Predigt:
Wunderbar ist Gott in seinen Heiligen
Allerheiligen B (01.11.2006)
L1: Offb 7,2-4.9-14; L2: 1 Joh 3,1-3; Ev: Mt 5,1-12a
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Obwohl wir an Allerheiligen und Allerseelen der Verstorbenen gedenken und für sie beten, ist das Hochfest von Allerheiligen keineswegs ein trauriger Tag. Der Tod hat nicht das letzte Wort, sondern das Leben in Christus! Das ist unsere Hoffnung und feste Zuversicht, wenn wir in Verbundenheit mit Gott leben: für uns selber, für unsere verstorbenen Angehörigen, Freunde und Bekannten sowie für alle zu Gott heimgegangenen Menschen, für die wir beten.
Die Bezeichnung „Allerheiligen“ weist uns darauf hin, dass wir an diesem Hochfest zuerst und vor allem jener Menschen gedenken, die bereits bei Gott im Himmel sind. In diesem Sinn sind sie also „Heilige“, weil sie bereits Gott schauen von Angesicht zu Angesicht und die himmlische Seligkeit erfahren, die kein Ende hat und ihnen niemals mehr genommen wird. Welcher Jubel und welche Freude erfüllt doch alle Heiligen des Himmels!
Was müssen wir tun, um „heilig“ zu werden, d.h. um einmal in den Himmel zu kommen? Ist es zuallererst die Leistung des Menschen, die hier maßgeblich ist? Nein! Zuallererst ist es Gottes Liebe und Gnade, die uns geschenkt ist in seinem Sohn Jesus Christus. Er hat sich für uns in seinem Opfer am Kreuz „geheiligt“ und sich hingegeben aus Liebe bis zum Tod, um uns das neue Leben der Gnade zu schenken und uns auf diese Weise „heilig“ zu machen. Dann aber ist es auch die menschliche Antwort, die nötig ist: die Bewährung im Guten, in der Gottes- und Nächstenliebe.
Wir heißen Kinder Gottes und sind es: In der heiligen Taufe ist uns die Heiligkeit Gottes geschenkt, sind wir „Heilige“ geworden. Wollte jeder Christ ernst machen mit der Taufgnade, mit jenem unfaßbaren Geschenkt des göttlichen Lebens in uns – dann wären wir alle wirklich Heilige!
Leider ist dem nicht so: Es gibt das schuldhafte Versagen, die Sünde, in welcher der Mensch die Liebe Gottes zurückweist und ihr je nach Grad und Schwere der Sünde vielleicht sogar grundsätzlich widerspricht. In dieser Perspektive müssen wir sagen: Die Todsünde, welche von Gott trennt und der Gnade der Heiligkeit beraubt, ist das schlimmste Übel, das wir uns denken können. Ihre Frucht ist der „ewige Tod“, die Gottferne, d.h. die Hölle.
Um aber nicht dorthin zu kommen, soll der Mensch, der sich in der Todsünde von Gott getrennt hat, diese Sünde bereuen. Er darf wieder zu Gott umkehren und im Sakrament der Buße einen Neuanfang machen. Gott ist nicht nachtragend; er wird auch dem schwersten Sünder verzeihen, wenn er es nur ehrlich meint, das Böse von Herzen bereut und sich wirklich bessern will!
Noch besser aber ist es, überhaupt keine Todsünde zu begehen. Dies ist dem getauften Christen durch die Gnade Gottes tatsächlich möglich. Die heiligmachende Gnade, aus der wir seit der Taufe leben, hat ein solches Potential an Kraft und Stärke in sich, dass wir mit Freude das Gute tun und das Böse meiden können. Wer zeit seines Lebens die heiligmachende Gnade bewahrt und in ihr stirbt, der ist für immer ein Freund Gottes, der ist ein Heiliger.
Heilig sind und werden insbesondere jene Menschen, welche die Botschaft der Seligpreisungen Jesu ernst nehmen. Wer reinen Herzens ist und die Wahrheit Gottes sucht, wird selig werden und einst Gott schauen. Wer Frieden stiftet und die Gerechtigkeit sucht, wird Anteil am Reich Gottes erlangen. Wer sanftmütig und barmherzig ist, wird Gottes Frieden empfangen. Die Seligpreisungen zeigen uns, dass der Weg der Gebote Gottes und der Nachfolge Christi ein froh machender Weg ist. Die Liebe Gottes ist eine Kraft, die uns erfüllt und uns zu Großem und Kleinem befähigt. Ein jeder hat sein Maß und seine Gabe von Gott empfangen und soll sich bewähren. Darum gleicht auch kein Heiliger dem anderen. Alle sind sie je für sich Persönlichkeiten und Originale. Nicht nur die großen und bekannten Heiligen verehren wir, sondern der heutige Tag „Allerheiligen“ gibt einem jeden Bürger des Himmels sein Recht und seine Anerkennung. Gott hat ihnen eine ewige Wohnung bereitet und sie mit Freude erfüllt.
Ein solches Ziel vor Augen, das auch uns als lohnende Frucht des Lebens hier auf Erden verheißen ist, wollen wir ausharren im Guten und voll Freude Gott und den Menschen dienen. Die Jungrau Maria, die Königin aller Engel und Heiligen, helfe uns durch ihre Fürbitte dabei. Amen
