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Predigt:

Osternacht B (22.04.2000)

L1: Gen 1,1-2,2; L2: Gen 22,1-18; L 3: Ex 14,15-15,1; L 4: Jes 54,5-14; L 5: Jes 55,1-11;L 6: Bar 3,9-15.32-4,4; L 7: Ez 36,16-17a.18-28; Epistel: Röm 6,3-11; Ev: Mk 16,1-7


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Christus ist erstanden! Er stirbt nicht mehr. Halleluja!“ Dies ist unser frohes Bekenntnis zu dieser nächtlichen Stunde. Ja, der Herr ist wahrhaft auferstanden, und wir dürfen seine Zeugen sein! Das Leben hat über den Tod gesiegt, das Licht dieser heiligen Nacht erleuchtet die Welt, und dies seit zweitausend Jahren.

Wer von uns sehnt sich nicht danach, daß alles Negative in seinem Leben überwunden wird? Wer erstrebt nicht von Herzen das wahre Glück, das das Leben erst lebenswert macht? Freilich gehen die Meinungen auseinander, worin dieses Glück besteht. Viele suchen es, nur wenige – so scheint es – finden es wirklich. Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet, wo die wahren Freuden sind. „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir“, o Gott, sagt Augustinus.

Mit der Auferstehung Christi ist unserem ruhelosen und unsteten Herzen ein Ort gegeben, wo wir wahrhaft innerlich zur Ruhe kommen können. Unser verstörtes und verängstigtes Herz kann einen Anker finden, wo es Halt, Sicherheit und Geborgenheit erfährt. Dieser „Ruheplatz am Wasser“ (Ps 23,2) ist die Liebe des lebendigen Gottes, die mächtiger ist als Sünde, Tod und Teufel. Ja, in Christi Auferstehung hat Gott wirklich den Sieg über alles Böse davongetragen! Die Frucht dieses Sieges ist Friede und ewiges Leben für alle, die glauben.

So können wir sagen: Als Glaubende und Liebende finden wir im Herzen Jesu, des Auferstandenen, die wahre Ruhe und den wahren Frieden. Bei Gott Ruhe finden bedeutet freilich nicht, plötzlich untätig zu sein. Im Gegenteil: Unser Ruhe-Finden in Gott ist verbunden mit höchster Aktivität, so wie sie eben die Liebe schenkt. Wahre Liebe geht ja über sich hinaus. Sie verschenkt sich, sie teilt sich mit. Wer erfährt, daß Gottes Liebe ihn angenommen hat, der wird fähig, auch andere Menschen in Liebe anzunehmen. Wer von Gott Vergebung empfangen hat, wird dazu fähig, auch den Brüdern und Schwestern zu vergeben, die an uns schuldig geworden sind. Wer von Gottes Güte erfahren hat, möchte diese auch anderen mitteilen.

Und so sind auch jene Menschen, die als erste von der Auferstehung Christi erfahren haben, hinausgegangen in die Welt. Sie haben anderen von jener Botschaft der Freude und der Liebe erzählt und so mitgeholfen, durch den Glauben mehr Frieden in diese von Streit und Auseinandersetzung zerrissene Welt zu bringen.

Im Evangelium haben wir von den frommen Frauen gehört, die den Leichnam Jesu mit wohlriechenden Salben einbalsamieren wollten. Sie suchten ihn als Toten, als Gekreuzigten, und fanden ihn nicht. Denn das Grab war leer! Statt dessen verkündet ihnen ein Engel in weißen Gewändern: Jesus von Nazareth ist auferstanden! Als sie das hören, sind sie verwirrt und verschreckt. Und doch geschieht hier Großes und Neues in ihrem Herzen. Lebendige Hoffnung erwacht, Glaube und Liebe brechen durch. Die Osterfreude bahnt sich ihren Weg. Diese gute Nachricht müssen sie weitergeben. Darum sagt der Engel zu ihnen: Sagt es seinen Jüngern, vor allem dem Petrus! Diese Freude und diese Botschaft ist zu groß, als daß ein Herz sie für sich behalten könnte. Sie muß verkündet werden in der ganzen Welt: Christus lebt, er ist wahrhaft erstanden vom Tod!

Die Botschaft dieser hochheiligen Nacht lautet also: Schenken wir Jesus Christus unseren Glauben, öffnen wir Gott unser Herz! Er, der Auferstandene, der ewig lebt, möchte uns mit seinem Frieden erfüllen. Diesen Osterfrieden dürfen wir in alle Welt tragen, damit alle Menschen das Leben haben und es in Fülle haben (vgl. Joh 10,10). Amen