Dr. Josef Spindelböck
Predigt am Pfingstsonntag
(3. Juni
2000, Lesejahr C)
L
1: Apg 2,1-11; L 2: 1 Kor 12,3b-7.12-13 oder Röm 8,8-17;
Ev: Joh 20,19-23 oder Joh 15,26-27; 16,12-15
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Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Mit dem Pfingstfest endet der 50-tägige Osterfestkreis. Es ist das Fest der Vollendung dessen, was unser Herr Jesus Christus für uns getan hat, als er als Mensch unter uns lebte, lehrte und Wunder wirkte, als er für uns litt und am Kreuze starb, als er auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist. Nun löst er sein Versprechen ein und sendet den Aposteln und allen, die glauben, den Heiligen Geist als bleibende Gabe von seinem himmlischen Vater.
Es war ein machtvolles Ereignis – wie uns die Apostelgeschichte berichtet –, denn vom Himmel her kam plötzlich ein Brausen, wie ein Sturm, der das ganze Haus erfüllte. In sichtbarer Weise senkten sich Zungen wie von Feuer herab auf die Apostel und die übrigen Jünger, auf die gläubigen Frauen und die Gottesmutter Maria. Vorbei war plötzlich alle Angst und Furcht vor den Menschen. Mutig und voll heiliger Begeisterung traten die Apostel hinaus vor die Menge, die zusammengeströmt war, und legten Zeugnis ab für die Auferstehung Christi, des Herrn. Ein jeder konnte sie in seiner Sprache verstehen.
Liebe Gläubige! Wenn wir eine Ahnung davon bekommen wollen, wer der Heilige Geist wirklich ist, dann müssen wir auf sein Wirken schauen, wie er sich uns geoffenbart hat und weiterhin in der Kirche gegenwärtig ist. Es gibt bestimmte „Früchte“ des Geistes, in denen er sich uns zeigt als die dritte göttliche Person, als die personale Liebe zwischen Vater und Sohn im Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit.
Der Heilige Paulus macht in seinem Brief an die Galater (Gal 5,13-26) eine Gegenüberstellung der „Werke des Fleisches“ und der „Frucht des Geistes“. Unter „Fleisch“ versteht er die von Gott abgewandte Welt, alles, was sündhaft ist und die Menschen von der Liebe Gottes trennt und auch von der Gemeinschaft untereinander. Als „Werke des Fleisches“ nennt Paulus verschiedene schlimme Dinge. Er schreibt: „Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Mißgunst, Trink- und Eßgelage und ähnliches mehr.“ Und dann schreibt der Apostel: „Ich wiederhole, was ich euch schon früher gesagt habe: Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben.“
Diese negative Wirklichkeit haben die Christen überwunden. Durch den Glauben und die Heilige Taufe gehört sie zu Christus und zu seiner Kirche. Einem jeden, der glaubt, ist der Heilige Geist geschenkt. Und da beschreibt der Apostel Paulus gleich anschließend die vielfältige „Frucht des Geistes“:
„Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung; dem allem widerspricht das Gesetz nicht. Alle, die zu Christus Jesus gehören, haben das Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt. Wenn wir aus dem Geist leben, dann wollen wir dem Geist auch folgen.“
Wir wollen diese guten Eigenschaften eines Menschen, der aus dem Heiligen Geist lebt, ein wenig näher betrachten. Denn nicht das Negative ist es, worauf wir uns fixieren sollen, sondern aus der Kraft des Guten wollen wir leben. An erster Stelle nennt Paulus die Liebe: Die Gottes- und Nächstenliebe ist die eigentliche Frucht des Geistes, denn Gott ist die Liebe, und in Gott ist der Heilige Geist die personale Liebe zwischen Vater und Sohn. Jede echte und wirkliche Liebe kommt von oben, ist ein Geschenk Gottes, des Heiligen Geistes. Nur wer liebt und Gutes tut, hat Gott wirklich erkannt und lebt in Gemeinschaft mit ihm. Die zweite Frucht des Geistes ist die Freude. Es ist eine Freude, die nichts trüben und die niemand nehmen kann. Die Freude im Heiligen Geist besteht auch dann noch, wenn wir über verschiedene Dinge traurig und betrübt sind. Diese Freude findet ihren eigentlichen Grund darin, daß Gott uns liebt und bei uns bleibt. Mit dieser Freude verbunden ist der Friede, den nur Gott schenken kann. Der geistliche Mensch hat sein Herz in der Gegenwart Gottes beruhigt und weiß, wo er einen Anker für seine Seele gefunden hat.
Langmut und Freundlichkeit sind weitere Früchte des Geistes. Die Langmut übt sich in Gelassenheit, hält aus in Bedrängnis, hat Geduld mit sich selber und anderen. In wahrer Freundlichkeit des Herzens begegnet der geisterfüllte Mensch dem nächsten. Diese zeigt sich in der Güte, einer weiteren Frucht des Geistes. Wer gütig ist, tut dem anderen nichts Böses, sondern ist erfüllt von Wohlwollen und einer Gesinnung der Hilfsbereitschaft und des Dienstes. Damit verbunden ist die Treue, in welcher der Mensch seine freie Bindung an Gott und die Menschen aufrecht erhält und sich nicht von jedem Windhauch der Meinungen und den Widrigkeiten des Lebens aus der Bahn werfen läßt. Die Sanftmut schließlich läßt sich nicht zum Zorne reizen. So übt sich der geistliche Mensch auch in der Selbstbeherrschung, wenn er den verschiedenen Leidenschaften nicht einfach nachgibt, sondern sie auf das gute Ziel eines gottverbundenen Lebens auszurichten weiß.
Wenn wir das so hören, so ist uns allen klar, daß wir ein derartiges Leben nicht aus eigener Kraft führen können. Die strahlende Schönheit und die Anmut eines wahrhaft geistlichen Lebens, all die guten Früchte, die uns der heilige Paulus aufzeigt, sind ein Geschenk Gottes, eben des Heiligen Geistes. Als Christen dürfen wir aus diesem Geist leben. So gilt es, seinen heiligen Eingebungen und Antrieben immer wieder zu folgen, auch dann, wenn wir versagt haben und in Sünde gefallen sind. Denn ein Neuanfang ist immer möglich. Der Heilige Geist schenkt uns das Erbarmen Gottes, er macht unsere Herzen neu!
Freuen wir uns und danken wir Gott, daß auch wir mit dem Heiligen Geist erfüllt worden sind. Rufen wir die heilige Gottesmutter Maria an, daß uns bewußt wird, wie groß die Geschenke Gottes sind. Sie möge uns mit ihrer Fürbitte beistehen, damit wir aus dem Heiligen Geist leben und einst Gott schauen dürfen in unverhüllter Herrlichkeit! Amen.