Predigt:
Ein Kind ist uns geboren
Hochfest der Geburt des Herrn (Christmette) B (24.12.2005)
L1: Jes 9,1-6; L2: Tit 2,11-14; Ev: Lk 2,1-14
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
In diesen Stunden der heiligen Nacht feiern wir mit der Kirche das Geheimnis von Weihnachten. Es ist bezeichnend, dass auch viele Menschen, die sonst wenig Verbindung zur Kirche haben oder deren Glaubensleben nicht sehr aktiv und ausgeprägt ist, wenigstens für dieses eine Mal im Jahr dabei sein wollen, wenn die Kirche der Menschwerdung des Sohnes Gottes aus der Jungfrau Maria gedenkt. Dahinter liegt in vielen Fällen nicht bloße Sentimentalität, sondern es ist eine echte, wenn auch vielleicht verschüttete Sehnsucht, die sich hier offenbart. Der Mensch spürt, dass alles Übrige, was zu Weihnachten geschieht (Geschenke, Feiern etc.), an der Oberfläche bleibt, wenn er nicht zum Glaubensgeheimnis des Weihnachtsfestes als solchen vordringt.
Wie aber lautet die Botschaft dieser Heiligen Nacht? Im Eröffnungsvers dieser Messfeier wurde sie uns verkündet, das Evangelium hat sie anschaulich dargestellt: „Freut euch im Herrn, heute ist uns der Heiland geboren. Heute ist der wahre Friede vom Himmel herabgestiegen.“ Ja, Christus, der Retter ist da! Er ist unser Heil. Gott, der Allmächtige und Ewige, ist herabgestiegen vom Himmel und wollte einer von uns werden. Das ewige Wort Gottes, das dem Vater gleich ist seit Ewigkeit, ist Fleisch geworden in der Zeit. Der Sohn Gottes hat eine menschliche Natur angenommen; Jesus wurde empfangen vom Heiligen Geist und geboren von der Jungfrau Maria. Dies feiern wir, und das erfüllt unser Herz mit Freude.
Einfachen Menschen, den Hirten auf dem Feld, die im Herzen bereit waren für das Geschehen der heiligen Nacht, wurde vom Engel zuerst die Botschaft verkündet: „Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“
Der katholische Glaube hält daran fest, dass es sich bei der Geburt des Erlösers aus der Jungfrau Maria um ein Ereignis der Geschichte handelt. Nicht umsonst bezieht sich der Evangelist Lukas in der Einleitung des Berichts von der Geburt Jesu auf ein historisches Ereignis: Es geschah zu der Zeit, als Kaiser Augustus den Befehl erließ, „alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen Damals war Quirinius Statthalter von Syrien.“ Damals machte sich auch Josef aus Nazareth mit Maria, seiner Frau, auf den Weg nach Bethlehem, die ein Kind erwartete. Der christliche Glaube lässt uns die Geschichte als Heilsgeschichte erfahren. Mit der Geburt des Sohnes Gottes ist die „Fülle der Zeit“ gekommen. Von dort aus wird jede Zeit der Menschen geheiligt, wird sie zur Heilszeit, wenn die Herzen bereit sind, sich der Botschaft des Erlösers zu öffnen.
Auch wir sind eingeladen, liebe Brüder und Schwestern, dass wir das Jesuskind bei uns aufnehmen! Glauben wir aus ganzem Herzen an die rettende Wahrheit, dass Gott einer von uns werden wollte, um uns von der Sünde und allem Bösen zu erlösen. So groß ist die Liebe Gottes, dass er zu uns herabgestiegen ist und sich freiwillig für uns erniedrigt hat! Im Wunder der Jungfrauengeburt zeigt sich die erhabene Macht Gottes, der den Stolzen widersteht, den Demütigen und Armen aber sein Erbarmen schenkt. Jesus Christus ist zugleich ein wahrer Mensch und der wahre Sohn Gottes. Als solcher trägt er uns von Anbeginn in seinem liebenden Herzen. Wir sind nicht einem namenlosen Schicksal ausgeliefert, sondern umfangen von der persönlichen Sorge und Anteilnahme Gottes, die er uns in seinem Sohn Jesus Christus erweist.
Weil Weihnachten das Fest der Liebe Gottes zu uns ist, wollen auch wir einander in Liebe annehmen. Dies bringen wir durch Glückwünsche und durch Geschenke zum Ausdruck. Es sollte aber unser ganzes Leben von dieser Wahrheit durchdrungen sein. Der Mitmensch, der unser gutes Wort braucht, der auf Verständnis und Hilfe wartet, gibt uns an jedem Tag des Jahres die Gelegenheit zu Liebe und Solidarität. Vergessen wir im Blick auf das arme und kleine Kind von Bethlehem nicht die vielen Kinder in der Welt, die arm und hungrig sind, die ausgebeutet werden, die Opfer von Unrecht und Gewalt geworden sind, die vielleicht schon im Mutterschoß getötet werden oder denen man nachher kaum Lebenschancen lässt. Gott ist ein Kind geworden; leben wir in der Freiheit der Kinder Gottes, was wir durch die Taufe geworden sind!
Maria, die Mutter des Jesuskindes, möge uns durch ihre Fürbitte beistehen. Sie zeigt uns den Weg zur Krippe, wo auch unser Herz wieder neu wird durch die Liebe. Amen
