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Predigt:

Siebenmal siebzig Mal vergeben

24. Sonntag im Jahreskreis A (13.09.2026)

L1: Sir 27,30-28,7; L2: Röm 14,7-9; Ev: Mt 18,21-35


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Dem Mitmenschen zu vergeben, wenn er sich gegenüber uns verfehlt hat, ist normalerweise nicht leicht.

Gewiss: kleine Fehler und Nachlässigkeiten, wie sie täglich geschehen, vergeben und verzeihen wir einander immer wieder. Denn ohne eine solche Bereitschaft wäre das Zusammenleben ziemlich schwierig, und wir würden Konflikte heraufbeschwören, wo sie nicht nötig sind.

Petrus fragt Jesus, wie oft wir denn dem Mitmenschen, der sich gegen uns verfehlt hat, vergeben sollen. Er meint offenbar, irgendwann sei das Maß voll, und ein solcher Mensch, der uns wiederholt beleidigt, kränkt oder Unrecht tut, verdiene keine Vergebung mehr.

Jesus ist da anderer Ansicht: Nicht siebenmal sollen wir dem Nächsten vergeben, sondern siebenmal siebzig Mal, also praktisch unbegrenzt. Welch eine Zumutung!

In einer gleichnishaften Erzählung verweist Jesus auf das Beispiel des himmlischen Vaters. Dieser ist voll Güte für alle Menschen. Er verzeiht dem reuigen Sünder immer wieder, ohne Grenzen.

Nun könnte aber jemand sagen: Ich bin selbst kein allzu schwerer Sünder. Was mir Gott zu verzeihen hat, ist daher nicht viel. Der Nächste hingegen tut mir immer wieder großes Unrecht an. Das kann und will ich nicht verzeihen!

Selbst wenn es so wäre, gilt freilich: Es ist doch dies allein schon eine Gnade Gottes, wenn wir verhältnismäßig gut durch das Leben kommen und uns nicht schwerwiegend verfehlen. Ohne die zuvorkommende und begleitende Gnade Gottes würden auch wir bald fallen, denn die eigenen Kräfte sind auf Dauer nicht ausreichend, dem Bösen zu widerstehen. Wer anderes meint, ist möglicherweise schon auf einem Abweg oder Irrweg. Denn nicht nur nach außen hin sichtbare Sünden trennen uns aufgrund ihrer Schwere von Gott. Noch mehr sind Stolz, Hochmut und Überheblichkeit Hindernisse für die Gottesbeziehung und auch für unser Verhältnis zum Nächsten.

Daher gilt das Gleichnis Jesu auch für uns: Wenn Gott bereit ist, uns Schuld zu vergeben, falls diese ernstlich bereut wird, umso mehr sollen wir bereit sein, einander zu vergeben. Im Verhältnis wiegt die Schuld gegenüber Gott ungleich schwerer, und so dürfen wir gegenüber dem Mitmenschen nicht kleinlich und zögerlich sein in unserer Vergebungsbereitschaft. Wer hartherzig ist gegenüber dem schuldig gewordenen Mitmenschen, verwirkt irgendwann die Empfänglichkeit für die fortdauernde Vergebungsbereitschaft Gottes. Und dies soll nicht geschehen, weshalb wir im Vaterunser beten: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

Freilich gibt es extreme Beispiel von massivem Unrecht, das einem Menschen durch andere widerfährt. Hier ist es nicht allen Opfern möglich und vielleicht nicht einmal angeraten, sofort und mit Leichtigkeit zu vergeben. Es könnte das Unrecht sonst verharmlost werden, und ein Verbrecher könnte ermutigt werden zu weiteren schlechten Taten.

Selbst hier gibt es aber außergewöhnliche Menschen, wie den hl. Pater Maximilian Maria Kolbe, die ihren Peinigern im Angesicht des Todes noch vergeben haben. Auch Stephanus, der erste Märtyrer, hat für seine Verfolger im Sterben gebetet, dass sie sich bekehren. Und dieses Gebet hat Frucht gebracht, da sich Saulus zum Paulus gewandelt hat.

Das letzte Urteil obliegt Gott allein. Wir alle sind von seiner Barmherzigkeit abhängig und leben davon. Seien wir nicht zu streng mit unseren Mitmenschen; haben wir Erbarmen mit ihnen und beten wir für die, welche falsche Wege gehen, dass sie umkehren zu Gott.

Die Liebe zu Gott und zum Nächsten lässt sich vom Bösen nicht besiegen. Sie ist stärker als der Hass und überwindet selbst den Tod. Jesus, der Gekreuzigte und Auferstandene, lädt uns ein, dass wir uns die Gesinnungen seines Herzens zu eigen machen. Er ist unser Erlöser und der Erlöser aller Menschen, denen er seine Gnade anbietet. Amen.