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Fr 9. Aug 2019 22:01

Was kann und soll sich in der Kirche verbessern? Sr. Maria Benedikta Rickmann gibt Antwort

(katholisch.de) 

Aus Sicht der Regensburger Dominikanerin Benedikta Rickmann (42) sollte in der Kirche offener über Fehler gesprochen werden. Dabei solle es nicht immer nur um Amtsträger oder die "heißen Eisen" gehen, sagte die Ordensfrau der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost". "Es gibt ganz andere Formen von Schuld, die Menschen verletzt." Sehr fromme Menschen könnten zu hart mit ihren Mitchristen umgehen. Jeder müsse ehrlich mit sich und den anderen sein. "Wenn ich mit meinem Nachbarn gestritten habe, kann ich nicht einen halben Tag später zur Kommunion gehen, ohne mich versöhnt zu haben."

Die Ordensfrau sagte, in ihrer Wahrnehmung träten Bischöfe und Priester "oft sehr selbstkritisch auf". Das müsse aber nicht heißen, "dass man sich wirklich auch mit seiner Schuld befasst und sie eingesteht". Die Dominikanerin und ehemalige Hochschullehrerin beteiligt sich noch bis Ende August an der vom Bistum Regensburg initiierten Aktion "Austrittstelefon", bei der sie täglich zwei Stunden Anrufe von Menschen entgegennimmt, die aus der Kirche ausgetreten sind oder mit ihrem Glauben hadern.

Die Dominikanerin sagte, die Anrufer seien "Menschen, die sich intensiv Gedanken machen und die etwas zu sagen haben, denen der Austritt auch weh tut". Es seien "gute Menschen, von denen wir etwas lernen können". Oft hätten die Anrufer sehr hohe Erwartungen an die Kirche. "Sie soll eine Vorbildfunktion erfüllen, der sie aber nicht gerecht wird." Die Theologin sagte, sie empfehle den Anrufern, ihre Erwartungen an die Kirche zurückzuschrauben. Sie sollten "nicht zu hoch fliegen, sondern wieder auf die Erde zurückkommen". Die Kirche werde nie perfekt sein. "Es wird unter Gläubigen auf der Erde immer wieder Unrecht und Verletzungen geben."

Rickmann ist promovierte Theologin, war Religionslehrerin und hielt Vorlesungen in Rom und Frankreich. Seit sieben Jahren lebt sie im Kloster und legte im Mai die ewige Profess ab. 

Das Interview in der Zeitung "Die Tagespost" im Wortlaut

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