Predigt:
Hochfest der Geburt des Herrn (Christmette) C (24.12.2003)
L1: Jes 9,1-6; L2: Tit 2,11-14; Ev: Lk 2,1-14
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Wenn wir jetzt in großer Zahl zur Weihnachtsmette versammelt sind, dann wollen wir uns dem eigentlichen Geheimnis von Weihnachten zuwenden. Gewiss, wir freuen uns an dem, was diesen Tag umgibt: Lieder, Geschenke, frohes Beisammensein, ein gutes Essen. Aber das Eigentliche und Tiefste, von dem dieser Tag lebt und wo gleichsam die Seele von Weihnachten zu finden ist, ist jene frohe Botschaft: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“ (Lk 2,11)
Was bedeutet es, dass Gott selber für uns Mensch geworden ist? Wie ist es zu erklären, dass der himmlische Vater uns seinen Sohn geschenkt hat, damit wir zu Kindern Gottes werden? Um das zu begreifen, müssen wir gleichsam auf den Kontrast dessen schauen, was uns geschenkt wurde. Auch in einer so frohen Stunde wie diese möge es gestattet sein hinzuweisen auf die Not und das Elend so vieler Menschen auf der Welt.
Wie viele Menschen sind doch auf der Suche nach einem Sinn für ihr Leben! Sie erfahren Not und Bedrängnis, kennen Einsamkeit und Enttäuschung und sehnen sich nach Glück und Geborgenheit. Die größte Frage für jeden stellt wohl der Tod dar, der uns alle erwartet. Es ist, wie wenn die Menschheit als ganze aufseufzt zum Himmel hin und ruft: „Tauet Himmel den Gerechten, Wolken regnet ihn herab!“
Heute jedoch, liebe Brüder und Schwestern, ist dieser Wunsch und diese Sehnsucht Wirklichkeit geworden. Im Geheimnis von Weihnachten feiern wir jenes Geschehen, in dem vor 2000 Jahren der Sohn Gottes vom Himmel herabstieg und einer von uns wurde: Als Mensch in allem uns gleich, außer der Sünde, geboren von der Jungfrau Maria.
Die frohe Botschaft des Weihnachtsfestes lautet: Gott liebt uns! Gott liebt uns wirklich. Und um zu zeigen, dass es ihm ernst war mit seiner Liebe zu uns, ist er herabgestiegen in unser „Tränental“ und hat das Menschsein angenommen. Ohne sein Gott-Sein zu verlieren, ist der Sohn Gottes Mensch geworden. Als Mensch wollte er unter uns leben und freiwillig den Tod auf sich nehmen, um uns von unseren Sünden und allem Bösen zu erlösen. Wer wollte da nicht Hoffnung schöpfen und neuen Mut fassen, Gott zu nahen?
Was aber folgt aus diesem „Evangelium“, aus dieser wahrhaft „guten Nachricht“ und „frohen Botschaft“? Wenn Gott uns so sehr geliebt hat, dann müssen auch wir einander lieben und annehmen. Wir können nur dann glaubwürdig Weihnachten feiern, wenn es ein Fest der Liebe ist und nicht des Egoismus. Wir sind nur dann Christen, wenn wir Maß nehmen an unserem Herrn Jesus Christus und seiner Lebenshingabe für uns.
Lassen wir uns also in dieser Heiligen Nacht erleuchten vom Licht aus der Höhe, das über uns aufgestrahlt ist. Geben wir dem Dunkel der Bosheit und Sünde keinen Raum mehr, sondern öffnen wir unser Herz für die Liebe. Der Blick auf das Kind in der Krippe, vor dem wir knien, möge uns hierbei helfen, einzudringen in jenes Geheimnis, in dem Gott selber uns auf endgültige Weise gezeigt hat, dass er uns Menschen liebt. Dann werden wir diese Liebe auch weiterschenken an andere, da wir alle berufen sind, als Kinder Gottes zu leben und einst einzugehen in sein himmlisches Reich! Amen
