Ansprache
bei der Jahresabschlußmesse
am
31.12.1998 in Säusenstein
L: 1 Joh 2,18-21; Ev: Joh 1,1-18
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Nur noch wenige Stunden trennen uns vom neuen Jahr 1999. Die Zeit, in der wir leben, vergeht wie im Flug. Kaum entsinnen wir uns, und die Gegenwart ist schon Vergangenheit, und das, was uns einst als Zukunft erwartete, ist bereits Wirklichkeit geworden. Die tägliche Erfahrung lehrt uns immer wieder: Wir leben in der Zeit und sind den Gesetzen der Zeit unterworfen. Wer dies nicht wahrhaben will, lebt in einer Traumwelt und scheitert am Leben.
Ein solcher Jahreswechsel ist immer wieder Anlaß, zurückzublicken auf das vergangene Jahr. Sie haben sicher ganz verschiedene Dinge erlebt: Frohes und Beglückendes, aber vielleicht auch Sorge und Leid, vielleicht sogar den Tod in Familie, Verwandtschaft oder im Freundes- und Bekanntenkreis. Mag uns auch manches schwer verständlich sein, im letzten haben wir es doch aus der Hand Gottes angenommen oder bemühen uns darum. Dies tun wir als gläubige Christen im Bewußtsein, daß wir unser Leben mit allen seinen Gaben von Gott empfangen, der es gut mit uns meint. So haben wir ihm immer wieder zu danken: für all das Schöne und Wertvolle, das wir erfahren durften, für die lieben Menschen, mit denen wir zusammensein konnten, für Arbeit, Beruf und Erholung, für die vielen Gaben der Schöpfung, ja für unser ganzes Leben mit allen Licht- und Schattenseiten. Wir haben das Vertrauen, daß Gott der Herr auch das Dunkle in unserem Leben erhellt, daß er die Schuld vergibt und unsere Sünde wandeln kann in Gnade. Alles, was geschieht, ruht in seinen Händen. Er ist der Herr über Raum und Zeit. Was bei ihm geborgen ist, geht nicht verloren, auch wenn es vergeht und uns für diese Lebenszeit entzogen ist.
Zugleich schauen wir aus in die Zukunft. Was die Zukunft alles bringen wird, wissen wir noch nicht. Wir kennen bestenfalls gewisse materielle Rahmenbedingungen, z.B. daß in den nächsten Jahren der Euro den Schilling ablösen wird und so weiter. Aber das ist gewiß nicht das Wesentliche und Entscheidende in unserem Leben. Zwei Dinge sollen uns trösten: Zum einen unser guter Wille, daß wir auch im neuen Jahr uns bemühen wollen, unsere Lebensaufgabe gut zu erfüllen. Wer nicht bereit ist, sich einzusetzen für das, was er als wertvoll erkennt, kann auch nichts empfangen. Zum anderen aber das Entscheidende: daß wir weiterhin auf Gottes Hilfe vertrauen. Nicht Scheinsicherheiten durch Wahrsager oder Astrologen, durch Pendler und Kartenleser oder andere abergläubische Praktiken, die in unserer angeblich so aufgeklärten Zeit hoch im Kurs sind, wollen wir suchen. Allein die Liebe Gottes, der unser Heil will, gibt uns Trost und Zuversicht. Gott lenkt unser Leben zum Besten - diese Überzeugung wird uns helfen und stärken, mitten in aller Not und Ungewißheit.
Vor ein paar Tagen haben wir Weihnachten gefeiert. Es ist das Fest des Eintretens Gottes in unsere Zeit. Der Sohn Gottes ist ein wahrer Mensch geworden, er hat sich den Bedingungen unserer Zeitlichkeit und Sterblichkeit unterworfen. Er kam, um unser Los mit uns zu teilen. Weil er all das Unsrige angenommen hat, vermag er uns auch das Seinige zu schenken: das ewige, göttliche Leben, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.
So lehrt uns der Glaube: Jeder Augenblick des Lebens ist kostbar. Unsere Zeit ist Heilszeit. Nützen wir die Zeit und tun wir Gutes. Beten und arbeiten wir, solange wir es können. Den Leidenden und Kranken sei gesagt: Auch Ihre Beschwerden sind wertvoll, wenn sie angenommen werden aus Liebe zu Gott. Ihre Lebenzeit ist dann bestimmt keine verlorene Zeit!
Gott segne uns, der zu uns gekommen ist
in der Fülle der Zeit, der gekommen ist und geboren wurde aus der
Jungfrau Maria! Er schenkt uns in dieser vergänglichen Zeit auf ihre
Fürbitte den Anfang des ewigen Lebens. Amen.