Dr. Josef Spindelböck

Predigt am Fest des hl. Stephanus

26. Dezember 2001

L 1: Apg 6,8-10; 7,54-60; Ev: Mt 10,17-22

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Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Am 26. Dezember, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, gedenkt die Kirche des hl. Märtyrers Stephanus. Wer war der hl. Stephanus? Er gehörte zu den ersten sieben Diakonen (diakonoi) der Urkirche. So diente er Gott als Mitarbeiter der Apostel. In besonderer Weise nahm sich der heilige Stephanus der Armen und Notleidenden an, für die er aus der Liebe Christi heraus Sorge trug. In der Urkirche war ja eine gewisse Gütergemeinschaft gegeben, in der die wohlhabenderen Menschen auf Teile ihre Besitzes verzichteten und mit diesem Vermögen ein Ausgleich gegeben war für so manche Not der Ärmeren.

Außerdem war Stephanus kraftvoll im Wort. Das heißt, er scheute sich nicht, das Wort Gottes zu verkündigen und Jesus Christus als den Erlöser zu bezeugen. Dies trug ihm so manche Gegnerschaft bei. Manche wollten nicht wahrhaben, daß jener gekreuzigte und auferstandene Herr Jesus Christus der von Gott gesandte Messias und Erlöser war.

Der Bericht von seinem Martyrium, wie wir ihn in der Apostelgeschichte finden, zeigt uns, daß es Situationen geben kann, wo wir unseren Glauben nicht verleugnen dürfen. Stephanus hätte vielleicht sein Leben retten können, wenn er diplomatischer gewesen wäre. Doch er sah sich verpflichtet, auch den „Halsstarrigen“ und Unbelehrbaren den Sohn Gottes zu bezeugen – ob sie ihn nun annehmen wollten oder nicht. Das Resultat war: Man hielt sich sogar die Ohren zu, und dann wurde rohe Gewalt angewandt gegen den Boten Gottes. Stephanus wurde gesteinigt.

War sein Tod umsonst? Gewiß nicht. Einer war insbesondere dabei, zu dessen Füßen man die Kleider der Zeugen des Mordes an Stephanus hinlegte. Es war Saulus – damals noch ein fanatischer und grausamer Christenhasser –, der später zum Paulus geworden ist, als er die Gnade der Bekehrung erhielt und sich vor Damaskus Christus zuwandte.

Stephanus jedenfalls gab ein hervorragendes Beispiel für die Haltung der Feindesliebe, da er noch im Sterben seinen Peinigern und Mördern verzieh: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ So betete er.

Für wen ist Stephanus gestorben? Für dieses Kind, das wir zu Weihnachten feiern. Denn es ist der Sohn Gottes, der ein Mensch wie wir geworden ist, der unter uns erschienen ist, in allem uns gleich außer der Sünde. Jesus Christus hat unter uns geliebt und die frohe Botschaft der Liebe und des Erbarmens verkündet. Für unser Heil ist er am Kreuz gestorben und auferstanden. Zu ihm hat sich Stephanus bekannt, ihn hat er verkündet!

Auch wir sollen treu zum Kind in der Krippe stehen. Es wird nicht immer leicht sein, unser Christentum zu bewahren und zu leben. Aber Gottes Hilfe wird uns begleiten. Bitten wir den heiligen Stephanus um seine Fürsprache und auch die heilige Jungfrau Maria, die Gottesmutter, die zugleich die Königin der Märtyrer ist. Amen.

 

 

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