Maria, die Königin des Friedens
Predigt am 17.
Oktober 2009
bei der Feier des „Goldenen Samstags“ in Neukirchen am Ostrong
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Die Feier des „Goldenen Samstags“ hier in der Wallfahrtskirche von Neukirchen am Ostrong bietet uns die Gelegenheit nachzudenken über das Große, das Gott an der Jungfrau Maria getan hat. Sie durfte als demütige Magd des Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes und „Fürst des Friedens“, in ihrem jungfräulichen Schoß empfangen. So ist sie die Mutter Gottes geworden und zugleich auch unsere geistliche Mutter, denn sie hat uns Jesus geschenkt, in dem allein wir das Heil finden.
Wie groß war die Sehnsucht im Alten Bund nach dem Erlöser, der da kommen sollte! In einer friedlosen Welt würde Gott selbst kommen und Gerechtigkeit schaffen. So hörten wir in der Lesung aus dem Buch Jesaja von einem Kind, das uns geschenkt ist und das man nennt: „Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.“ Der kommende Erlöser ist kein Gewaltherrscher oder Despot, sondern der König der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens.
Friede aber ist mehr als bloße Abwesenheit von Gewalt. Friede ist auch nicht einfach das Diktat des Mächtigen, der durch seine Gewalt die anderen unterdrückt und so eine weitere Auseinandersetzung unterbindet, weil niemand es wagt, gegen ihn aufzustehen. Der Friede ist vielmehr das Werk der Gerechtigkeit („opus iustitiae pax“). Beide gehören zusammen. Nur dort, wo der Mensch in seiner Würde und in seinen Rechten geachtet wird, gibt es wahren Frieden. Wo hingegen die grundlegenden Rechte des Menschen systematisch verletzt werden, kann der Friede nicht herrschen. Wir denken insbesondere an die Aufgabe des Schutzes des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod und an die Sicherung der Freiheit der Religionsausübung.
Jesus Christus als Fürst des Friedens, den Maria geboren hat, hat uns mit Gott versöhnt. Er hat die Schuld der Menschen auf sich genommen und uns aus Feinden Gottes zu seinen Freunden gemacht. Er hat uns geliebt, als wir durch die Sünde noch Feinde waren; er hat den Frieden gestiftet zwischen Gott und den Menschen durch sein Blut, das er am Kreuz vergossen hat. Der wahre Friede hat als Grundlage die Versöhnung mit Gott. Nur dann wenn der Mensch im Frieden mit Gott lebt, kann er auch Frieden stiften hier auf Erden.
Dies beginnt in den Ehen und Familien. Wie wichtig ist hier die gegenseitige Achtung und Liebe! Wie notwendig das Gespräch, auch in Fragen, wo es verschiedene Auffassungen gibt und man sich vielleicht schwer tut, einen gemeinsamen Weg zu finden. Bei gegenseitigem guten Willen und vor allem im Vertrauen auf die Hilfe Gottes sollte es aber immer wieder möglich sein, dass die Menschen zueinander finden und das Vertrauen wächst. Auch das Verzeihen und der Weg zur Versöhnung will gelernt sein. Sollte es nicht ein besonderer Segen sein, wenn die Familienangehörigen regelmäßig das Sakrament der Buße empfangen? Auf diese Weise ist ein Neuanfang stets möglich, und wir werden Wege des Miteinanders finden und gehen.
Maria hat in Treue zu Jesus gehalten, auch in schwierigen Situationen. Sie lebte immerdar im Frieden mit Gott, da sie die Freundschaft Gottes stets bewahrte und nie eine Sünde begangen hat. Vom Kreuz herab hat Jesus seine Mutter auch uns zur Mutter gegeben. Unter ihrem Schutz und Schirm brauchen wir nichts zu fürchten. Mögen die Stürme des Lebens auch heftig toben, sie wird uns stets geleiten durch ihr Beispiel und ihre Fürsprache bei Gott! Der Friede Christi wird nie von uns weichen, wenn wir uns unter den besonderen Schutz der Gottesmutter Maria stellen.
Papst Benedikt XV. hat in der Not des ersten Weltkrieges im Jahr 1917 die Anrufung „Maria, du Königin des Friedens“ in die Lauretanische Litanei eingefügt. In Fatima hat die Gottesmutter Maria zum Gebet des Rosenkranzes aufgefordert, damit endlich Friede werden auf der Welt. Dieses Anliegen ist weiterhin aktuell!
Es gibt viele Länder auf der Erde, wo kriegerische Auseinandersetzungen fortdauern, wo Menschen unterdrückt werden und Gewalt ausgeübt wird. Auch in unseren Ländern gibt es immer wieder Gewalt und Auseinandersetzungen, vor allem im privaten Bereich. Vergessen wir nicht den regelrechten „Krieg gegen die Ungeborenen“ durch das furchtbare Übel und Unrecht der Abtreibung, dem jährlich allein in Österreich viele tausende Kinder zum Opfer fallen. Als Mutter Teresa von Kalkutta den Friedensnobelpreis erhalten hat, sagte sie in ihrer Dankesrede, dass die Abtreibung der größte Feind des Friedens sei – und vor kurzem hat der Abtreibungspolitiker Barack Obama den Friedensnobelpreis erhalten!
Empfehlen wir uns also aufs neue besonders im Gebet des heiligen Rosenkranzes der Fürbitte der Gottesmutter Maria, der Königin des Friedens. Sie wird uns den guten Weg weisen zu Jesus Christus, ihrem Sohn; er möge auch in unseren Herzen herrschen als der Fürst des Friedens! Amen.