Josef Spindelböck

Ein Kind ist uns geschenkt

Predigt in der Heiligen Nacht (Christmette)
24./25. Dezember 2009

Am Heiligen Abend: L 1: Jes 62,1-5; L 2: Apg 13,16-17.22-25; Ev: Mt 1,1-25
In der Heiligen Nacht: L 1: Jes 9,1-6; L 2: Tit 2,11-14; Ev: Lk 2,1-14

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Wir sind in der Heiligen Nacht zusammengekommen, um hier in der Christmette die Geburt des Jesuskindes aus der Jungfrau Maria zu feiern. Dies ist vor über 2000 Jahren im Stall von Bethlehem geschehen. Damals kam Gott, der Allmächtige und Unbegreifliche, zu uns Menschen herab: Der ewige Sohn Gottes wurde ein Menschenkind, in allem uns gleich außer der Sünde, ganz Mensch unter Menschen. So groß war die Liebe Gottes des Vaters, dass er uns seinen Sohn als kleines, hilfloses Kind gesandt hat, um der Welt das Heil zu bringen. „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade!“

An diesem Fest wird uns bewusst, dass letztlich alles ein Geschenk ist: Das Leben als solches ist uns geschenkt; wir sind hoffentlich beschenkt mit einer Familie und mit guten Freunden; wir denken in Dankbarkeit an die vielen kostbaren Gaben aus dem Schatz dieser Erde und auch an das Große und Staunenswerte, was die Menschen durch die Arbeit ihrer Hände und den Einsatz ihres Geistes hervorbringen. Das Größte aber, das wir uns vorstellen können, wird in einem Lied so besungen: „Gott schenkt uns seinen Sohn.“ Denn in diesem Kind zu Bethlehem hat er selbst sich uns geschenkt und anvertraut; er scheut es nicht, sich uns ganz auszuliefern und in Liebe an unser Herz zu rühren, damit wir ihn aufnehmen und ihm eine Wohnung bereiten. „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt.“

Manche Menschen sehen die Botschaft von Weihnachten nur als Märchen an, als unwirkliche Idylle. Sie sagen – und das mit einem gewissen Recht: Das Leben ist oft hart und grausam; es gibt Armut, Ungerechtigkeit, Not und Verfolgung für viele Menschen. Auf Erden herrschen immer noch Krieg und Unfriede. Wo bleibt da die Erlösung, die Gerechtigkeit, der Friede?

Aber gerade in dieser Gefahr der Resignation und der Mutlosigkeit vor dem Bösen schenkt uns die Frohbotschaft von Weihnachten ein Licht: Gott wollte in diese Welt kommen – in diese Welt des Unheils und der Verstrickung in die Sünde, in diese dem Tod verfallene Welt, um uns hier und jetzt Hoffnung zu geben und uns das Heil zu schenken. Die Heilszusage Gottes kann nicht ausgelöscht werden durch alle Bosheit und alles Unrecht der Welt. Vom Jesuskind gilt: „Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.“

Das arme, hilflose Kind im Stall von Bethlehem, das nach 33 Lebensjahren hier auf Erden am Kreuz sterben sollte und dann am dritten Tage von den Toten auferstand, ist mächtiger als alles Dunkel dieser Welt! Jesus Christus, der einst als Kind im Stall zu Betlehem lag – er lebt! Und er ist bei uns anwesend, um uns zu stärken und zu trösten und den Weg zum ewigen Leben bei Gott zu weisen.

Von daher ist gerade uns allen insgesamt, uns allen auch je persönlich, Friede und Heil verheißen. Wir alle haben aus der Fülle Gottes empfangen, Gnade um Gnade. Wagen wir es, diesem Kind in der Krippe zu vertrauen! Anerkennen wir die Weisheit und Liebe Gottes, der sich nicht in seiner Allmacht zeigen wollte, sondern in der Verletzlichkeit und Hilfsbedürftigkeit eines Kindes! Die Freude über die Geburt Christi, die den Hirten zuteil wurde, soll auch uns ergreifen. Mit Maria, der Mutter Jesu, und mit dem heiligen Josef, ihrem jungfräulichen Gemahl, beten wir das Kind an, das uns geboren wurde und uns Heil und Frieden schenkt! Amen.

 

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