Josef Spindelböck

Gott ist als Kind geboren

Predigt am Christtag
25. Dezember 2009


Am Morgen: L 1: Jes 62,11-12; Tit 3,4-7; Ev: Lk 2,15-20
Am Tag: L 1: Jes 52,7-10; L 2: Hebr 1,1-6; Ev: Joh 1,1-18

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Die Geburt des Jesuskindes im Stall von Bethlehem, das von Maria in Windeln gewickelt und in eine Krippe gelegt wurde, lässt uns immer wieder aufs neue staunen über das Wunder der Herablassung Gottes zu uns Menschen!

Da beweist doch tatsächlich der allmächtige Gott, der auf uns Menschen in keiner Weise angewiesen ist, dass ihm an uns Menschen etwas liegt. Ja, noch mehr: Er wird einer von uns, ein Menschenkind, um uns in Liebe zu begegnen und uns zu zeigen, wer er wirklich für uns ist. Sollten wir uns da nicht freuen und in tiefer Dankbarkeit auf unsere Knie sinken? Er, der Ewige, der Allmächtige, der Unfassbare, macht sich klein und kommt als Kind zu uns Menschen. Der Sohn Gottes, das ewige Wort des Vaters, tritt ein in die Zeit und Welt der Menschen, um uns das göttliche Leben zu schenken. Durch den menschgewordenen Sohn Gottes werden wir in der Taufe zu Kindern Gottes und untereinander zu Brüdern und Schwestern.

Oft ist es ja so, dass wir zuerst auf das Große und Spektakuläre schauen. In der Geschichtsschreibung und auch in der öffentlichen Wahrnehmung zählen für gewöhnlich nur jene, die Macht und Einfluss besitzen oder irgend etwas Besonderes vorweisen können. Wie anders da das Kind im Stall von Bethlehem! Es besitzt noch nichts und liegt ganz arm und hilflos in der Krippe, umgeben nur von der liebenden Sorge seiner Mutter Maria und des heiligen Josef. Hätten nicht Engel vom Himmel den Hirten die frohe Botschaft verkündet, so wäre dieses Ereignis zunächst ganz unbeachtet geblieben – einfach nicht wahrgenommen von der Außenwelt. Und doch ist gerade hier die „Fülle der Zeit“ eingetreten, in der Gott den Gang der Menschheitsgeschichte zum Guten hin wenden wollte!

Offenbar ist es doch so, dass bei Gott dem Allmächtigen die kleinen Dinge mehr zählen als die großen. Ja, er selbst liebt es, im Kleinen und Unscheinbaren, im Verborgenen und sogar Verachteten zu wirken und anzukommen. Die Liebe kennt keine Grenzen, und ihre Wirksamkeit offenbart sich durch ihre Aufmerksamkeit für die Kleinen, Armen und Schwachen. Gott selbst ist einer von ihnen geworden – um unseres Heiles willen!

Vermag uns dies nicht auch für unser Leben wieder Hoffnung zu geben? Der moderne Mensch hat ja manchmal das Gefühl, als wäre er der Willkür anderer hilflos ausgeliefert, als würde er nur wie ein kleines Rädchen wahrgenommen im großen Getriebe der Welt, ja als zähle er nicht mehr als ein Sandkorn in einer anonymen Masse ...!

Doch genau dies trifft bei Gott nicht zu! Gott kennt und liebt jeden Menschen persönlich. Wir sind ihm nicht gleichgültig. Unser Leben wird bis ins Kleinste hinein von seiner gütigen Vorsehung gelenkt und begleitet, ohne unsere Freiheit und Verantwortung aufzuheben. Das Jesuskind ist für uns alle geboren; es ist jedem von uns geschenkt. Gott will persönlich ankommen bei uns – in unserem Herzen!

Ist das nicht großartig? Von daher dürfen wir darauf vertrauen, dass auch das kleinste Werk der Liebe zählt, ja vor Gott sogar einen Ewigkeitswert besitzt. Nichts ist umsonst, was wir mit der Gnade Gottes an Gutem vollbringen. Möge uns das Weihnachtsfest helfen, achtsam und aufmerksam sein im Kleinen, denn hier wirkt Gott Großes auch in unserem Leben!

Amen.

 

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