Predigt: 19. Sonntag im Jahreskreis B 2018 (Dr. Josef Spindelböck)
www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation
Word-Dokument

Predigt:

Nicht murren, sondern kindlich vertrauen und glauben!

19. Sonntag im Jahreskreis B (12.08.2018)

L1: 1 Kön 19,4-8; L2: Eph 4,30-5,2; Ev: Joh 6,41-51


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Immer wieder gibt es Menschen, die in einer Art von Resignation oder auch in trotziger Auflehnung die Behauptung aufstellen: „Gott kümmert sich nicht um mich.“ Vielleicht haben sie Schweres im Leben erlitten und so manches mitgemacht; vielleicht erwarten sie sich etwas Bestimmtes von Gott, und dieser erhört sie nicht. Es scheint für sie, als ob Gott auf sie vergessen hätte!

Kann es wahr sein, dass Gott auf manche Menschen vergisst, während er andere als seine auserwählten Kinder bevorzugt und mit Liebe umfängt? Nein, gewiss nicht!

Gleichsam beispielhaft hören wir in der Lesung aus dem ersten Buch der Könige davon, wie Gott sich um den Propheten Elija sorgt. Elija hat noch eine große Aufgabe vor sich, aber in einem Zustand der Schwäche ist er knapp davor aufzugeben. Was aber geschieht dann? Gott selbst schickt ihm einen Engel, der ihn auffordert, Wasser zu trinken und Brot zu essen. Elija lässt sich dazu bewegen, der Aufforderung Folge zu leisten; jetzt ist er gestärkt für den weiten Weg, der noch vor ihm liegt. So wie Gott sich um den Propheten kümmert, so schaut er auch auf uns. In kleinen Dingen kann er uns seine Liebe offenbaren. Auch in Not und Leid verlässt uns der Herr nicht. Selbst dann, wenn ein Mensch nichts mehr spürt von der Gegenwart Gottes und wenn er vielleicht verzagt und mutlos wird: Gott ist bei ihm, und er wird sich wieder zu erkennen geben!

Die zweite Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser ruft uns dazu auf, dass wir uns nicht von negativen Gedanken beeinflussen und niederdrücken lassen sollen. Alles, was uns vom Gottvertrauen wegführt, alles, was unser gutes Verhältnis zum Nächsten beeinträchtigt, kann unmöglich vom Heiligen Geist stammen! Wer aber im Heiligen Geist sein Leben gestaltet, der lässt sich antreiben zu Werken der Liebe. Güte und Barmherzigkeit zeichnen diesen Menschen aus, und so folgt er dem Beispiel Christi. Überall dort, wo wir als Christen Zeugen für die Liebe Gottes sind, da können wir den Menschen in Not beistehen und sie trösten. Da dürfen wir ihnen die Hoffnung und Zuversicht vermitteln, dass Gott uns nicht verlässt, sondern uns beisteht und zum ewigen Ziel der Anschauung Gottes im Himmelreich geleitet. Ja, es ist wahr: Jede und jeder von uns ist von Gott ganz persönlich geliebt; wir bedeuten ihm etwas, und er geht alle Wege mit uns!

Im Evangelium spricht Jesus vom Brot des Lebens, das uns der himmlische Vater schenkt. Jesus Christus selbst ist dieses lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist! Wer an ihn glaubt und ihn in der heiligen Kommunion empfängt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Denn die Gemeinschaft mit Gott schenkt ewiges Leben. Doch nicht alle seiner Zuhörer glauben den Worten Jesu. Im Evangelium heißt es, dass sie gegen das murrten, was Jesus sagte. „Murren“ bedeutet hier aktive Auflehnung, Widerstand trotz besseren Wissens, wie es Menschen im Trotz nun einmal zu eigen ist. Wer murrt hat kein Empfinden mehr für das Große und Schöne in dieser Welt. Wer gegen Gott murrt und aufbegehrt, trennt sich von der Quelle des Lebens und der Liebe. Vielleicht haben wir selbst schon mit derartigen Versuchungen zu kämpfen gehabt: Alles erscheint uns sinnlos; Gottes Nähe ist nicht spürbar; das Leben ist eine einzige Zumutung. Die negativen Gefühle gewinnen die Oberhand und drohen uns aufzufressen!

Davor möchte uns Jesus bewahren: Er lädt uns ein, dass wir an ihn glauben, den der himmlische Vater in die Welt gesandt hat. Bei Jesus, dem Erlöser und Heiland, sind wir geborgen. Er kennt unsere Not und Mühsal und schenkt uns das Heil! In der Nähe Jesu werden wir durch den Heiligen Geist befähigt, wieder an das Große und Schöne zu glauben. Im Grunde brauchen wir Gott gegenüber das Vertrauen eines Kindes. Kinder sind arglos und offen für das Leben. Gerade diese Haltung ist wichtig für sie, damit sie sich im Leben entfalten und bewähren können. Wir Erwachsene haben dies manchmal verlernt. Jesus aber schenkt uns in seiner Liebe die Möglichkeit, den Glauben der Kinder Gottes gleichsam neu zu erlernen und unser Leben in diesem Geist der Hingabe und des Vertrauens anzunehmen und zu gestalten.

Wenn Gott für uns da ist und er für uns ganz persönlich sorgt, wenn er sich uns sogar als das Brot des Himmels schenkt, was haben wir da zu befürchten?

Amen.