Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Predigt an Christi Himmelfahrt
(21. Mai 1998, Lesejahr C)
 

L 1: Apg 1,1-11; L 2: Eph 1,17-23 oder Hebr 9,24-28;10,19-23; Ev: Lk 24,46-53



Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Woran denken wir, wenn wir das Wort "Himmel" hören? Verbinden wir damit nur den Wolken- oder Sternenhimmel über uns - oder ist der "Himmel" eine Wirklichkeit, die wir Glaubende mit aller Sehnsucht des Herzens erwarten? Was bedeutet es, wenn wir bekennen, daß Jesus Christus 40 Tage nach seiner Auferstehung "in den Himmel aufgefahren" ist? Was heißt es für uns, wenn wir hoffen, daß uns Gott nach unserem Sterben aufnimmt in die himmlische Herrlichkeit?

Es besteht die Gefahr, daß wir den "Himmel" abdrängen ins Unwirkliche und Nebulose, daß wir ihn so sehr in ein Jenseits verschieben, daß dieser Glaube dann für unser Leben nur mehr wenig Auswirkung hat. Aber das wäre ein großer Irrtum!

Jesus ist nicht gekommen, um uns billigen Trost zu geben mit etwas, das uns momentan ruhigstellt, dann aber vielleicht doch nicht in Erfüllung geht. Nein! Jesu Botschaft vom Reich Gottes, das bereits angekommen ist und in seiner Fülle noch aussteht, meint wirklich unser Leben. Das Heil, das Gott uns schenkt, soll uns ergreifen und verwandeln, bereits hier auf Erden und erst recht in der Hoffnung auf das ewige Leben bei Gott im Himmel.

Mit Christi Himmelfahrt enden die 40 Tage, in denen Jesus den Aposteln und Jüngern als Auferstandener immer wieder erschienen ist. Wieso hat sich Jesus den Blicken der Apostel und Jünger wieder entzogen? Wieso ist er vor ihren Augen in den Himmel aufgefahren?

Er wollte allen, die an ihn glauben, ganz deutlich bewußt machen, daß es Dinge gibt, die wir nicht sehen und dennoch mit unerschütterlicher Hoffnung erwarten. Es gibt die Gewißheit des Glaubens, die so mächtig ist, daß sie unser Leben bestimmt und trägt, ja sogar dem Tod gefaßt ins Auge sehen kann.

Gott hat uns die Sehnsucht nach dem ewigen Leben ins Herz gelegt, und er hat uns versprochen, sie zu erfüllen. Und es ist gerade diese Hoffnung auf den Himmel, auf das ewige Leben bei Gott, die unser irdisches Leben gleichsam mit einer neuen Qualität ausstattet. Das Irdische wird nicht mehr zum Selbstzweck, das Vorläufige und Vergängliche wird nicht mehr in den Mittelpunkt gestellt, und doch ist dieses Leben hier auf Erden so wichtig, weil es uns vorbereiten soll auf das ewige Leben!

Wenn es in der Apostelgeschichte heißt, daß Jesus wiederkommen wird in Herrlichkeit, so soll uns diese Verheißung wach halten für die Ankunft des Herrn. Wir wissen nicht, wann der Herr kommt. Er kommt sicher! In der Stunde unseres Todes werden wir ihm begegnen. Und am Ende der Zeiten wird er sichtbar als König erscheinen, um zu richten die Lebenden und die Toten, wie wir im Glaubensbekenntnis beten.

Der Gedanke an die sogenannten "Letzten Dinge" (Tod, Gericht, Himmel und Hölle) sei uns wie heilsamer Stachel, der uns antreibt, in dieser Welt das Zeitliche im Licht des Ewigen zu ordnen. Der Glaube an die ewige Seligkeit in der Anschauung Gottes im Himmel gibt uns Hoffnung und schenkt uns Kraft auch für dieses irdische Leben. Amen.



 
 

Zur Leitseite

WWW.STJOSEF.AT

Gemeinschaft vom heiligen Josef