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Predigt:

Hoffnung über den Tod hinaus

Allerseelen A (02.11.2008)

L1: 2 Makk 12,43-45; L2: 1 Thess 4,13-18; Ev: Joh 11,17-27 oder L1: Ijob 19,1.23-27; L2: Röm 8,14-23; Ev: Joh 14,1-6 oder L1: Jes 25,6a.7-9; L2: Phil 3,20-21; Lk 7,11-17


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Mit dem Tod haben sich die Menschen immer schon schwer getan. Die Ursehnsucht des Menschen ist die nach Leben, und zwar nach einem erfüllten Leben in Glück – ohne Ende. Und wenn dann dieses Leben hier auf Erden, das so verheißungsvoll begonnen hatte, doch ein Ende hat, da können wir dies im Grunde unseres Herzens nicht akzeptieren. Dieser und jener Mensch, den wir so gut gekannt haben, mit dem wir in Liebe und Freundschaft verbunden waren, der ist nicht mehr unter uns; er weilt nicht mehr unter den Lebenden. Es lässt sich nachvollziehen, wieso manche Trauernde sogar jede Hoffnung auf ein Wiedersehen aufgeben und vielleicht auf die Todesanzeige schreiben lassen: „Herr X / Frau Y ist für immer von uns gegangen.“

Der Gedenktag „Allerseelen“ möchte uns nicht in dieser dumpfen Trostlosigkeit belassen. Der christliche Glaube führt uns heraus aus der Verzweiflung des Nie-Mehr-Wieder und gibt uns Hoffnung zum Leben. Auch Kindern darf und soll die christliche Bewältigung von Leiden, Trauer und Tod zugemutet werden. Meist sind es ja wir Erwachsene, die Probleme haben damit, an ein Weiterleben nach dem Tod zu glauben. Kinder sind da viel unkomplizierter. Sie können es sich noch vorstellen, dass der gute Gott unser Leben nicht ins Leere hinein enden lässt und dass der Leichnam, der im Sarg liegt und ins Grab gelegt wird, nicht identisch ist mit dem Menschen, der von uns gegangen ist. Wir glauben an das ewige Leben bei Gott und an die Auferstehung der Toten!

Übergescheite Menschen tun sich da schon schwerer mit dem Glauben. So liest man in der aktuellen Ausgabe der Zeitung „Die Presse“ einen Kommentar des Philosophen Peter Strasser, der folgendes meint: „Was immer uns die Religionen lehren mögen, sie sind beim aktuellen Stand des Wissens außerstande, uns glaubhaft ein Leben nach dem Tod zu versprechen. Jedenfalls kein Leben im Himmel, wo wir, die reinen Bewusstseinswesen, uns als jene Personen wiedererkennen könnten, die wir, die irdisch-körperlichen Wesen, einst waren.“[1] Was so gelehrt formuliert ist, ist in Wahrheit nichts anderes als der nackte Unglaube. Strasser glaubt nicht an ein personales Weiterleben nach dem Tod, und er schiebt den „schwarzen Peter“ der Unfähigkeit der Religionen zu. Wenn er recht hat, dann müssen wir diese liturgische Feier abbrechen und das Gebet aufgeben und trostlos nach Hause gehen. Am Ende bleibt nur der Tod …!

Der Apostel Paulus hat diese Alternative im 1. Korintherbrief (15,13–14) so ausgedrückt: „Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden.Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos.“ Die Konsequenz wäre dann: „Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos, und ihr seid immer noch in euren Sünden; und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren.“ (1 Kor 15,17–18)

Allerdings gibt sich Paulus nicht mit dieser Sichtweise zufrieden. Er ist kein überheblicher Besserwisser, der die anderen von oben her zu belehren hätte, sondern ihm ist von Jesus Christus her das Evangelium Gottes zur Verkündigung anvertraut. Und so bekennt er voll Freude und Zuversicht: „Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.“ (1 Kor 15,20)

Ja, an der Auferstehung Jesu Christi von den Toten entscheidet sich, ob wir gerettet sind oder nicht, ob wir verurteilt sind zu ewigem Tode oder ob wir doch der Schau Gottes im Reich des Himmels teilhaftig werden können. Nicht wir Menschen brauchen das Rätsel des Todes zu lösen; Gott selber hat uns das Tor zum Leben aufgetan in der Auferstehung seines Sohnes. Jeder, der an ihn glaubt, braucht den Tod nicht mehr zu fürchten. Wer mit Christus stirbt, wird leben in Ewigkeit!

Das ist unser Glaube, das ist die frohe Botschaft. Diese Wahrheit tröstet uns und lässt uns in diesen Tagen für unsere Verstorbenen beten. Sie sind nicht verloren, sondern ihre Seelen sind in Gottes Hand. Wir beten zu Gott, dass er ihnen alles Gute reichlich vergilt und die Schuld verzeiht, die sie vielleicht in ihrem Leben auf sich geladen haben.

Wir feiern in der heiligen Messe das Opfer Christi als Sühneopfer für alle Verstorbenen und sind überzeugt, dass die Früchte der Erlösung auch ihnen zuteil werden. Die Verbundenheit der Liebe reicht über den Tod hinaus. Die Fürbitte aller Heiligen des Himmels, besonders der Gottesmutter Maria und des heiligen Josef, möge unsere lieben Verstorbenen erreichen, sodass sie Gottes Heil empfangen und ewig bei ihm leben!

Wir aber wollen nicht trauern wie jene, die keine Hoffnung haben. Inmitten in allem menschlich verständlichen Schmerz über den Verlust geliebter Menschen erheben wir unser Herz zu Gott, dem Herrn der Ewigkeit. In der Offenbarung des Johannes (1,8) heißt es: „Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Gott, der Herr, der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung.“ Ihn beten wir an, den Herrn der Herrlichkeit; er möge uns und allen Verstorbenen das ewige Leben schenken! Amen.


[1] Peter Strasser, Die ungestillte Neugier, Die Presse, 31.10.2008, online http://diepresse.com/home/spectrum/zeichenderzeit/426838/index.do