Predigt:
Christi Himmelfahrt B (01.06.2000)
L1: Apg 1,1-11; L2: Eph 1,17-23; Ev: Mk 16,15-20
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Am heutigen Festtag „Christi Himmelfahrt“ enden die 40 Tage nach Ostern, in denen Jesus seinen Aposteln und Jüngern immer wieder als der Auferstandene erschienen ist. Er hat ihnen gezeigt, daß er lebt für ewig in der Herrlichkeit seines Vaters. Zugleich hat er ihnen kundgetan, daß er wirklich leibhaft auferstanden ist: Er hat mit ihnen gesprochen, hat sich berühren lassen, hat sogar mit ihnen gegessen und getrunken. So stärkte Jesus den Glauben seiner Jünger an die Auferstehung.
An diesem Tag aber werden unsere Herzen gleichsam emporgehoben von der Wirklichkeit dieser Welt, in der es sich manche – wenn es ginge – gern für immer einrichten würden. Der Blick des Herzens geht zum Himmel. Denn dorthin – in die Wirklichkeit Gottes – ist Jesus am vierzigsten Tag nach seiner Auferstehung vor den Augen der Jünger sichtbar aufgefahren, bis ihn eine Wolke ihren Blicken entzogen hat.
„Schade, jetzt ist Jesus nicht mehr bei uns! Wie wird es weitergehen?“ Das war damals ungefähr die Reaktion, und ähnlich ergeht es auch uns: „Oh wäre er doch bei uns geblieben!“ Aber ist das nicht sehr kurzsichtig gedacht? Oder anders gefragt: Hat er uns der auferstandene Herr wirklich verlassen? Er sagte ja selber, daß er zum Vater gehe, um uns eine Wohnung zu bereiten und uns den Heiligen Geist zu senden, den Beistand und Tröster. Dies ist am fünfzigsten Tag nach Ostern – zu Pfingsten, das wir bald wieder feiern – tatsächlich geschehen. Da wurde der Heilige Geist ausgegossen über die ganze Kirche. Es ist der Geist des Vaters und des Sohnes, und so können wir sagen: Jesus hat uns nicht verlassen. Er ist unsichtbar bei uns geblieben. Er lebt und herrscht nicht nur im Himmel, sondern auch in seiner Kirche, die sein geheimnisvoller Leib ist. Auch ist Jesus Christus gegenwärtig im Sakrament der Heiligsten Eucharistie, wo er uns nahe bleibt unter den Gestalten von Brot und Wein als wahrer Gott und wahrer Mensch, mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut. Er ist unser wahres Leben!
Es war also doch gut für uns, daß Jesus in den Himmel aufgefahren ist. Denn so wurde unser Glaube gestärkt, der nicht vom Sichtbaren lebt, sondern sich auf den unsichtbaren Gott hin ausrichtet. Unsere wahre Heimat ist im Himmel – das ist die Botschaft des heutigen Tages!
Wir sollen auf dieser Erde so leben, daß wir würdig werden, das Reich Gottes zu erben. Hier ist der Ort und die Zeit der Bewährung. Es kommt auf den Glauben an und auf die Taten der Liebe, die wir vollbringen. Auch wunderbare Dinge werden geschehen durch jene, die fest und unerschütterlich an den Sohn Gottes glauben.
Das hat uns Jesus versprochen: Er wird einst ebenso wiederkommen wie er aufgefahren ist in den Himmel. Das wird sein am Ende der Zeiten, am Jüngsten Tag, wenn er in seiner ganzen Herrlichkeit kommt, um zu richten die Lebenden und die Toten. Dann wird Gott alles vollenden. Auf dieses wahre Leben bei Gott gehen wir zu. Seien wir überzeugt: Es wird uns nicht von all dem fehlen, was wir im tiefsten Herzen ersehnen. Denn Gott ist das Leben in Fülle. Er wird unser Herz mit seiner Liebe und seinem Frieden erfüllen. Und diese Seligkeit wird kein Ende mehr haben! Amen
