Predigt:
Licht, Kraft und Trost von oben
2. Fastensonntag A (01.03.2026)
L1: Gen 12,1-4a; L2: 2 Tim 1,8b-10; Ev: Mt 17,1-9
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Manchen Menschen erscheint ihr Alltag als eintönig und langweilig, sozusagen „grau in grau“. Täglich sind dieselben Aufgaben zu erfüllen und dieselben Rituale und Vollzüge begleiten uns. Wo bleibt die Spannung, wofür interessieren wir uns noch? Vielleicht ist es gerade für alte und einsame Menschen ein Problem, dass ihr Leben gar so eintönig ist.
Das Evangelium des 2. Fastensonntags schildert die Verklärung Jesu auf dem Berg. Ja, da bricht mitten in den Alltag der Apostel etwas ein, mit dem sie nicht gerechnet hatten! Sie werden Zeugen einer wunderbaren Verwandlung Jesu, wo er im Licht aufstrahlt und mit den Großen des Alten Testaments spricht, mit Mose und Elija. Aus einer leuchtenden Wolke hören sie die Stimme Gottes, des Vaters, der Jesus als seinen Sohn bezeugt. Auf ihn sollen sie hören.
Gibt es nicht auch in unserem Leben, so alltäglich es vielleicht auch für gewöhnlich ist, besondere Stunden der Freude und der Erhebung unseres Herzens? Da werden wir gleichsam herausgeholt aus dem Gewöhnlichen. Dies kann sich vollziehen durch ein intensives Naturerlebnis, durch eine berührende menschliche Begegnung und Anteilnahme am Schicksal anderer und auch im Gebet als dem vertrauten Zwiegespräch mit Gott.
Von solchen Höhepunkten des Lebens fällt dann aber auch wieder Licht auf das übrige Leben. Auch die Apostel kehrten nicht als dieselben vom Berg zurück, als die sie aufgestiegen waren. Sie konnten das Geschehen zwar noch nicht richtig einordnen, aber es auch nicht vergessen. Es hatte sich ganz tief in ihrer Seele eingeprägt, und als dann Jesus von den Toten auferstanden war, da konnten sie es auch anderen mitteilen. Da fanden sie plötzlich die Worte dafür und sahen die Verklärung des Herrn am Berg Tabor als Vorbereitung an für das, was ihnen damals noch bevorgestanden hatte.
Gönnen wir uns selbst und auch anderen mitten im grauen Alltag, mitten in allen Anforderungen und vielleicht auch Überforderungen doch mitunter ein paar Minuten der Stille und der Besinnung! Die Fastenzeit lädt uns dazu ein. Dann kommen wir zurück auf das Wesentliche des Lebens, und Dankbarkeit kehrt ein in unserem Herzen. Wir begreifen, dass das Leben eine kostbare Gabe ist, eine Perle, die uns doch jeden Tag neu geschenkt wird und die es zu hüten gilt. Mag auch so manches im Leben zur Routine werden; es gibt doch zugleich andere und ganz wichtige Dinge, die wir nicht bloß gewohnheitsmäßig vollziehen sollen. Ein freundlicher Gruß, ein gutes Wort, eine Geste der Zuwendung zu einem lieben Menschen – all dies schenkt unserem täglichen Leben einen Inhalt und verleiht ihm eine Tiefe, die man sonst nicht bemerkt.
Gott hat Großes mit uns vor. Dies gilt auch dann, wenn ein Mensch arm und krank ist. Wir sind ja in der Taufe zu Kindern Gottes geworden und haben gleichsam ein Unterpfand für den Himmel erhalten. Freilich ist dies alles ein Geschenk, und je mehr wir dafür dankbar sind, desto mehr wird uns auch im Alltag die verborgene Herrlichkeit Gottes offenbar werden. Denn die Sonne der Liebe Gottes leuchtet uns stets, und manchmal erstrahlt sie besonders hell. So gewinnen wir wieder neue Kraft für den Alltag, für ein Leben der Gottes- und Nächstenliebe. Möge uns die heilige Gottesmutter Maria und der heilige Josef mit ihrer Fürbitte begleiten! Amen.
