Predigt:
Komm herab, o Heiliger Geist!
Pfingstsonntag B (04.06.2006)
L1: Apg 2,1-11; L2: 1 Kor 12,3b-7.12-13 oder Gal 5,16-25; Ev: Joh 20,19-23 oder 15,26-27; 16,12-15
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Wieder dürfen wir heute am 50. Tag nach Ostern das Pfingstfest feiern. Der Heilige Geist wurde ausgegossen als Gabe über die Apostel und Jünger sowie die gläubigen Frauen, die mit der Gottesmutter Maria gebetet hatten und im Abendmahlssaal versammelt waren.
Der Heilige Geist ist die Liebe zwischen Gott Vater und Gott Sohn. Wir glauben an den einen und einzigen Gott in drei Personen, und der Heilige Geist ist die dritte göttliche Person.
Damals beim ersten Pfingstfest wurde der ganzen Kirche das Geschenk des Heiligen Geistes zuteil. Auch wir haben diesen Geist in Taufe und Firmung bereits empfangen. Das Pfingstfest soll uns Anlass sein, erneut Gott um die Gaben dieses Heiligen Geistes anzuflehen, damit er unser Herz mit seiner Liebe entflamme.
Sehr gut bringt dieses Flehen der Kirche um die Gaben des Heiligen Geistes die liturgische Pfingstsequenz zum Ausdruck. Sie trägt den Titel „Veni Sancte Spiritus“ und wird dem Theologen Stephan Langton (um 1150–1228) zugeschrieben, der Ende des 12./Anfang des 13. Jh lebte.
Es lohnt sich, über die einzelnen Strophen dieser Sequenz etwas nachzudenken:
Komm herab, o Heil‘ger Geist, / der die finstre Nacht zerreißt, / strahle Licht in diese Welt.
Der Heilige Geist erleuchtet die Herzen der Glaubenden; er besiegt die Finsternis des Irrtums, der Sünde und des Todes.
Komm, der alle Armen liebt, / komm, der gute Gaben gibt, / komm, der jedes Herz erhellt.
Wer „arm“ ist, d.h. wer demütig und bereit ist, zu empfangen, der wird von Gott beschenkt mit allen guten Gaben.
Höchster Tröster in der Zeit, / Gast, der Herz und Sinn erfreut, / köstlich Labsal in der Not.
Der Trost des Heiligen Geistes lässt sich mit keiner irdischen Freude vergleichen. Wenn er in unserem Herzen wohnt, dann wird unser Herz auch in Leiden und Not von Frieden erfüllt sein. Es ist die Freude an Gott, die uns erfüllt und Kraft gibt für den Lebensweg.
In der Unrast schenkst du Ruh, / hauchst in Hitze Kühlung zu, / spendest Trost in Leid und Tod.
Mag kommen, was will: In allen Wechselfällen des Lebens begleitet uns das sanfte Wehen des Heiligen Geistes. Wir müssen nur bereit sein, in der Stille des Herzens auf ihn zu hören. Wer ständig abgelenkt wird durch dies und jenes oder sein Herz an das Vergängliche verliert, kann den Trost des Heiligen Geistes nicht empfangen. Der Geist des Lebens lässt uns auch den Tod des Leibes mit Zuversicht erwarten. Denn auf uns wartet das ewige Leben bei Gott!
Komm, o du glückselig Licht, / fülle Herz und Angesicht, / dring bis auf der Seele Grund.
Im Innersten der Seele wohnt Gottes Heiliger Geist, denn wir sind in der Taufe Kinder Gottes geworden. Der ganze Mensch wird von seiner Gegenwart erfüllt; alles wird heil und gesund durch das Wirken des Heiligen Geistes.
Ohne dein lebendig Wehn / kann im Menschen nichts bestehn, / kann nichts heil sein noch gesund.
Wenn der Heilige Geist in einem Menschen nicht wirken darf – und das geschieht dann, wenn sich der Mensch von Gott abwendet in der Todsünde –, dann erstarrt alles. Das göttliche Leben stirbt ab und der Mensch verkümmert. Doch Gott lädt den Sünder ein zu Reue und Umkehr, um das Leben Gottes neu zu empfangen!
Was befleckt ist, wasche rein, / Dürrem gieße Leben ein, / heile du, wo Krankheit quält.
Die eigentlichen Wunder sind die Wunder der Gnade. Das Herz des Menschen wird verwandelt, der innere Mensch wird erneuert. Der gute Weg wird mit Gottes Hilfe wieder aufgenommen. Dies alles wirkt der Heilige Geist.
Wärme du, was kalt und hart, / löse, was in sich erstarrt, / lenke, was den Weg verfehlt.
Wir wollen beten – nicht nur für uns selber, sondern für all jene, die der besonderen Gnade und Führung des Heiligen Geistes bedürfen, auch dort, wo sie vielleicht auf Abwege geraten sind, damit sie umkehren und den guten Weg zum Leben wieder finden!
Gib dem Volk, das dir vertraut, / das auf deine Hilfe baut, / deine Gaben zum Geleit.
Gottes Volk ist die Kirche: Ihr ist der Heilige Geist als Beistand und Tröster vom Herrn verheißen. An den Gaben des Geistes wird es nicht fehlen, wenn die Menschen bereit sind, sich vom Geist Gottes leiten zu lassen. In diesem Anliegen rufen wir die Fürbitte der Gottesmutter Maria, der „Braut des Heiligen Geistes“, an.
Lass es in der Zeit bestehn, / deines Heils Vollendung sehn / und der Freuden Ewigkeit.
Das eigentliche und letzte Ziel ist die ewige Vollendung des Menschen in der Gemeinschaft der Heiligen des Himmels. Dahin möchte uns Gottes Heiliger Geist führen, den wir heute und alle Tage anbeten und verehren als wahren Gott, der in der Einheit mit dem Vater und dem Sohn lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Halleluja! Amen
