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Predigt:

Christi Himmelfahrt C (20.05.2004)

L1: Apg 1,1-11; L2: Eph 1,17-23 oder Hebr 9,24-28;10,19-23; Ev: Lk 24,46-53


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

„Christi Himmelfahrt“ ist kein bloß „mythologisches Ereignis“ oder nur eine Chiffre für das Unsagbare, sondern es handelt sich um eine Glaubenswahrheit. Freilich ist es ein Geheimnis, das wir nicht verstandesmäßig ausloten können, wohl aber im glaubenden Herzen erwägen sollen!

40 Tage nach seiner Auferstehung hat Jesus, der Herr, die Apostel und Jünger in gewisser Weise verlassen, indem die Erscheinungen des Auferstandenen aufgehört haben und er vor ihren Augen in den Himmel aufgefahren ist. Aber, um es richtig zu sagen: Er hat ihnen nur seine sichtbare Gegenwart entzogen, weil er ihnen und uns allen vorausgegangen ist zum himmlischen Vater. Auf unsichtbare Weise ist er dennoch bei ihnen geblieben. Er sagt selber, dass es gut ist, dass er zum Vater geht. Denn nur so kann er den Beistand senden, den Heiligen Geist. Er ist der Tröster und Fürsprecher. Im Heiligen Geist glauben wir und sind wir mit dem auferstandenen und verherrlichten Herrn verbunden, auch wenn wir ihn nicht sehen, da er sich unseren Blicken entzogen hat.

Einmal freilich wird der Herr wiederkommen in Herrlichkeit am Ende der Tage. Dann werden ihn alle sehen, auch jene, die ihn durch ihre Sünden am Kreuz durchbohrt haben. Bis dahin gilt es auszuharren in Glaube, Hoffnung und Werken der Liebe. Jeder Tag ist ein Geschenk Gottes, an dem wir uns einüben sollen in die kommende ewige Gemeinschaft mit Gott im Himmel.

Der Himmel ist für uns Christen keine billige Vertröstung, sondern höchste Wirklichkeit. Es ist nicht einfach der „Wolkenhimmel“, an den wir glauben, sondern der Himmel Gottes. Damit ist eine neue Seinsweise verbunden, in der die Geretteten Gott in Ewigkeit anbeten, ihm Dank sagen und in den gemeinsamen Jubel ohne Ende einstimmen werden.

Was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben, übersteigt jede menschliche Vorstellung. Wir können es nicht begreifen und beschreiben. Auf diese Weise wird der Glaube an unsere Vollendung bei Gott in der Herrlichkeit des Himmels uns nicht davon abhalten, das Leben auf Erden zu wirken. Im Gegenteil! Es gilt, sich hier zu bewähren und Gutes zu tun. Alles Gute, was auf Erden geschieht, ist in gewisser Weise anfanghafte Teilhabe am Reich Gottes. Das Reich Gottes ist schon unter uns: verborgen zwar, aber dennoch wirklich. Es wird sich einst vollenden in himmlischer Herrlichkeit, wenn Gott selber den „neuen Himmel“ und die „neue Erde“ erschafft.

Möge es uns geschenkt sein, jeden Tag in der Wachsamkeit der Liebe zu verbringen und in gläubiger Erwartung auf das, was uns geschenkt werden soll vom Herrn der himmlischen Herrlichkeit. Der Leitstern unseres Lebens, die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria, wird uns auf dem Weg zum ewigen Leben, zum himmlischen Paradies, begleiten und uns die Richtung weisen. Amen