Gesetze zu respektieren und die moralische Dimension des menschlichen Lebens wiederzuentdecken“, sagte der Papst vor mehreren Zehntausend Gläubigen auf dem Petersplatz (Quelle: Kathpress).

Das eigentliche Problem stellt sich ja so dar: Wenn der Mensch selber in Unordnung gerät, d.h. wenn er die Kontrolle über sich selbst verliert, da er sich von Gott als Lebensquelle trennt, dann folgt daraus auch ein gestörtes Verhältnis des Menschen zur Natur und Umwelt. Diese begehrt dann gegen den Menschen auf und zeigt mitunter ihre ganze Urgewalt.

Am heutigen Festtag lässt uns die Kirche mitten im Advent auf Maria schauen, die „Unbefleckte Empfängnis“. In Maria ist das Menschsein ganz und gar gelungen; die Störung der Sünde hat an ihr keinen Anteil. Jenes erste Aufbegehren der Menschen gegen Gott, das wir als Ursünde und in seinen Folgen als Erbsünde bezeichnen, betraf Maria nicht. Denn um dem Erlöser eine würdige Mutter sein zu können, hat Gott sie im voraus auf so vollkommene Weise erlöst, dass sie von Anfang an „ganz perfekt“ war: Sie war frei von der Erbsünde und blieb frei von jeder persönlichen Sünde; sie war und ist die Jungfrau „voll der Gnade“.

So strahlt heute das Bild des vollendeten Menschen vor unserem geistigen Auge auf: Die unbefleckte Gottesmutter Maria zeigt uns, wie der Mensch in den Augen Gottes sein soll! Ist dies nicht auch ein Leitbild bei all der Suche der Menschheit nach einem Ausweg aus der selbstverschuldeten Krise? Zeigt uns Maria nicht auf, wohin wir uns wenden sollen und wo der eigentliche Ansatz ist, damit auf Erden Friede wird? Friede mit Gott, Frieden unter den Menschen, Friede auch mit der Natur!

Maria war ganz bereit für Gottes Wort und Willen. Nur so konnte sie den Sohn Gottes in ihrem Schoß empfangen. Bevor sie ihn mit dem Leib empfing, gewährte sie ihm Wohnung in ihrem Herzen. Maria ist von ihrem übernatürlichen Wesen her die „Unbefleckte Empfängnis“, d.h. ganz und gar Empfänglichkeit für Gott: Gott hat sie vom ersten Augenblick ihrer Existenz an geheiligt und sie in ihrer geschöpflichen Freiheit offen und bereit gemacht, jeder Anregung der Gnade in liebendem Gehorsam zu folgen. Keine Gnade ging an ihr verloren.

Wenn wir uns Maria „weihen“ und uns ihrer Fürbitte liebend anvertrauen, dann werden auch wir empfänglich für die Gaben Gottes. Dann wird unser Leben neu werden, und durch den Heiligen Geist wird auch das Antlitz der Erde erneuert. Amen.

 

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